Songwriting per Zoom-Konferenz

Neue Musik von Daniel Vogrin.

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    Daniel Vogrin Foto: Rebecca Kraemer

Artikel vom 08. Januar 2021 - 19:12

KÖLN/MAICHINGEN (red/edi). "Also, ich war am Anfang schon ziemlich bedient", sagt der in Maichingen aufgewachsene Daniel Vogrin auf die Frage, wie sich die Corona-Krise auf sein Leben als Musiker ausgewirkt hat. Der "kreative Boost", den so viele Künstlern während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr erlebt haben wollen, sei bei ihm ausgeblieben. "Mich hat das eher ein bisschen blockiert", räumt der 23-Jährige ein, dass ihn damals eher der Gedanken daran, "Kohle verdienen zu müssen", beschäftigt habe.

Die pandemiebedingte Zwangspause habe er eher als ärgerlich empfunden. "Aber schließlich habe ich angefangen, Lösungen zu finden", erzählt er von Musik-Videodrehs mit seinem WG-Genossen oder von Online-Aufnahmesessions, bei denen er per Zoom-Konferenz mit seinen Kumpels Jannik Morgana und Lukas Klotzbach zusammenarbeitet. Klotzbach (Into the Fray) stammt ebenfalls aus Maichingen. Die beiden Songpoeten sind jedes Jahr aktiv beim Sindelfinger Indie-Festival "Dit is schade" beteiligt. Zuhause in Sindelfingen sei auch nach wie vor seine "musikalische Blase", sagt Vogrin.

Zu seinem Glück ist Vogrin nicht ausschließlich auf die Musik angewiesen. In Karlsruhe hat er Kulturjournalismus studiert. Bereits seit anderthalb Jahren lebt er in Köln, wo er unter anderem als freier Journalist für den WDR-Radiosender 1Live tätig ist.

Selbst Musik machen, Lieder schreiben und auf der Bühne stehen - das ist es aber, was Daniel Vogrin eigentlich tun will. Wann das wieder geht, steht in den Sternen. "Ich habe aufgehört, für 2021 krass zu planen", sagt der 23-Jährige. Stattdessen konzentriert er sich auf seine EP "Eine Jugend", die in den kommenden Monaten erscheinen soll.

Bisher hat er schon drei Singles daraus veröffentlicht. Mitte Dezember ist der Song "Ich-Wille" erschienen. Mit Blick auf die Musik, die man sonst von dem jungen Songpoeten gewohnt ist, wirkt dieser Titel wie ein Ausreißer: Der Song beginnt nämlich direkt mit einem treibenden Rhythmus und nicht wie sonst etwas ruhiger. Inhaltlich bleibt sich Vogrin treu: Ernst, intensiv, nachdenklich und durchaus unbequem geht es seinen Texten zu. Das gilt auch für diesen Song.

Wer sich mit Vogrin unterhält, entdeckt da schon einen Widerspruch. Im Gespräch kommt er nämlich gar nicht übermäßig ernsthaft daher. Offenbar geht es ihm selbst genauso. "So düster, wie ich manchmal denke, bin ich gar nicht. Eigentlich hab ich Bock aufs Leben", sagt er über sich selbst - und fügt hinzu: "Es kann nie tief genug gehen, aber um klarzukommen, braucht es manchmal auch den peinlichen Spruch, der die Stille bricht."

Den Song und weitere Infos gibt es unter http://www.danielvogrin.de im Netz.

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