Corona-Virus sollte Denkanstoß sein

Artikel vom 13. April 2020 - 19:36

Zum KRZ-Titelbild "Geisterstunde am Flughafen" vom 7. April

Ja, es stimmt. Das Corona-Virus wirbelt unser für so selbstverständlich gehaltenes Alltagsleben durcheinander. Und wie so oft liegen Freud und Leid nah beieinander. Die beim Flughafen beschäftigten Menschen leiden; die Menschen in Holzgerlingen, Schönaich, Steinenbronn - die gesamten Gemeinden auf der Filder - können aufatmen und die ungewohnte Ruhe genießen. Auch mir als Böblinger fällt auf, wie ruhig es ohne Fluglärm ist und vor allem: Haben Sie seit dem Vulkanausbrauch auf Island im Jahr 2010 jemals wieder einen tagelang so stahlblauen Himmel über Böblingen erlebt? Corona sollte uns nachdenklich machen, was wir der Umwelt antun, wenn die Wirtschaft brummt. Und wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob wir uns weiter so völlig abhängig von China machen wollen. Warum stellen wir lebensnotwendige Medikamente und Schutzkleidung für unser Gesundheitssystem nicht selbst her? Nur weil es einige Euro teurer ist? Das kann ich ab sofort keinem Politiker mehr glauben, wenn ich jetzt tagtäglich lese, wie mit Billionen jongliert wird. Zur Erinnerung: Eine Billion entspricht eintausend Milliarden. Und deshalb müssen endlich auch die in Pflegeheimen und Krankenhäusern beschäftigten Menschen besser entlohnt werden. Was ich sehr positiv finde: Die Wissenschaft, besonders die Grundlagenforschung, wird endlich gewürdigt. Was wären wir ohne die beharrlichen Forscher, Virologen, und Mediziner? Jetzt zeigt sich der Unterschied zwischen Fakten und "Fake"! Vielleicht zollt die Gesellschaft dann auch endlich der faktenbasierten Klimaforschung Respekt. Und wir alle - so meine Hoffnung - nehmen die Warnungen ernst, auch wenn die Klimaerwärmung mit der akuten Viruskrise zeitlich nicht vergleichbar ist. Wenn wir nicht endlich massiv umsteuern und von der wachstumsfixierten Verschwendungswirtschaft zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft gelangen, werden unsere Enkel in einer Welt voller Beschränkungen leben müssen, gegen die die jetzigen Einschränkungen durch Corona nur ein laues Lüftchen sind.

 

Thomas Geiger, Böblingen

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