Waldenbuch: Spaziergang durch die Musikgeschichte

Die Musikschule Waldenbuch feiert ihr 40-jähriges Bestehen mit einem Wandelkonzert - Darbietungen an drei verschiedenen Orten

  • img
    Jazzige Klänge zum Auftakt: Saxofonist und Musiklehrer Lukas Pfeil zeigt mit seinem Kollegen Chris Geisler (hinter ihm am Flügel) sein Können

Der Kinks-Song "Sunny Afternoon" hätte zum Geburtstagsfest der Waldenbucher Musikschule auch gut gepasst. Jedenfalls zeigte sich das Wetter von seiner schönsten Seite und machte das Wandelkonzert zu einem "Lustwandelkonzert" zwischen Musikschule, Stadtkirche St. Veit und Museum der Alltagskultur.

Artikel vom 17. September 2019 - 18:12

Von Bernd Epple

WALDENBUCH. Der Vortragsraum der Musikschule platzte am Sonntag aus allen Nähten, als die Feier um 11.30 Uhr vom Duo Lukas Pfeil (Saxofon), Chris Geisler (Flügel) und Musikschulleiterin Susanne Götz eröffnet wurde. "Chameleon" von Herbie Hancock sorgte für einen frischen Auftakt und war gut gewählt in Bezug auf die Wandelbarkeit von musikalischen Klängen. Musikschulleiterin Susanne Götz freute sich über die zahlreichen Besucher, unter denen sogar welche aus der Schweiz angereist waren.

Es gab einen Abriss über die vergangenen vier Dekaden mit Hinweisen darauf, wie gut sich alles gefügt habe und wie dankbar man für die gute Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern "Kulturwerk" und Musikverein sei. Es sei nicht selbstverständlich, eine solch großartige Unterstützung seitens der Stadt zu bekommen. Dass man 1993 in das wunderschöne Fachwerkhaus in zentraler Lage einziehen durfte, empfinde sie als besonderes Glück, betonte Susanne Götz - ebenso ein tolles Kollegium zu haben, das mit Herzblut unterrichte.

Besonders freue sich die Musikschule natürlich über die tatkräftige finanzielle Unterstützung der Kreissparkasse, was zur Anschaffung eines wertvollen Bechstein-Flügels geführt habe. Auf diesem durfte nach der Eröffnungsrede Chris Geisler seine Klasse demonstrieren, als er mit Lukas Pfeil Henri Mancinis "The Days of Wine and Roses" jazzte.

Anette Störrle vom Kulturwerk setzte die Laudatio fort, bevor Bürgermeister Michael Lutz nochmals betonte, dass es nicht selbstverständlich sei, dass für eine solche Einrichtung finanzielle Ressourcen in diesem Umfang zur Verfügung gestellt würden. Er freue sich über die "kurzen Wege" der Schüler in den Altstadtkern, der so auch in seiner Schönheit und Attraktivität wahrgenommen werde. Der Musikliebhaber hob lobend hervor, dass die Musikschule von Anfang an mit dem Namen Susanne Götz verbunden sei, die dieser Einrichtung immer treu geblieben ist.

Den feierlichen Rahmen rundeten nochmals Geisler und Pfeil mit Richard Rodgers Komposition "This Nearly Was Mine" ab. Die beiden sind wertgeschätzte Musiklehrer und anerkannte Solisten. Sie sollten zum Abschluss des "Feiertages" nochmals in Erscheinung treten.

Doch zunächst bewegten sich die Gäste übers Sträßchen zur nächsten Wandelkonzert-Station in die Stadtkirche. Dort hatten inzwischen Susanne Götz hinterm Cembalo, sowie Cellist Urs Läpple und Vibrafonist Dizzy Krisch Position eingenommen. Auf dem Programm stand Musik von Johann Sebastian Bach und ein musikalisches "Echo" darauf von Krisch - es handelte sich um eine spannende Melange aus Barockmusik und Jazz.

Spannende Melange aus Jazz und Barock

Dizzy Krisch hat sich als herausragender Vibrafonist in der deutschen Jazz-Szene einen Namen gemacht. Entsprechend versiert und phantasievoll übernahm der gebürtige Schwarzwälder die Steilpässe von Götz und Läpple. Pfarrer Georg List ließ es sich am Ende nicht nehmen, mit der "Gemeinde" noch den Geburtstagskanon "Viel Glück und viel Segen" anzustimmen.

Weiter ging es im gegenüberliegenden Museum der Alltagskultur. Rezitator Rudolf Guckelsberger vom SWR las aus Joachim Meyerhoffs Buch "Wann wird es endlich so, wie es nie war" von einer seltsamen Kindheit im Dunstkreis einer psychiatrischen Anstalt. Um den Bogen zum 40. Geburtstag der Musikschule zu schlagen: Der Protagonist beschreibt darin die heiteren Erinnerungen an die Geburtstagsfeier zum Vierziger seines Vaters.

Der sonore Sprachklang eines Guckelsbergers geht durchaus als eigenes musikalisches Genre durch und fesselte die Zuhörer, die nicht anders konnten, als einige Passagen mit herzhaftem Lachen zu quittieren. Für die musikalische Umrahmung sorgte Gitarrist Marcus Halver mit seiner dezenten und versiert gespielten Semiakustik-Gitarre.

Im Hof vor dem Museumsgebäude schließlich das gelungene Finale mit der Musikschul-Allstar-Band, die neben den bereits gehörten Musikern Chris Geisler, Lukas Pfeil und Marcus Halver weitere musikalische Schwergewichte aufzuweisen hatte - darunter Christian Mück (spielt Trompete bei der Tobias-Becker-Band), Eberhard Budziat (Posaunist und Kopf des Eberhard-Budziat-Bigband-Projects) oder Horst Götz (Bass, bekannt durch die Jazz-Rock-Formation Re).

Mit Jazz-Standards und Eigenkompositionen demonstrierte die neunköpfige Bigband eindrücklich, welch musikalische Klasse den rund 400 Musikschülern hier angeboten wird. Anette Störrle war von der Darbietung so begeistert, dass sie diese Band auch umgehend zum 50-jährigen Bestehen des Kulturwerks Waldenbuch im kommenden Jahr engagierte.

Verwandte Artikel