Stuttgart 21 wird Stuttgart 41

Artikel vom 01. Juli 2020 - 17:36

Zum Artikel vom 26. Juni "Bund forciert in der Region den Bahnausbau"

Bereits vor zehn Jahren wurde in einem Schlichtungsverfahren über das Projekt Stuttgart 21 diskutiert. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass ab Verknüpfung der Neubaustrecke von Mannheim mit der bestehenden Strecke von Ludwigsburg bis zum Hauptbahnhof ein Nadelöhr entsteht. Zum anderen wurde festgestellt, dass die Führung der Gäubahnzüge über die Filderstrecke (speziell für die S-Bahn gebaut) nicht fahrbar ist. Wegen der engen Kurven wird es ein Begegnungsverbot geben, das heißt, die S-Bahn muss zum Beispiel in Oberaichen warten, bis der Gäubahn-Gegenzug vorbei ist. So ist kein Fahrplan fahrfähig. Die Bedenken wurden damals von Seiten der Bahn weggewischt. Mit der Planung des Deutschlandtaktes hat man beim Bund jetzt doch die Engpässe erkannt. Zwei neue zusätzliche Tunnel sollen die Probleme lösen. Zum einen wird die Neubaustrecke direkt bis Feuerbach und die Gäubahn ebenfalls in einem Tunnel direkt zum Flughafen in den neuen Flughafenbahnhof geführt. Damit kann der Ausbau der Filderstrecke und das dritte Gleis für die Gäubahn beim jetzigen Flughafenbahnhof der S-Bahn entfallen. Das bedeutet aber, mindestens zehn Jahre Planung und bis zu zehn Jahre für den Bau der neuen Tunnel, eventuelle Einsprüche sind nicht berücksichtigt. Eine endgültige Gesamt-Inbetriebnahme von Stuttgart 21 wäre dann vielleicht im Jahre 2041 möglich, Stuttgart 41 läßt grüßen. Wenn man bedenkt, dass laut Vertrag von Lugano die Rheintalstrecke mit Eröffnung des Gotthard-Basistunnel im Jahre 2016 fertig sein sollte, heute redet man mittlerweile von Fertigstellung im Jahre 2030 bis 2035, dann habe ich mit Stuttgart 41 schon wieder große Bedenken. Allerdings gibt es noch andere Gerüchte, auf Druck der Schweiz soll bei der Gäubahn-Unterbrechung der InterCity von Zürich ab Horb über Tübingen geführt werden, damit wäre die Gäubahn direkt am Flughafen angeschlossen. Die Regiozüge von Rottweil und Freudenstadt werden in Vaihingen enden, die Fahrgäste zum Flughafen aus dem Kreis Böblingen werden weiterhin mit der S-Bahn in Rohr umsteigen.

Wolfgang Roth, Grafenau

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