Schola Gregorianik Böblingen kommt ins Schwabenalter

Zum 40. Geburtstag gibt es eine Geistliche Abendmusik und einen Festakt in der Böblinger Kirche St. Bonifatius

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    Kantor Andreas Schweizer (2. von links) begleitete die Geburtstagsfeier der Schola Gregorianik in Böblingen Foto: red

Artikel vom 14. Oktober 2019 - 17:18

Von Jutta Rebmann

BÖBLINGEN. Am Ende eines strahlend schönen Oktobertages ist der Kirchenraum von St. Bonifatius gut gefüllt. Die geistliche Abendmusik, gewidmet dem 40. Geburtstag der Schola Gregorianik der Kirche, hat ein ansehnliches Publikum angelockt. Das goldene Mosaik - Christus als Weltenherrscher auf einem Regenbogen darstellend - alle Blicke auf sich. Eine Atmosphäre wie geschaffen für das aparte Konzert, das durch das Kirchenjahr führt und dabei die Geschichte eines kleinen musikalischen Ensembles der Kirchengemeinde widerspiegelt.

Vier Jahrzehnte ist es her, seit Nikolaus Bauknecht, mit seiner Familie erst kurz wieder in Böblingen zuhause, Wolfgang Gramer, damals Pfarrer an "Boni" einen Besuch abstattete. Er bat den musikbegeisterten Pfarrer eine Gregorianik-Schola einrichten zu dürfen. Er durfte. Und es klappte.

Durch die Jahrzehnte hat sich das Ensemble erhalten, mal ein Sänger mehr, mal einer weniger. Immer aber blieb die Freude am gemeinsamen Singen.

Melodien, die fast ein Jahrtausend lang Gläubige begleitet haben

Zu spüren ist das auch beim Jubiläumskonzert, das begleitet wird vom Kantor der katholischen Gesamtkirchengemeinde Andreas Schweizer. Mit der Gemeinde im Wechsel erklingt aus der "Missa de Angelis" das Kyrie. "Das ist so wie bei den Gottesdiensten in meiner Kindheit", flüstert eine Besucherin lächelnd, während sie im "Gotteslob" blättert.

Andreas Schweizer spielt ein Präludium von Bach. Der Chor setzt seinen musikalischen Weg durch das Kirchenjahr fort: "Puer natus est" - Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns geschenkt. Durch die Kirchenfenster dringt die Dämmerung, während die liturgischen Melodien den Kirchenraum füllen. Melodien, die fast ein Jahrtausend lang die Gläubigen begleitet haben.

Andreas Schweizers klangvolle Improvisation über "Salve Regina" leitet über zum Zweigesang zwischen Gemeinde und Chor. Der Jahrhunderte alte Klassiker der katholischen Kirchenmusik bildet den Abschluss der aparten kleinen Abendmusik anlässlich des Jubiläums der Schola Gregorianik der Bonifatius-Gemeinde.

Beim anschließenden, familiär geprägten Festakt im Gemeindehaus der Kirche überreicht Pfarrer Karl Kaufmann Nikolaus Bauknecht die Ehrennadel in Gold des Cäcilienverbandes der Diözese Rottenburg samt Urkunde für "40 Jahre im Dienst der Kirchenmusik zum Lobe Gottes."

"Bauknecht, du knödelst", habe ihm sein Lehrmeister bei seinen ersten Gesangsstunden im Einzelunterricht mitgeteilt "und dieses Manko innerhalb weniger Monate durch hartes Arbeiten beseitigt", erzählt Nikolaus Bauknecht in seinem als kleiner Rückblick verfassten Dankesworten.

Nikolaus Bauknecht ist nicht nur als Leiter der Schola Gregorianik hervorgetreten, seine Liebe zur Musik hat ihn in vielen Böblinger Ensembles heimisch werden lassen. Früher, als die Töchter Angelika und Michaela noch klein waren, begleitete er sie und andere "königliche Hoheiten" auch als Gitarre spielender "Mitmacher" beim Spendensammeln rund um den Dreikönigstag.

Seine Motivation sei immer gewesen "aus voller Seele den Choral zu singen, in der Hoffnung, damit auch die Seelen der Zuhörer zu erreichen." In seiner kleinen Laudatio hob Karl Kaufmann hervor, dass Nikolaus Bauknecht mit seinem Ensemble über die Jahrzehnte zur Stabilität der Gemeinde beigetragen habe. Bauknechts Humor habe einen wichtigen Anteil am starken Zusammenhalt des Chors. Humor beweisen die Chormitglieder zum Beispiel beim gemeinsamen Proben im Frisörsalon Seiler.

Viele tolle Auftritte habe es gegeben. Ein Konglomerat verschiedenartigster Elemente - das hätten sie sein sollen und wollen. Schließlich wünschte sich Bauknecht, nach dem er sich bei seiner Frau und den Töchtern für die Nachsicht mit seinen musikalischen Leidenschaften bedankt hatte, noch eine Weile den eingeschlagenen Weg fortsetzen zu können. Zum Lobe Gottes und zum Dienst an der Gemeinde.

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