Achtung, jetzt kommt ein Karton: neue Ausstellung in Sindelfingen

Im Rahmen der Langen Museumsnacht wird heute die Ausstellung "On the Quiet" in der Galerie der Stadt Sindelfingen eröffnet

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    Im Zentrum des Projekts steht ein Paket. Darin war alles, was für die Ausstellung benötigt wird
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    Galerieleiterin Frey und Benjamin Appel
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    Aus dem Paketinhalt entfaltet sich eine recht eigenwillige Zusammenstellung von Bildern, Fotografien und Objekten Fotos: Stefanie Schlecht

Artikel vom 16. November 2019

SINDELFINGEN (red). "On the Quiet" nennt sich eine Gruppenausstellung mit Arbeiten von insgesamt 14 Künstlern, die ab heute und bis einschließlich 23. Februar in der Galerie der Stadt Sindelfingen zu sehen sein wird.

Im Zentrum des Ausstellungsprojekts steht ein Paket. Es wird zum Träger und Produzenten des Geschehens. Die einfachste und günstigste Lösung, um etwas Materielles weltweit von einem Ort zum anderen zu schicken, ist der Postverkehr. Folglich wird im Rahmen der Ausstellung ein Paket mit Kunst befüllt. In diesem Behältnis ist alles, was für die Ausstellung "On the Quiet" benötigt wird und alles, worauf nicht verzichtet werden kann. Ein einziges Paket von maximal 31,5 Kilogramm setzt den Rahmen, in dem sich die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler bewegen.

"Es besitzt die Flexibilität, ohne Mehraufwand um die Welt reisen und von Museum zu Museum wandern zu können", heißt es in einer Pressemitteilung der Galerie der Stadt. Von Sindelfingen wird das Paket zur Kunsthalle Mannheim reisen, von dort zum Museo Nacional de Bellas Artes in Santiago de Chile und anschließend weiter nach China, Mexiko oder Südafrika.

"Mit dem Aufkommen von Handelswegen wurde auch die bildende Kunst mobil, das heißt, verpackt, transportiert und ausgestellt", so die Pressemitteilung weiter, "zunächst regional, dann transnational, heute global." Kunst fuße auch auf einem unentbehrlichen Bedürfnis nach Sichtbarkeit und Austausch, nach Erweiterung innerhalb und außerhalb ihres vertrauten Terrains, heißt es in der Projektbeschreibung.

"In unserer Gegenwart kann alles überallhin verschickt und an jedem Ort entgegengenommen werden", erklärt Galerieleiterin Madeleine Frey. Das Projekt "On the Quiet" riskiere durch den Einsatz des "Postpakets" seine eigene Bedeutungslosigkeit: Die Kunst reist "incognito" und gibt ihren Status erst nach der Paketöffnung preis. Die Fracht wird als gewöhnlich und unpersönlich deklariert. Zu verstehen als minimalistische, subversive Geste und utopisches Modell eines alternativen Distributionssystems von Kunst. Und was passiert, wenn das Paket unterwegs verloren geht? "Dann endet das Projekt", lautet die lapidare Antwort der Organisatoren.

Und wenn das Paket verloren geht? Dann endet das Projekt . . .

Die Eröffnung findet um 19 Uhr im Rahmen der gemeinsam von den Kulturämtern von Böblingen und Sindelfingen organisierten Langen Nacht der Museen statt (weitere Infos unter http://www.krzbb.de/langenacht). Über diese Vernissage hinaus wird mit Kurzführungen, einem Künstlergespräch mit Joachim Kupke und einer Depotführung ein Blick hinter die Kulissen des Museums gewährt. So werden nicht sichtbare Räume des Museums zugänglich gemacht. Ausstellungsbegleiter sind während der Langen Nacht anwesend und beantworten Besucherfragen.

Die Mitwirkenden sind Jamika Ajalon, Benjamin Appel, das Künstlerduo Art N More (Paul Bowler und Georg Weißbach), Silvia Bächli, Ernst Caramelle, Eric Hattan, Schirin Kretschmann, Carolina Pérez Pallares, Marion Porten, Thomas Rentmeister Manuela Ribadeneira, Tilo Schulz und Maya Schweizer. Die Künstlerinnen und Künstler kommen aus Deutschland, der Schweiz, den USA und Ecuador. Sie leben und arbeiten in Paris, New York, Berlin, London, Leipzig, Wien und weiteren Städten.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Carolina Pérez Pallares und Benjamin Appel. Die Ecuadorianerin Pérez (Jahrgang 1980) hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe studiert. Mit ihren Arbeiten war sie in Ausstellungen in Frankreich, der Schweiz, Deutschland, Chile und Ecuador präsent. Benjamin Appel (geboren 1978 in Augsburg, lebt und arbeitet in Leipzig) studierte ebenfalls an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in China, Südamerika, Deutschland, der Schweiz und den USA gezeigt. Appel erhielt mehrere Preise und Stipendien. Seine Werke sind in den Sammlungen der Kunsthalle Mannheim, des Kunst Raum Riehens in der Schweiz, im Museum of Art Guangdong in China und im Museum Voorlinden in Den Haag zu finden.

Im Anschluss an die Lange Museumsnacht kann die Ausstellung "On the Quiet" zu den Öffnungszeiten der Galerie der Stadt am Marktplatz 1 besichtigt werden. Diese sind montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr.
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