Junges Streichorchester Weil im Schönbuch glänzt in der Holzgerlinger Erlöserkirche

Eigenkomposition von Ratiya Düpre als Uraufführung

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    Die junge Geigerin Ratiya Düpre präsentierte ihrer eigene Komposition als Uraufführung Foto: gdr

Artikel vom 09. Dezember 2019 - 17:12

HOLZGERLINGEN (red). Prall gefüllt mit neugierigen Zuhörern war die katholische Erlöserkirche am Sonntagabend. Jürgen Breuer, der im Namen der Kirchengemeinde die Begrüßung übernahm, verriet auch gleich weshalb: Das Publikum durfte gespannt sein auf ein ausgefallenes Programm mit Werken von Scarlatti, Weinberg, Britten und Düpre, letzteres sogar eine Uraufführung mit der Komponistin selbst an der Solovioline.

Charles Avisons Concerto Nr. 3 bildete den festlichen Auftakt zum Adventskonzert des Jungen Streichorchesters. Es handelt sich bei dem Konzert für Orchester um ein Arrangement nach Cembalo-Sonaten von Domenico Scarlatti. Einfühlsames Zusammenspiel im Orchester unter der Leitung von Erich Scheungraber fügte sich mit der weichen und süßen Tongebung von Konzertmeister Sebastian Fetzer in den Solopartien zu einer runden, weihnachtlich anmutenden Interpretation der barocken Preziosen.

Das Violinkonzert g-Moll von Ratiya Düpre hat die Komponistin ihrer langjährigen Lehrerin Theresia Hanke zum Abschied gewidmet. Ratiya Düpre wurde im Jahr 2005 geboren. Sie ist langjährige Mitspielerin im Jungen Streichorchester. Ihr Konzert soll eigentlich aus drei Sätzen bestehen. Die letzten beiden Sätze bedürfen nach eigener Aussage des talentierten Teenagers aber noch der orchestralen Ausarbeitung.

Die junge Komponistin und Solistin liebt technische Herausforderungen

Der aufgeführte erste Satz des Werkes lässt die Liebe der jungen Musikerin zu technisch-geigerischen Herausforderungen erkennen. Hochvirtuos meisterte sie die selbst gestellten Aufgaben und führte mit dem Orchester zusammen ein Werk auf, das von Fantasie und Freiheit erzählt.

Auch mit der Aufführung des Concertino op. 42 von Mieczyslaw Weinberg hatte es eine besondere Bewandtnis: Auf den Tag genau handelt es sich beim Konzerttermin, dem 8. Dezember 2019, um den hundertsten Geburtstag des 1996 verstorbenen Komponisten. Weinbergs Konzert bietet, wie jenes von Düpre, die Gelegenheit, geigerische Virtuosität zu präsentieren. Sebastian Fetzer bewies souverän, dass auch bei höchsten technischen Anforderungen Ruhe und Weite den Geigenton bestimmen können. Als Solist für den ersten Satz gestaltete er diesen nachdenklich und facettenreich. Dem Ensemble gelang eine Tongebung in großer Vielfalt der Klangfarben und musikalischer Charaktere.

Aus dem hinteren Teil des Kirchenraumes erklang einsam der Anfang der Kadenz zum zweiten Satz des Concertinos op. 42. Schritt für Schritt, Einsatz für Einsatz spielte Vincent Fritz voran bis zu dem Solistenplatz vor dem Orchester, wo er das Junge Streichorchester virtuos zum Zusammenspiel lud.

Den Schwermut und die Intensität des Satzes brachte er ebenso zur Geltung wie das Spiel mit den Klangfarben zwischen dem Orchester und Solovioline. Ersteres musizierte mit weichem, gedämpftem Klang, während dazu Vincent Fritz einen strahlenden, sich dennoch effektvoll mischenden Violinenton kombinierte. Einen drängenderen Charakter verlieh er dem dritten Satz, der an Verfolgung und Bedrohung denken lässt. Akkurat liefen die Motivreihen durch die Stimmen des Orchesters und der Solovioline und erzielten gerade dadurch dramatische, mitreißende Effekte.

Im Jahr 2020 feiert das Orchester Silber-Jubiläum

Zum Ausklang spielte das Orchester Benjamin Brittens "Simple Symphony" aus dem Jahr 1934. Die heitere Verspieltheit des in Brittens jungen Jahren komponierten Werkes brachten die Weiler Streicher lebendig zu Gehör. Hier entfalteten das ausgefeilte Zusammenspiel und der gemeinsame Ensembleklang noch einmal ihre ganze Pracht.

"Bemerkbar macht sich beim Jungen Streichorchester eben auch die Dauerhaftigkeit der motivierten musikalischen Arbeit", erklärt der musikalische Leiter Erich Scheungraber. Im Jahr 2020 feiert das Junge Streichorchester sein 25-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr wird es mit einigen besonderen Auftritten aufwarten, so etwa bei der Eröffnung des "Eclat"-Festivals in Stuttgart am 5. Februar oder in der Liederhalle Stuttgart am 20. Juni zusammen mit dem Stuttgarter Kammerorchester. Das renommierte Ensemble ist das Patenorchester der Weilemer, mit dem die jungen Musiker im Sommer ein vielbeachtetes Konzert in der Weilemer Festhalle präsentiert haben.

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