Auszeichnung für Cello-Ensemble aus Weil im Schönbuch

"Jugend musiziert": Streicherensemble aus Weil im Schönbuch nimmt erfolgreich beim Wochenende der Sonderpreise teil.

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    Unter dem Namen Zehnkunst holen die Cello-Talente vom Jungen Streichorchester Weil im Schönbuch in Freiburg einen Sonderpreis Foto: JSOW

Artikel vom 25. September 2020 - 17:18

WEIL IM SCHÖNBUCH/FREIBURG (red). "WESPE" - was klingt wie ein stachelbewehrtes Insekt, ist zugleich die Kurzform für das "Wochenende der Sonderpreise" mit Preisträgern des Wettbewerbs "Jugend musiziert". Dahinter verbirgt sich für gewöhnlich eine Art vierte Runde des jährlich stattfindenden Wettbewerbs, der Preisträgern der Bundesebene die Möglichkeit gibt, in besonderen Kategorien um die gestifteten Sonderpreise zu spielen.

Dieses Jahr war, wie vielerorts, alles ein bisschen anders. Der Landes- und Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" konnte nicht wie geplant durchgeführt werden. Für WESPE ermöglichte jedoch ein ausgeklügelter Plan mitsamt Hygienekonzept die Durchführung. Der Wettbewerb fand vom 17. bis 19. September in Freiburg statt.

Sehr zur Freude des Celloensembles Zehnkunst, das sich aus Schülerinnen und Schülern des Jungen Streichorchesters Weil im Schönbuch (JSOW) rekrutiert. Schon beim Regionalwettbewerb von "Jugend musiziert" im Februar dieses Jahres hatte die Streicherformation mit Erfolg teilgenommen. Unter dem Namen Elf von Elf erreichten die jungen Talente in der Kategorie "Neue Musik" die Maximalpunktzahl von 25 (wir berichteten).

Weil ein Mitglied durch die Teilnahme an einem anderen Wettbewerb verhindert war, traten die Cellisten in Freiburg zu zehnt an. Mit einer kreativen Darbietung des selbstkomponierten Werkes "10 pm" konnte das Ensemble den Sonderpreis der "Pflüger Stiftung - International Violin Foundation Freiburg" spielend erobern. Oder eher spielend, singend, tanzend, trommelnd und sprechend - schließlich brachten die zehn Teenies in ihr eigenes Werk eine enorme Bandbreite künstlerischer Fähigkeiten ein.

Alle zehn jungen Talente tragen zu dem Stück einen eigenen Satz bei

Der Sonderpreis in der Kategorie "Beste Interpretation eines eigenen Werkes" zeichnet die kreative künstlerische Leistung aus, die in der Einheit von Komponist und Interpret einen ganz besonderen Stellenwert bekommt. Und an Kreativität und künstlerischer Vielfalt ließen die Zehn es wahrlich nicht fehlen: Von jedem Mitspieler stammt ein Satz des Werkes.

Das Intro zu "10 pm" von Benjamin Billing aus Tübingen stimmt mit tiefen, bedrohlichen Halbtonschritten auf die Nachtzeit mit all ihren Schatten und Gefahren ein. Felix Margenfeld aus Altdorf komponierte "Drunk@10pm", wo durch außergewöhnliche rhythmische Strukturen und einen schillernden Wechsel zwischen Harmonie und Dissonanz das Aufweichen der Grenzen zwischen Realität und Imagination in der betrunkenen Abendstunde Ausdruck finden.

Ein sphärischer Spuk von Gabriel Fetzer aus Gomaringen wischt vorbei und wird zur wilden Gespensterjagd von Jule Eble aus Holzgerlingen. Und plötzlich ist die Jagd ein Tango, der zur Arie wird, komponiert, getanzt und gesungen von Valerie Jautz aus Dettenhausen. Die Hybris der dargestellten Diva bleibt nicht lange verschont von Hasskommentaren in Form eines Battle-Raps. Den Spiegel, der dabei zerbricht, zeichnete Jana Genther aus Hildrizhausen nach.

"Tatort"-Feeling kommt im anschließenden, von Fiona Ott aus Schönaich geschriebenen "Crime" auf. Alina Billing aus Tübingen fügte dem Werk die "Gruselmelodie" bei, in der die zehn Cellisten auf vielschichtige und abstrakte Art ein Schaudern heraufbeschwören. Die "Mondnacht" von Frizzi Schulreich aus Dettenhausen versöhnt den Hörer wieder mit der Nacht, die auch ruhig und zauberhaft klingen kann.

Das Ende des Werkes kommt mit Schrecken: Die "Verfolgungsjagd" von Sophie Kühner aus Herrenberg ist eine große Steigerung in Tempo und Spannung bis zum letzten Ton. Eingerahmt ist das Werk durch zehn Glockenschläge am Anfang und Ende- "ein Wimpernschlag der Zeit". Alles in einem Moment, alles zugleich und wieder verflogen.

Die versierte und detailverliebte Interpretation ihres Stückes haben die jungen Cello-Talente in der letzten Ferienwoche unter Klausurbedingungen und der engagierten Leitung von Musiklehrerin Gabi Scheungraber einstudiert. Ein Aufwand, der sich offensichtlich gelohnt hat.

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