Das Orchester Die Telemänner ist aus Asien zurück - Die Gärtringerin Lilli Vogelmann war mit dabei

Von Stuttgart nach Shanghai

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    Begeisterung für das gemeinsame Projekt: Musiker des KITE Youth Orchestras und der Telemänner im Foyer des Shanghai Oriental Art Center Foto: red

Artikel vom 05. September 2019

GÄRTRINGEN. Am Morgen des 14. August um 5.25 Uhr betrat das Jugend-Barockorchester 'Die Telemänner' aus Stuttgart, wieder deutschen Boden. Sie kehrten zurück von einer 12-tägigen Konzertreise in Shanghai, die sie in Zusammenarbeit mit der Musikakademie KITE Shanghai vorbereitet hatten. In der 20-Millionen-Stadt trafen sich am 3. August chinesische und deutsche Jugendliche, um sich gemeinsam auf ein Konzert vorzubereiten.

"In einem solchen Projekt wachsen die Jugendlichen nicht nur musikalisch über sich hinaus. Sie geben alles und nehmen wertvolle Erfahrungen mit, von denen sie lange profitieren können", erklärt Steffi Bade-Bräuning, musikalische Leiterin auf Nachfrage, was sie motiviert, solche Projekte zu organisieren. "Eine Reise nach Asien ist in politisch spannungsreichen Zeiten ein immens wichtiges Unterfangen. Wie wollen wir global zusammenwachsen und uns den Herausforderungen der Zeit stellen, wenn wir nicht in der Jugend eine Sehnsucht wecken, fremde Länder verstehen zu lernen?"

Unterstützung aus dem Kreis

Lilli Vogelmann aus Gärtringen war, unter anderen, als Unterstützung aus dem Landkreis dabei. Aktuell besucht sie das Albert-Einstein-Gymnasium in Böblingen. Als Fagottistin ist sie 2018 zu dem Ensemble dazugestoßen, da sie von ihrem damaligen Fagott-Lehrer an die Ensembleleitung empfohlen wurde. Die 16-jährige Fagottistin erzählt von der Reise, die sie mit dem Orchester unternahm. Viel Neues hat sie mitgenommen. So hat sie beispielsweise Bubble-Tea für sich entdeckt. Dies ist ein typisch asiatisches Getränk, welches auf der Basis von Grün- oder Schwarztee wie ein Milchshake zubereitet wird.

Bevor die Reise jedoch startete, musste noch die eine oder andere Hürde bewältigt werden. Die erste Herausforderung war der Visum-Antrag, der manch einen fast zur Verzweiflung brachte, da die Reisenden rund 20 Seiten auf Englisch durchlesen und ausfüllen mussten. Monatseinkommen, persönliche Angaben und Fragen zur Mitgliedschaft in terroristischen Gruppen standen da an der Tagesordnung.

Visa, Konzerte und ein Taifun

Und doch hat es sich gelohnt: "Eine solche Reise verbindet. Es war schön zu sehen, wie sich die zehn bis 19-jährigen Teilnehmer gegenseitig unterstützt und geholfen haben", berichtet Steffi Bade-Bräuning. Die nächste Hürde war das Gepäck, da das Orchester mit dem Flugzeug verreiste. Weil sie als gefährlich eingestuft werden konnte, mussten Teile von Instrumenten im Gepäck verstaut werden. In Shanghai angekommen, bezogen die Telemänner eine Jugendherberge.

Das erste Konzert, vor Tourbeginn, fand am 1. August im Weißen Saal des Stuttgarter Schlosses einen sehr guten Anklang. Beim ersten Konzert in China kam eine ungewohntere Eventlocation auf. Statt weißem Saal und riesen Publikum, gab es Maschinenlärm und Fabrikarbeiter. Die Telemänner spielten für die Firma Karl Mayer in einem völlig neuen Format. Das Konzert für die 300 Mitarbeiter in einer Fabrikhalle des Textilmaschinenherstellers wurde begeistert aufgenommen.

