Leuchtende Klänge zum Finale

Orgelreihe an der Sindelfinger Martinskirche: Der Knabenchor Collegium Iuvenum setzt farbigen Schlusspunkt

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    Der Stuttgarter Knabenchor Collegium Iuvenum bescherte den Zuschauern in der voll besetzen Sindelfinger Martinskirche ein ganz besonderes Klangerlebnis Foto: red

Über zwölf Konzerte erstreckte sich die diesjährige 30. Auflage der Orgelreihe an der Sindelfinger Martinskirche. Zum Finale setzten die Veranstalter mit dem Gastspiel des Stuttgarter Knabenchors Collegium Iuvenum einen gelungenen Schlussakkord.

Artikel vom 15. Oktober 2019 - 17:48

SINDELFINGEN (red). Passt ein reiner Knabenchor noch in unsere Zeit? Diese Frage wird momentan in den Medien heiß diskutiert-versucht doch eine Berliner Anwältin die Mitwirkung ihrer Tochter in verschiedenen traditionsreichen Knabenchören juristisch zu erkämpfen.

Abseits aller Gender- oder Gerechtigkeitsdebatten hat das Collegium Iuvenum aus Stuttgart diese Frage am vergangenen Samstag in der Sindelfinger Martinskirche souverän musikalisch beantwortet: Ja, ein Knabenchor der so klingt passt in jede Zeit und ist schlicht ein ganz besonderes Klangerlebnis.

Chorleiter Michael Culo hatte abseits der bekannten Chor-Hits anspruchsvolle Werke auf das Programm gesetzt. Dessen Bandbreite von Isaac über Palestrina bis hin zu Mendelssohn lässt einerseits bei Liebhabern von Chormusik keine Wünsche offen, fordert aber auf der anderen Seite den Chorsängern alles ab.

Das Collegium Iuvenum, einst aus den traditionsreichen Stuttgarter Hymnus-Chorknaben hervorgegangen, meisterte die Herausforderung konzentriert und engagiert. Dabei konnten sich die Knaben in den Oberstimmen auf einen wunderbar rund und grundtönig klingenden Männerchor verlassen und agierten ihrerseits ohne jede Schärfe. Die leuchtenden Chorklänge korrespondierten geradezu mit den Farben der Bilder, die momentan in der Apsis der Martinskirche hängen. Sicher ein Beweis für die gute Aufbau- und Stimmbildungsarbeit, die beim "CiS" geleistet wird.

Das zeigte sich auch beim abschließenden "Hör mein Bitten" von Mendelssohn. Der Solist Oscar Kern meisterte die Partie, die auch für erwachsene, studierte Sängerinnen nicht ganz einfach ist, ohne nennenswerte Probleme. Gerade im Wechsel mit dem Chor zeigte sich noch einmal der ganze Reiz einer gut ausgebildeten Knabenstimme: rein, geradlinig und dennoch beweglich und empfindsam.

Antal Varadi an der großen Orgel war dem Chor ein verlässlicher Begleiter, der die an der Martinskirchenorgel möglichen Schattierungen voll auslotete. Mit seinen Orgel Solowerken machte er es dem Publikum nicht einfach. Hindemith, Bartok oder auch Messiaen sind keine gefällige Kost. In homöopathischen Dosen und so souverän interpretiert wie am Samstag allerdings kein Problem. Ein augenzwinkernd "abgelieferter" Hummelflug an der Orgel ließ denn auch das Publikum hörbar lächeln und auch Liturgin Margit Remppis diese Steilvorlage in ihr Schlusswort einbauen.

Organisatoren: Konzertreihe war ausgesprochen erfolgreich

Dank der jungen Gäste aus Stuttgart hat die "Orgelmusik an der romanischen Martinskirche Sindelfingen", so der offizielle Name der beliebten Konzertreihe einen ausgesprochen farbigen Schlusspunkt ans Ende der Spielzeit gesetzt.

Nach Auskunft der Organisatoren war die 30. Saison sowohl musikalisch wie auch wirtschaftlich ausgesprochen erfolgreich und die Planungen für 2020 sind bereits weit gediehen. Die Musikfreunde der Region dürfen sich also auch in Zukunft auf weitere Highlights freuen.

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