Böblinger Pianistenfestival: Hoffnen auf das Frühjahr

Im Januar wollten Böblingens Kulturamtsleiter Peter Conzelmann und der künstlerische Leiter Ulrich Köppen die neue Auflage des Internationalen Pianistenfestivals veranstalten. Die Pandemie machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

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    Organisatoren-Duo: Peter Conzelmann und Ulrich Köppen hoffen auf einen baldigen Nachholtermin für das Festival. Foto: Archiv/Bischof

Artikel vom 20. Januar 2021 - 11:00

Guten Tag Herr Köppen und Herr Conzelmann! Im Oktober haben Sie das Programm für das Pianistenfestival 2021 vorgestellt. Kurz darauf kam der "Lockdown light", danach der harte und dauerhafte Lockdown. Das Festival musste verschoben werden. Hand aufs Herz: Wie kurz waren Sie davor, vor lauter Frust an die Decke zu gehen oder irgendetwas kaputt zu schlagen?
Conzelmann: Wir sitzen im gleichen Boot wie alle anderen Veranstalter. Und wie diese, so mussten auch wir die Zähne zusammenbeißen und konstruktiv nach Alternativen suchen. Sprich: das Festival, so möglich, verschieben. Wir konnten jedoch relativ rasch alle Termine abklären, und somit hielt sich der Frust bei uns in Grenzen.

Das erste Konzert mit Jacob Leuschner war für den 8. Januar geplant. Jetzt ist der Auftakt auf 16. April verschoben, eröffnen soll dann Robert Neumann. Wie schwierig war es, die neuen Termine mit den Künstlern abzustimmen?
Köppen: Bei vielen Künstlern, die von ihrem hauptberuflichen Leben und leider auch von einem Teil ihrer lebenswichtigen Einnahmen abgeschnitten sind, war es kein Problem, mit ihnen neue Termine zu vereinbaren. Selbst wenn sie eine zusätzliche Haupteinnahmequelle haben - eine Professur oder einen Lehrauftrag - haben sie doch mehr freie Zeit. Wir würden ihnen vor allem gerne die Konzerte ermöglichen, denn sie leben in ihrem Selbstwertgefühl dadurch, dass sie über künstlerische Arbeit mit einem Publikum Kontakt aufnehmen und ein emotionales Gemeinschaftserlebnis erschaffen. Dieser Lebenszweck wurde durch die Entscheidungen der letzten Wochen verunmöglicht. Und man muss leider auch sagen, dass die vollmundig verkündeten Überbrückungshilfen für Künstlerinnen und Künstler erst zu einem geringen Teil geflossen sind.

Wie waren denn die Rückmeldungen des Publikums? Gab es Kritik? Wurden Karten zurückgegeben? Oder haben alle die Verschiebung anstandslos akzeptiert?
Conzelmann: Da wir, bedingt durch die Hygienevorschriften, von allen Kartenkäuferinnen und - käufern die Adressen hatten, konnten wir diese direkt anschreiben und unsere Entscheidung mitteilen. Das Publikum hat sehr verständnisvoll reagiert und die Verschiebung akzeptiert.

"Auf Sicht planen" heißt im Moment bei Kulturveranstaltern das Motto. Wie zuversichtlich sind Sie, dass das das Festival im April tatsächlich stattfinden kann?
Conzelmann: Ich gehe davon aus, dass wir ab April wieder Land sehen, das heißt, wieder Veranstaltungen machen können. Nach den letzten Aussagen der Bundeskanzlerin kann es aber knapp werden.

Werden im April dieselben Rahmenbedingungen wie bei der ursprünglichen Planung gelten? Sprich: deutlich reduzierte Zuschauerzahlen und Zusatzkonzerte am Vortag, wenn die Publikumsnachfrage entsprechend groß ist?
Conzelmann: Es wird wohl ziemlich sicher noch Einschränkungen geben, ähnlich denen vor dem aktuellen Lockdown - also eine reduzierte Anzahl von Plätzen. So war es auch schon für den Januar geplant.

Wenn wir uns die ketzerische Frage erlauben dürfen: Wäre es bei all den Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit dieser Pandemie nicht schlauer gewesen, das Festival zeitlich gleich noch weiter nach hinten zu verschieben - vielleicht in den Spätsommer oder womöglich gleich ganz ins nächste Jahr?
Conzelmann: Verschieben um ein Jahr macht keinen Sinn, denn da gibt es schon die Festival-Ausgabe des Jahres 2022. Das heißt, das Festival wär komplett ausgefallen. Also wäre höchstens ein Verschieben bis in den Sommer oder Herbst vielleicht die sicherere Variante gewesen. Wir waren letzten Herbst jedoch guter Dinge, dass man es für April ins Auge fassen kann.

 

Info: Durch die Verschiebung des Internationalen Pianistenfestivals im Württembergsaal der Kongresshalle Böblingen ergibt sich nach derzeitiger Planung folgendes Programm: Freitag, 16. April, Robert Neumann; Freitag, 23. April, Jacob Leuschner; Freitag, 30. April, Jong-Hai Park; Freitag, 7. Mai, Elena Kolesnitschenko.

Das Recital des brasilianischen Staatsbürgers Ronaldo Rolim war ursprünglich für 22. Januar vorgesehen. Dieses Gastspiel soll jetzt auf das Jahr 2022 verlegt werden. Elena Kolesnitschenko spielt laut dem künstlerischen Leiter Ulrich Köppen unter anderem Teile des Programms von Ronaldo Rolim, darunter die "Variations sérieuses" von Felix Mendelssohn-Bartholdy. "Alle bereits erworbenen Eintrittskarten für die Konzerte im Januar behalten ihre Gültigkeit", versichert die Stadtverwaltung. Unter der Adresse http://www.pianistenfestival-bb.de finden sich weitere Informationen zum Festival.

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