Das Orchester ließ sich die Sehenswürdigkeiten von Shanghai nicht entgehen

Mit einem Jugendorchester eine Metropole in Asien zu besuchen bedeutet neben Proben und Konzerten auch, die Gruppe im Großstadtdschungel sicher von A nach B zu bringen, sowie möglichst viele Sehenswürdigkeiten mitzunehmen. In den nächsten Tagen folgten viele Highlights Shanghais: die Flaniermeile Bund, der Longhua-Tempel und der Shanghai Tower. Da der Tag gut mit musikalischem Programm gefüllt war, blieben nur die späten Abendstunden für die Sehenswürdigkeiten, doch das war kein Problem: "Es leuchtet nachts viel schöner", erzählt Lilli Vogelmann begeistert. Das U-Bahn fahren sei auch sehr gewöhnungsbedürftig, da die Türen nur kurz offen stehen, erzählt sie kurz darauf. "Wer rein kommt, kommt rein, wer nicht rein kommt hat Pech gehabt. Das gilt auch fürs Aussteigen", erklärt Lilli Vogelmann. Die Telemänner erhielten einen Einblick in die Mentalität einer Metropole. "Ich habe noch nie einen hektischeren Stadtalltag gesehen", erklärt Lilli Vogelmann. "Wenn du dich nicht aktiv anstellst, dann überholt dich jeder."

Nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch klimatische Ausnahmezustände standen auf dem Programm. Der Taifun Lekima überraschte die Telemänner am 10. August. Laut der chinesischen Regierung hatte dieser mindestens 43 Tote zur Folge. Das Ensemble suchte, so erklärt Lilli Vogelmann das Geschehen, sofort den gegenüberliegenden Supermarkt auf, als sich der Himmel verdunkelte und die Taifunwarnung eintraf. "Wir deckten uns mit Wasser ein, denn das Leitungswasser dort ist nicht trinkbar und im Falle einer Überschwemmung hätten wir das Hostel nicht verlassen können", erzählt Lilli Vogelmann. Auf dem Rückweg vom Supermarkt machten sich die hohen Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 Stundenkilometern bemerkbar, als ein Teil des Hosteldaches direkt hinter den Telemännern am Boden zerschellte. Glücklicherweise kamen alle - etwas erschrocken - aber sicher in der Herberge an und der Taifun zog zügig weiter.

Gala-Konzert zum Abschluss

Schließlich kam der Tag des Konzerts im Shanghai Oriental Art Center. Es gab ein deutsch-chinesisches Programm, das musikalisch um den Erdball führte. Der englischsprachige Fernsehsender International Channel Shanghai berichtete über das Konzert. Trotz komplizierter Visumsanträge, hoher Kosten und sprachlicher Barriere ließen sich die Telemänner für die Menschen, das Land und die Musik begeistern. Als eindrücklichste Erfahrungen nannten die Teilnehmer den Alltag der Menschen, das gemeinsame Konzert, sowie die schiere Größe der Stadt. Steffi Bade-Bräuning lobt die Telemänner: "Sie zeichnen sich durch sehr guten Teamgeist und zielgerichtetes Handeln aus. Da wir uns nur am Wochenende und in den Ferien treffen, ist dies wichtig, damit wir gemeinsam qualitätsvolle Musik machen können. Es erfordert viel Vorbereitung, aber der Effekt ist auch für jeden spürbar."

Info:

Das nächste Konzert der Telemänner findet am 3. November auf Schloss Kapfenburg/ Lauchheim statt. Wer bei den Telemännern zum Herbstprojekt 2019 einsteigen möchte, findet Information und Kontaktadressen unter www.gedok-stuttgart.de.
Spendenkonto: GEDOK e.V./ Telemänner, IBAN: DE 31 6005 0101 0002 652157.

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