Barockensemble begeistert im Altdorfer Bürgerhaus

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    Ulrike Engelke (2.v.r.) und ihr Ensemble

Artikel vom 07. November 2019 - 18:24

ALTDORF (red). Die Kammerkonzerte der Akademie im Bürgerhaus in Altdorf sind auch für auswärtige Musikinteressierte zu einem Anziehungspunkt geworden. So kamen die Gäste im voll besetzten Bürgersaal am Sonntag aus Altdorf und Umgebung, aber auch aus Stuttgart, Leonberg, Esslingen, Neuenstein und anderen Orten - und waren sehr begeistert.

Das Internationale Kammerensemble mit dem renommierten Barockgeiger aus London, Simon Standage, der Altdorfer Flötistin Ulrike Engelke, ihrem Mann, dem Bratscher Helmut Engelke sowie der Stuttgarter Cembalistin Hildegund Treiber hatte wieder ein sehr interessantes und lebendiges Programm zusammengestellt. Im Mittelpunkt standen drei Quartette für Flöte, Violine, Viola und Blockflöte von Telemann aus seinem Quatrième livre de Quators. Das Besondere an diesen Quartetten ist die Besetzung mit Viola, an Stelle der Viola da Gamba als drittem Soloinstrument (Pariser Quartette). Jedes der Quartette beginnt mit einem feierlichen, pastoralen Adagio, in dem alle Instrumente solistisch in Erscheinung treten, sich aber auch jeweils wieder unterordnen. Es folgt in allen Quartetten ein lebhaftes Allegro, wieder ein getragenes Adagio und ein virtuoses Allegro als Schlusssatz. Die Zuhörer waren begeistert vom Zusammenspiel des Ensembles. Artikulation, Dynamik - alles war bestens aufeinander abgestimmt.

Das Ensemble kam gerade von einer Konzertreise zurück mit Konzerten in Görlitz und Straz pod Ralskem, dem Ort, in dem Heinrich Ignaz Franz Biber geboren ist. Ein Programm-Highlight war daher auch die Passacaglia von Biber für Violine Solo, die Standage sehr ausdrucksstark und äußerst virtuos spielte. Die Passacaglia ist das letzte Stück eines Manuskriptes von 15 Violinsonaten von Biber, wobei jede ein Mysterium des Rosenkranzes ist, welches zu Beginn der Sonate als Gravur dargestellt wird. Die Überschriftsgrafik ist ein Schutzengel und die Wiederholung der vier Bassnoten, die sich durchs ganze Stück ziehen, ist ein treffender musikalischer Ausdruck des allgegenwärtigen Engels - von Standage überzeugend demonstriert.

Ebenfalls ein Highlight für die Flöte und Violine war die Triosonate a-Moll von Telemann. Hier bestaunten die Zuhörer das rasante Tempo beider Instrumentalisten. Ulrike Engelke beeindruckte (ebenso bei der Sonate G-Dur von Vivaldi) durch eine sehr überzeugende Zungen- und Fingertechnik, - beide Instrumentalisten jedoch durch das sehr gute Zusammenspiel. Hier spürte man deutlich die 27-jährige Zusammenarbeit der beiden Musiker.

Auf dem Programm stand noch eine Sonate von Francesco Antonio Bonporti für Violine und Basso continuo. Auch hier konnte Simon Standage seine große Ausdruckskraft und Virtuosität unter Beweis stellen. Ein sehr wichtiger Partner des Quartetts war Hildegund Treiber mit dem Cembalo als Basso Continuo, welches das Fundament der drei Solostimmen bildete. Sie begleitete ungemein lebendig und fantasievoll. Die vier Musiker bedankten sich für den langanhaltenden Applaus mit dem Allegro aus dem Quartett, der Sonata V.

Als nächstes stehen die Weihnachtskonzerte des Barockorchesters am dritten Advent in der Böblinger Stadtkirche (14. Dezember) und der Festhalle in Altdorf (15. Dezember) an. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

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