Sindelfingen darf noch einmal träumen

60 Jahre Musikschule: Andas Modern Dance Art eröffnet Feierlichkeiten mit Neuauflage der Biennale-Performance "Stadt(t)räume"

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    Tanztheater im Widerstreit zwischen Konformität und individueller Selbstverwirklichung: Andas Modern Dance im Odeon Foto: Tarek Musleh

Im Rahmen der Biennale Sindelfingen präsentierte Monika Heber-Knoblochs Tanzensemble vergangenes Jahr die Produktion "Stadt(t)räume - das Maß aller Dinge". Zum Auftakt der Festivitäten rund ums 60-jährige Bestehen der Musikschule Sindelfingen gibt es Anfang März eine Wiederaufführung im SMTT-Odeon.

Artikel vom 20. Februar 2020 - 18:18

SINDELFINGEN (red/edi). Sie sind wieder da: die "Stadt(t)räume". Bei der letztjährigen Biennale wurde das Tanztheater der Gruppe Andas Modern Dance vom Publikum umjubelt. Die Vorstellungen, die im gewittrig-schwülen Juli 2019 vor und witterungsbedingt zum Teil auch in der Sindelfinger Martinskirche stattfanden, waren komplett ausverkauft. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Schule für Musik, Theater und Tanz (SMTT) gibt es jetzt eine Neuauflage. Man darf gespannt sein, wie gut sich die "Stadt(t)räume" ins Odeon einfügen.

"Wie gut, wie wertvoll, wie wichtig, dass es Bildungsstätten wie die Schule für Musik, Theater und Tanz gibt", schreibt Monika Heber-Knobloch, langjährige Tanzpädagogin an SMTT und Leiterin des Andas-Ensembles, in einem Pressetext. "Wie klasse, dass die Wege in der Schule kurz sind, so dass ein Gemeinschaftswerk treppauf-treppab entstehen kann, das vom Austausch und vom Miteinander lebt. Wie schön, dass unser sehr erfolgreiches Tanztheater sich aus Künstlern und Künstlerinnen zusammensetzt, die alle mit der Schule verbunden sind", lobt sie weiter die Vorzüge und Stärken der SMTT.

Von Improvisation zur Bühnenreife

Die Tänzerinnen von Andas Modern Dance Art sind ein wichtiger Teil der SMTT. Das Ensemble hat sich dem Zeitgenössischen Tanz verschrieben. Die gemeinsame Entwicklung der Choreografie basiert auf der Arbeit am Thema. "In angeleiteten Improvisationen werden dazu auch persönliche Erlebnisse ausgegraben", erklärt Monika Heber-Knobloch: "Sie bilden den Boden, sind erste Fragmente eines Tanztheaters, das dann noch einen langen Weg vor sich hat, bis es bühnenreif ist."

In der Produktion "Stadt(t)räume" geht es um regelkonformes Zusammenleben im Widerstreit mit individueller Selbstverwirklichung. Es ist ein Tanztheater über Regeln und Freiheiten und was sie mit sich bringen. Regeln befolgen, nicht zu viel fragen, nicht zu viel sagen. Sich begnügen, funktionieren - das sind ein paar der Schlagwörter der Inszenierung. Dagegen stehen Fragen wie diese: "Was will ich erleben? Wen lieben, wie leben, was will ich sagen, was will ich geben, oder für was mich einsetzen?"

Mitwirkende sind Maren Hildebrandt (Tänzerin und Kulturmanagerin), Alicia Jehle (im dritten Jahr der Ausbildung an der Tanzakademie Minkov in Winnenden), Nathalie Machado (medizinische Fachangestellte und Fachwirtin), Olivia Musleh (Sozialpädagogin und Tanzpädagogin) sowie Birgit Wolf-Topoglu (Erzieherin und Naturheilkundlerin mit eigener Praxis).

Hand in Hand mit der Mitautorin und Erzählerin Corinna Hahn werden Thema, Tanz, Musik in eine Rahmenhandlung eingebettet. Sie schreibt seit Jahren Songtexte, Theatertexte und Kurzgeschichten. Sie tanzt zudem in einem Ensemble für Zeitgenössischen Tanz an der SMTT.

Die Musiker, Tobias Götzmann und Igor Petrov, sind im Kreis Böblingen wohlbekannt, oft hört man sie im Duo spielen - oder sie sind mit der Band Groove for friends unterwegs. Beim Tanztheater sind sie Partner, haben komponiert und arrangiert. Sie unterrichten an der SMTT Gitarre, E-Gitarre, Klavier und Akkordeon.

Die Kostümdesignerin Andrea Legler arbeitet "im normalen Leben" im Sekretariat der SMTT. Sie unterstützt als Produktionsassistenz Organisation, Abwicklung und Schreibtischarbeit. Als langjährige Tänzerin der smtt-Tanzwerkstatt weiß sie ganz genau, wie gut das richtige Kostüm das Thema unterstreicht. "Solch aufwendige Kostüme gab es aber noch nie", betont Monika Heber-Knobloch. Auch Veranstaltungstechniker Christian Ländner ist von den Sindelfinger Tanzproduktionen schon sehr lange nicht mehr wegzudenken. Ländner begleitet das Tanztheater vom Anfang bis zur Bühnenreife. Mit den Mitteln der Technik und des Lichts zaubert er eine zusätzliche Variante ins Geschehen.

Monika Heber-Knobloch ist schon seit beinahe vier Jahrzehnten professionell im Tanzbereich tätig. Sie war von 1983 bis 2014 Tanzpädagogin und Choreografin in Böblingen - anfangs noch an der Volkshochschule. Im Jahr 1994 baute sie an der Böblinger Musik- und Kunstschule den Fachbereich "Tanz" auf, den es bis dahin nicht gab. "Parallel dazu hatte ich an der SMTT ab 2002 eine Honorar-Lehrertätigkeit für Tanztheater, Modernen Tanz und Feldenkrais", erzählt sie. Seit dem Jahr 2014 ist sie an der Sindelfinger Musikschule festangestellt. "In meinem Choreografie-Leben sind an die 50 abendfüllende Programme entstanden", blick sie ihr Berufsleben zurück.

Am Donnerstag, 5. März, um 20 Uhr wird die Neuauflage des Tanztheaters "Stadt(t)räume - das Maß aller Dinge" im Odeon der SMTT in der Wolboldstraße 21 aufgeführt. Weitere Termine sind am Freitag, 6., Samstag, 7., und Sonntag, 8. März. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, am Sonntag bereits um 17 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es zum Preis von 17, ermäßigt 8 Euro beim i-Punkt am Marktplatz 1 in Sindelfingen, Telefon (0 70 31) 94-325 sowie bei der Geschäftsstelle Kreiszeitung in der Wilhelmstraße 34 in Böblingen, Telefon (0 70 31) 62 00 29.
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