Michael Sens feiert im Alten Amtsgericht in Böblingen gelungene Premiere mit seinem neuen Programm

  • img
    Geschliffene Sprache und virtuoses Spiel: Michael Sens überzeugt beim Auftritt in Böblingen

Artikel vom 07. November 2019 - 22:24

BÖBLINGEN (edi). Zweimal ausverkauft - mit den beiden Premieren-Vorstellungen des neuen Materials von Michael Sens am Mittwoch und Donnerstagabend haben die "Kultourmacher vom Alten Amtsgericht" ins Schwarze getroffen. In Böblingen hat der Berliner sein neues Programm "Unerhört Beethoven" erstmals präsentiert. Nach anfänglicher Nervosität und kleineren Technikproblemen wurde er zunehmend lockerer und die Pointen treffsicherer. Anlässlich des 250. Geburtstags des Musik-Genies im kommenden Jahr hat er einen überaus unterhaltsamen und immer wieder auch lehrreichen Kabarettabend mit viel Musik gestaltet.

Wie bei diesem Genre üblich, springt das Programm dabei munter von einem Thema zum nächsten. Dass Beethoven nur fünf Jahre zur Schule ging, liefert dem Kabarettisten zum Beispiel eine Steilvorlage für Gags über unser Bildungssystem. Und dass Beethovens Schwerhörigkeit sich wohl auf eine Bleivergiftung in Folge seines Weinkonsums zurückführen lässt (Wein wurde damals mit Bleizucker gesüßt), nimmt Sens als Erklärung für die bleischwer und übellaunig herabhängenden Mundwinkel, die der Komponist mit Kanzlerin Merkel gemeinsam hat.

Beethoven soll zwar den thematischen Anker bilden. Das Programm verliert seine Hauptfigur aber gerade in der zweiten Hälfte immer wieder aus den Augen. Stattdessen geht es mal um Mozart, Schumann und Chopin, der Bundestag bekommt satirische Breitseiten ab und auch zur Umwelt- und Klimapolitik gibt es ein paar böse Spitzen. Auch einige Publikumslieblinge aus bisherigen Programmen hat Sens eingebaut - darunter ein im Fußball-Kommentatoren-Stil vorgetragenes Klassik-Medley und Parodien auf André Rieu, Falco und Udo Lindenberg.

Als herausragender Pianist, Geiger, Sänger und eleganter Wortkünstler spielt Michael Sens virtuos auf der gesamten Klaviatur der Kleinkunst - von Hochkultur bis Flachwitz. Entsprechend begeistert fielen die Publikumsreaktionen aus. Es gab aber auch Rückmeldungen, dass doch mehr Beethoven drin sein sollte, wo Beethoven draufsteht. "Daran wird er arbeiten", kündigt Theaterleiter und Künstleragent Gerhard Gamp an, dass sich das Programm noch weiterentwickeln werde.

► Hintergrund: Warum der Böblinger Künstleragent Gerhard Gamp Michael Sens verpflichtet hat (Abo-Bereich).

Verwandte Artikel