B-Seite im Schlosskeller

Band-Debüt in Deufringen

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    B-Seite im Schlosskeller Foto: svo

Artikel vom 12. November 2019 - 17:24

DEUFRINGEN (svo). Am Samstag gab im Deufringer Schlosskeller die neu gegründete Formation B-Seite ihr Konzertdebüt. Erklärtes Ziel der Band ist es, Pop- und Rock-Cover anders zu Gehör zu bringen, als man das bisher allgemein kennt: Das heißt zum einen, nicht nur die Hits berühmter Künstler zu covern, sondern auch mal deren unbekanntere Songs darzubieten, oder eben gänzlich unbekanntes Liedmaterial von Künstlern anzustimmen, die im Radio eher ein Nischendasein fristen. Zudem wollen die Musiker den Songs auch einen eigenen "Touch" verleihen.

Kopf der Band ist Günter Dull aus Grafenau. Dull macht schon seit mehr als 40 Jahren Musik. Er hat schon mit Künstlern wie Airmail, Wolle Kriwanek, Mothers Finest und Stuart Copeland gespielt. Weitere Mitglieder von B-Seite sind Dulls Lebensgefährtin Christine Bochtler, langjährige Sängerin bei den Magics, sein Freund Robert Gaß aus Rutesheim sowie sein Bruder Georg Dull. Letzterer war früher Profimusiker bei der Band Zebra. Jedes Bandmitglied sollte Liedvorschläge einbringen, sein Lied dann auch singen und mit einer zugehörigen Geschichte, warum dieses Lied erwählt wurde, präsentieren. Eigens dafür lernten die Musiker sogar neue Instrumente, um sich jeweils abwechseln zu können.

Nach langer Vorbereitung im Probenraum lud B-Seite nun ins Deufringer Schloss zum ersten Gig ein und schaffte es auf Anhieb, das historische Gewölbe komplett zu füllen. Zum Auftakt erklang "Blackbird", von Cosby, Stills & Nash - einer "völlig unbekannten Band", wie Günter Dull witzelte. Dabei zeigte sich schon, wie B-Seite den Songs den eigenen Stempel aufdrückt: Die Instrumentierung - Percussion statt Schlagzeug, Gitarre, Bass und Synthesizer - ist sehr zurückhaltend, dafür gibt es aber immer wieder Viergesang, der den Liedern teils fast schon A-Cappella-Charakter verleiht.

"Neue Lieder, neue Musik und neue Techniken" wollten sie lernen, sagte Günter Dull, "und dabei keinem Stil folgen". Von Ballade über Pop-Song bis hin zu Country-Stück und Reggae - B-Seite lässt sich tatsächlich in kein Korsett zwängen.

Dass dabei nicht immer jeder Ton saß und der Sound bisweilen etwas flach klang, war sicher der Premiere und den Instrumenten-Wechseln geschuldet und störte im Publikum niemanden. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass B-Seite sich gelegentlich die Freiheit nimmt, doch auch mal die A-Seiten zu spielen. So präsentierte die Band später auch bekannte Hits wie "Annies Song" von John Denver, "Jolene" von Dolly Parton oder "Valerie" von Amy Winehouse - wobei letzterer Titel vielleicht dann doch etwas zu kniffelig für die neuformierte Band war und die Neu-Interpretation als Reggae dem Lied nicht wirklich gut tat.

Abgesehen von derart kleinen Abstrichen lieferte die Formation bei ihrer Premiere aber ein solides Programm und traf vor allem genau den Nerv des Publikums: Das ging nämlich mit, sang mit, wenn gefordert, und in den hinteren Reihen wurde sogar getanzt. Am Ende erhob sich die Zuschauerschaft sogar von den Plätzen und erklatschte sich mit stehendem Beifall ein paar Zugaben.

Abschließend stellte Günter Dull fest, dass das Konzert für die Band auch Gradmesser gewesen sei, ob sie das Projekt überhaupt weiterführen sollten - die Resonanz sei aber derart überwältigend, dass dies nun außer Frage stünde. Man wird also künftig noch weitere Gelegenheiten bekommen, B-Seite live zu erleben.

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