Ohrenkino mit Artango in Grafenau

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    Das Konzert war ein Heimspiel für Thomas Ott (vorne) vom Kulturkreis Grafenau Foto: Epple

Artikel vom 11. November 2019 - 17:54

Von Bernd Epple

DÄTZINGEN. Die Weltmusik-Band aus dem Großraum Stuttgart betrat am Samstagabend im Dätzinger Schloss neue Ufer. Große Filmmelodien standen auf dem Programm. Trotz mannigfaltiger Parallelveranstaltungen fanden rund 80 Besucher in den schmucken Maltesersaal.

Es war ein Heimspiel für Thomas Ott, der im Gegensatz zu seiner geschätzten Arbeit im Kulturkreis Grafenau (Theater/Kleinkunst), diesmal ganz andere Register zog, nämlich die seines Akkordeons. Der Musiker und Tastenvirtuose versammelte seine drei Mitstreiter von ARTango um sich und begab sich auf die Reise nach Brasilien, Argentinien, USA, Kuba, Italien und Frankreich. Aus diesen Ländern fanden Ohrwürmer in die Gehörgänge von Filmregisseuren, die diese dann munter durch ihre Filme schlängeln ließen. Die wohl bekanntesten davon: "Dr. No", eine James Bond Titelmelodie, "Manha de Carneval" aus "Orfeo Negro" oder "Besame Mucho" aus "Moon Over Parador".

Dabei hielten sich Jürgen Häussler (Saxofone), Michael Nessmann (Gitarre), Helmut Siegle (Kontrabass) und Arrangeur Thomas Ott keineswegs akribisch an die cineastischen Vorgaben. Da wurde mit den musikalischen Stilmitteln Tango Nuevo, Samba, Bossa Nova, Rumba und Musette im wahrsten Sinne des Wortes "spielerisch" umgegangen. So wurde zum Beispiel die Jazzballade "You don't know what love Is" aus dem Film: "Behind The Eight Ball" überraschend in ein Samba-Gewand gesteckt.

Genau diese Flexibilität, Kreativität und Lebendigkeit erreichte auch die Gäste des Abends, die von Ott vor oder nach den Musikstücken humorvoll vorgetragene Hintergrundinformationen zu den Filmen erhielten. Der Tango aller Tangos, den sein Komponist Astor Piazzola "Libertango" nannte, fand erfreulicherweise ebenfalls Einzug in einen Film. In Roman Polanskis "Frantic" mit Harrison Ford, ist er zu hören. Und wie der Bandname schon sagt, fühlt man sich in diesem Genre besonders wohl, was auch das Publikum zum Dahinschmelzen brachte.

Solistische Höhenflüge

Nicht weniger attraktiv waren jedoch auch die anderen Stile, die Thomas Ott passgenau auf dieses Quartett zuschneiderte. Sein innovatives Tastenspiel wurde von eleganten, kraftvollen und kreativen Saxofonsoli Häusslers umgarnt, wie auch von zart melodiösen Gitarren-Licks Nessmanns. Gelegentlich startete er auch selbst zu solistischen Höhenflügen- sehr zur Freude seiner lokalen Fans, die Otts Qualitäten schon lange zu schätzen wissen. Zwei Zugabe-Nummern rundeten die gelungene Reise in die Welt der großen Filmmelodien schließlich ab.

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