Umfrage: Wie gehen Politiker mit Hasstiraden im Netz um?

  • img
    Bild 1 von 3
    Hasskommentare auf den Sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Twitter sind schon lange keine Seltenheit mehr – auch Politiker sind davon betroffen Foto: Archiv/Thomas Bischof
  • Bild 2 von 3
    Besonders Polizeimeldungen über Flüchtlinge provozieren immer wieder abscheuliche Kommentare – wobei eine rechte Gesinnung und korrekte Rechtschreibung auf Facebook nicht unbedingt immer miteinander einhergehen . . .
  • Bild 3 von 3
    Besonders gegen Grüne Politik(er) richtet sich der Hass im Netz. Hier die Kommentare zu einer Polizeimeldung über ausländische Straftäter auf der KRZ-Facebookseite

Artikel vom 13. Juni 2019

KREIS BÖBLINGEN. Die mittlerweile sieben Parteien im Bundestag, die fünf im Landtag und selbst die gewählten Interessenvertreter auf kommunaler Ebene sind oftmals Zielscheibe von Hasskommentaren. Spätestens seit Facebook, Twitter, Instagram, YouTube und Snapchat wird anonym im Internet Stimmung gegen Menschen des öffentlichen Lebens gemacht. Nicht selten schießt dabei die Kritik deutlich über das Ziel hinaus. Aber selbst wenn ein Konto gesperrt wird - ein neuer Account ist mit wenigen Handgriffen schnell wieder erstellt.

Die Kreiszeitung befragte "Zielscheiben" der ein oder anderen Hasstirade: die Politiker der im Bundes-, Land und Kreistag vertretenen Parteien. Bis auf die Vertreter von AfD und Linke reagierten alle angeschriebenen Politiker auf die Anfrage und schilderten ihre Erfahrungen im Internet sowie auf Veranstaltungen und beschrieben ihre Reaktionen auf verbale Schläge unter die Gürtellinie.

Jasmina Hostert, SPD-Kreisvorsitzende, berichtet von aggressiven, beleidigenden und sexistischen Kommentaren auf ihrer Facebook-Seite. Paul Nemeth, Landtagsabgeordneter der CDU, hat mit Sachbeschädigung zu kämpfen: "Meine Wahlplakate werden regelmäßig beschmiert. Persönliche Beleidigungen und Beschimpfungen unter der Gürtellinie habe ich auch schon erleben müssen", verriet er. Tobias Bacherle, ehemaliger Bundestagskandidat der Grünen, erzählt von Hass als ständigem Begleiter, vor allem während der Bundestagswahl, als er große Anzeigen schaltete. Direkte Anfeindungen hätten sich vor allem auf sein Äußeres bezogen - Bacherle trägt einen Vollbart und Rastalocken.

Manche kommen mit gezielter Störabsicht

Auch Florian Toncar, Bundestagsabgeordneter der FDP, erlebt Anfeindungen vor allem in der heißen Phase des Wahlkampfs: "Hass kann mal eine Beschimpfung am Infostand oder ein Kommentar in den sozialen Medien sein", meint er. In Briefen und Online-Kommentaren wird Marc Biadacz, Bundestagsabgeordneter der CDU, gar als "Volksverräter" beschimpft.

Bernd Murschel, Landtagsabgeordneter der Grünen, kennt zwei Gruppen von Wut- und Hassbürgern: "Die einen kommen mit gezielter Stör-Absicht zu meinen Veranstaltungen, die anderen fahren eine spontane Schiene, wenn ihnen meine Argumente nicht passen." Vor wenigen Wochen wurde Thekla Walker, Landtagsabgeordnete der Grünen, beleidigt. In diesem Fall stand für sie fest: Es muss eine Reaktion folgen. Da auch andere Landtagsmitglieder betroffen waren, wurde über die Fraktion Anzeige erstattet.

Hass muss nicht immer eine Beleidigung sein. "Ich versuche, die Kritik zu verstehen. Meistens fehlen ,Hatern' jedoch die Argumente und sie stellen haltlose Behauptungen auf. Als Abgeordneter gehe ich dennoch offen und ohne Vorurteile auf die Menschen zu", meint Biadacz.

Vor hitzigen Gesprächen scheut sich auch Bernd Murschel nicht: "Viele wollen auch einfach mal Frust rauslassen. Oft beruhigt sich die Situation dadurch automatisch. Im Laufe der Zeit lernt man, mit solchen Situationen umzugehen, ohne dass es einem zu sehr unter die Haut geht", sagt er. Als Politiker brauche man eben ein dickes Fell.

Mit Ablehnung und Kritik muss ein Politiker umgehen können. Das gehört für Florian Toncar in einer Demokratie dazu. In Gesprächen ist es jedoch für ihn einfacher, die Gründe für die Ablehnung heraus zu hören. Jasmina Hostert meint: "Hass ist feige und armselig. Ich diskutiere hingegen über die unterschiedlichsten Themen und Meinungen." Politische Diskussion ist für Tobias Bacherle wichtig, selbst bei den krassesten Bedrohungen, versuche er eine sachliche Debatte zu führen. Auch Nemeth bemüht sich, die Debatte ruhig und gelassen anzugehen. Außerdem könne er nachvollziehen, dass manchmal die Emotionen hochkochen. Dann versuche Nemeth, das Gespräch wieder auf eine Sachebene zu bringen.

Höflichkeit sollte Grundbedingung sein

Für alle Politiker sind Hasstiraden glücklicherweise eine Ausnahme. Die meisten Bürger verhielten sich angemessen, stimmen die von der Szene-Redaktion angefragten Volksvertreter in ihren Antworten überein. Die Grenzen zwischen Frust und Beleidigungen verschwämmen jedoch schnell. Auch sind sich die Befragten einig, dass eine sachliche und kontroverse Diskussion Teil der Demokratie ist. Nur solle Höflichkeit eine Grundbedingung sein - nicht umsonst sagt der Volksmund: "Wer schreit, hat Unrecht."

KREIS BÖBLINGEN. Die mittlerweile sieben Parteien im Bundestag, die fünf im Landtag und selbst die gewählten Interessenvertreter auf kommunaler Ebene sind oftmals Zielscheibe von Hasskommentaren. Spätestens seit Facebook, Twitter, Instagram, YouTube und Snapchat wird anonym im Internet Stimmung gegen Menschen des öffentlichen Lebens gemacht. Nicht selten schießt dabei die Kritik deutlich über das Ziel hinaus. Aber selbst wenn ein Konto gesperrt wird - ein neuer Account ist mit wenigen Handgriffen schnell wieder erstellt.

Die Kreiszeitung befragte "Zielscheiben" der ein oder anderen Hasstirade: die Politiker der im Bundes-, Land und Kreistag vertretenen Parteien. