Keatives Trio in Holzgerlingen

Arbeiten von Gabriele Heckmann, Susanne Prescher und Janine Heckmann in Burg Kalteneck

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    Gabriele Heckmann mit Tochter Janine und Susanne Prescher (von links) Foto: N. Kaspar

Artikel vom 04. November 2019 - 18:24

Von Natalie Kaspar

HOLZGERLINGEN. Freitagvormittag in der Burg Kalteneck in Holzgerlingen: Ein Löwenmännchen streckt die Pfoten gemächlich vor sich aus und betrachtet den Raum aus wachsamen Augen. Einige Zebras bleiben in der sicheren Entfernung stehen und heben die Köpfe mit gespitzten Ohren. Dagegen tummeln sich die Elefanten in einem anderen Rahmen vergnügt am Wasserloch und tauchen ihre grauen Rüssel ins kühle Nass.

Die Tiere sind keineswegs aus dem Zoo entflohen, um sich ein neues Zuhause in Holzgerlingen zu suchen. Auch wenn sie beinahe aus den Bildern herauszutreten scheinen - am Ende bleiben sie feine Pinselstriche auf der Leinwand, die am vergangenen Wochenende im Rahmen der Ausstellung "Bunte Vielfalt III" in der Burg Kalteneck bestaunt werden konnten.

Die Aquarelle mit den tierischen Motiven stammen aus dem Atelier von Gabriele Heckmann, die ihre Arbeiten gemeinsam mit ihrer Tochter Janine und Susanne Prescher schon zum dritten Mal in Holzgerlingen präsentiert. Mit der Kunst und besonders mit Aquarellen beschäftigt sie sich bereits seit drei Jahrzehnten. Inzwischen lebt sie von ihren Arbeiten und den Kursen, die sie in ihren eigenen Räumen in Steinenbronn gibt.

"Als Vorlage für meine Werke nutze ich gerne Fotografien", gibt sie beim Rundgang durch die Ausstellung einen kleinen Einblick in ihren Arbeitsprozess. "Natürlich kopiere ich diese Vorlage dann nicht einfach. Manchmal verändere ich die Farben oder setze ein Bild aus ganz verschiedenen Fotografien zusammen." Auf diese Weise wird dann aus einer Herbstlandschaft auch einmal eine verschneite Szene.

In anderen Bildern fängt sie dagegen die schönsten Fleckchen der Region ein: der Hölderinturm in Tübingen, das hintere Portal der Stadtkirche von Waldenbuch und ein Tümpel in Hohenheim im sommerlichen Lichterspiel fangen die bunte Vielfalt der heimischen Umgebung ein.

In einem anderen Raum hängen bunte Porträts von Menschen unterschiedlichster Herkunft. Eine lachende Frau entblößt ihre Zähne, eine andere Dame blinzelt den Betrachtern verschmitzt entgegen. Auf der gegenüberliegenden Wand zeigt sich eine Familie von Gauklern in ihren bunten Kostümen und scheint nur darauf zu warten, das Publikum mit ihren gewagten Kunststücken zu verblüffen.

Susanne Prescher hat sie mit Acrylfarbe und Pinseln zum Leben erweckt - und das mit einer ganz bestimmten Intention: "Die Porträts der Frauen sollen besonders positive Energie vermitteln", erzählt sie über ihre Entstehung. "Auch wenn wir in schwierigen Zeiten leben, ist das Leben doch auch schön und manchmal müssen wir uns einfach daran erinnern", findet sie.

Ganz im Sinne der bunten Vielfalt hat sie sich außerdem auch von altem Blechspiel-zeug inspirieren lassen. Die Arbeiten wirken wie aus dem Leben gegriffen. "Ich versuche mich immer wieder an neuen Motiven und beschäftige mich intensiv für ein paar Wochen mit einem Thema, bevor ich mich den nächsten Ideen zuwende", meint Susanne Prescher zu der vielfältigen Auswahl, die sie für die Ausstellung getroffen hat. Neben den Porträts und Spielzeugen präsentiert sie in einem weiteren Raum abstrakte Kunst, die von blauen, braunen und gelben Farbtönen dominiert wird. "Die Ideen gehen mir auf jeden Fall nie aus. Ich gehe schon mit der Brille eines Künstlers durch den Alltag. Man findet überall Inspiration für neue Werke", erklärt sie.

Genauso wie jedes Bild, das am Wochenende in der Burg betrachtet werden konnte, hat auch die Vorbereitung für die Ausstellung einige Stunden in Anspruch genommen. "Wir haben am Mittwoch und Donnerstag bis in die Nacht hinein gearbeitet", erzählt Gabriele Heckmann. Um eine Auswahl aus ihrem Repertoire zu treffen und die Bilder mit Rahmen zu versehen hat sie noch einmal etwa zwei Wochen gebraucht. "Am Ende kann man schon stolz auf die Arbeit sein, die man dann doch in kurzer Zeit bewältigt hat", setzt sie lachend hinzu.

Viel Arbeit steckt in der Vorbereitung

Tatsächlich sind auch Eröffnungsnachmittag noch einige kleine Handgriffe notwendig, um die dreitägige Ausstellung zu vollenden. Während die ersten Neugierigen in der Burg eintrudeln, bringt Janine Heckmann noch einige Beschriftungen neben ihren Tuschezeichnungen an. Über sechzig verschiedene Werke hat sie innerhalb von zwei Monaten angefertigt - jeweils im Oktober dieses und letzten Jahres.

"Die Zeichnungen sind alle im Rahmen des Inktobers entstanden", erzählt sie von dem künstlerischen Projekt, das besonders im Bereich der sozialen Medien beliebt ist und von vielen Künstlern jedes Jahr aufs Neue in Angriff genommen wird. "Es gibt für jeden Tag einen vorgegebenen Begriff, der die Inspiration für das Bild darstellt. Manchmal ist das schon eine ziemliche Herausforderung."

Tuschezeichnungen sind allerdings nicht ihre einzige Leidenschaft. Auch selbst gefertigten Schmuck hat die angehende Goldschmiedin mitgebracht und in zwei Vitrinen untergebracht. Gefertigt hat sie die goldenen und silbernen Schmuckstücke im Rahmen ihrer Ausbildung. Die runden Ohrringe, die sich um sich selbst drehen, erinnern an bunte Jonglierbälle aus dem Zirkus. In der Mitte eines Rings ruht ein Seelenstein, der von zwei Kreisen umschlossen wird. "Manche Sachen gehen nicht leicht von der Hand und manchmal sieht man überhaupt keinen Fortschritt", gibt Janine Heckmann zu. "Aber auch da muss man eben durch und weitermachen, bis es wieder aufwärts geht."

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