Interview: Lucas Johnson hofft auf Einladung zur Böblinger Jazztime

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    Der Schlagzeuger Lucas Johnson Foto: red

Artikel vom 14. Juni 2019 - 17:00

Von Eddie Langner

Der Jazzverband Baden-Württemberg hat Sie mit ihrer Band zum Kulturbotschafter 2019 ernannt. Wie kam es dazu und was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Der Jazzverband schreibt einmal im Jahr eine Art Wettbewerb aus, bei dem sich Jazz-Ensembles aus Baden-Württemberg bewerben können. Die Gewinner bekommen eine einmalige Möglichkeit, sich auf der renommierten Fachmesse "Jazzahead" in Bremen als Kulturbotschafter ihres Bundeslandes zu präsentieren. Wir durften dieses Jahr Baden-Württemberg vertreten und auf sogenannten Showcase-Konzerten spielen. Die daraus entstehende Aufmerksamkeit kann man dann für sein Projekt nutzen und Verträge für die kommende Saison machen. Baden-Württemberg gehört zu den aktivsten Jazz-Bundesländern in Deutschland. Es ist daher eine Ehre, als Kulturbotschafter auf dieser wichtigen Messe zu spielen.

 

Ihr Quartett ist mit zwei Deutschen, einem Schweizer und einem Neuseeländer international besetzt. In wie weit hört man das ihrer Musik an?

Obwohl jeder in der Band in verschiedenen Teilen der Welt aufgewachsen ist, bedienen wir uns dem Jazz als eine universelle Sprache, die nicht an Ländergrenzen Halt macht. Die Musik, die ich für dieses Quartett komponiert habe, wird von den individuellen Persönlichkeiten der Musiker geprägt. Das Spannungsfeld zwischen den unterschiedlichen ethnologischen und kulturellen Einflüssen, Persönlichkeiten und kontinentalen Unterschieden wollte ich mit dieser Band zu einem einheitlichen Klangkörper verschmelzen lassen. Die landestypische Art, zu kommunizieren, zu spielen, mit Emotionen umzugehen, ist so unterschiedlich.

 

Wie haben Sie zueinandergefunden?

Alle vier Bandmitglieder sind von nah und fern an den renommierten Jazzcampus in Basel gekommen, um dort zu studieren. Keiner hat seinen Ursprung dort. Die Studenten in Basel werden inspiriert von dem weltoffenen Gedanken, den der Jazzcampus den Studenten vorlebt. Junge Menschen aus aller Welt kommen an diesem Ort zusammen und bringen ihre eigene Kultur mit.

 

Wie muss man sich das vorstellen?

Auf Jamsessions treffen zum Beispiel ein isländischer Saxofonist, ein finnischer Gitarrist, ein polnischer Kontrabassist, ein Pianist aus Sizilien oder ein Schlagzeuger aus Katalonien zusammen und verstehen sich allein durch die universelle Sprache der Musik.

 

Zuletzt haben Sie Ihre neue CD im Bix Jazzclub in Stuttgart vorgestellt. Wie sind die neuen Stücke beim Publikum angekommen?

Wir haben unsere erste Tournee im April gespielt und jetzt beim zweiten Tourblock in der Heimat war es toll, meine Musik mit dem Stuttgarter Publikum zu teilen. Die Leute waren interessiert und aktiv beim Konzert dabei. Durch die Gespräche nach dem Konzert wurde schnell klar, dass die Zuhörer meine Art, zu komponieren verstehen und eine Verbindung zur Musik bekamen. Dass ein Publikum diesen Zugang beim ersten Hören schafft, zeigt mir, dass meine Kompositionen nicht irgendwelchen Jazz-Legenden hinterherjagen, sondern direkt vom Herz aufs Papier gelangen. Das Ego spielt in meiner Musik keine Rolle.

 

Als Sie ihre ersten eigenen Solo-Schritte auf der Bühne machten, stand bei Ankündigungen oft noch der Hinweis "Sohn von Martin Johnson" dabei. Stört es Sie, wenn heute noch immer jemand auf Ihren Vater verweist?

Ganz im Gegenteil. Das macht mich stolz. Mein Vater war von Anfang an der wichtigste musikalische Begleiter meiner Karriere und ich schätze ihn als Musiker sehr. Ich durfte viel von ihm lernen, er hat mich bei allen Entscheidungen unterstützt und im richtigen Moment ziehen lassen, um mich meine eigenen Erfahrungen machen zu lassen. Keinen meiner Karriereschritte hat er hinterfragt, sondern mich schon früh motiviert, meine Träume bei den weltbekannten Schlagzeugern Jeff Ballard und Jorge Rossy in Basel zu verwirklichen. Die Projekte, die wir heute zusammen spielen, sind alle auf Augenhöhe und diesen Respekt habe ich schon früh von ihm bekommen.

"Der Verweis auf meinen Vater macht mich stolz"

Wann kann man Sie mit Ihren Musikprojekten mal wieder im Kreis Böblingen erleben?

Mein Vater organisiert die Reihe "Martin Johnson trifft . . ." im Herrenberger Mauerwerk. Dabei gibt es eine feste Rhythmusgruppe, in der ich mitspiele. Die nächsten Termine sind am 18. Oktober und am 15. Dezember. Im Blauen Haus in Böblingen spiele ich am 21. Dezember mit meiner neuen Formation mit der Ausnahmepianistin Clara Vetter, dem Kontrabassisten Jens Loh und dem Tenorsaxofonisten Max Treutner. Außerdem hoffe ich, mit nju:zone schon bald eine Einladung in der erfolgreichen Böblinger Jazztime-Reihe von Tilman Jäger und Ralf Püpcke zu bekommen. Schließlich haben Böblingen und das AEG zu meiner Entwicklung viel beigetragen. Dies würde ich gerne in einem Konzert zurückgeben.

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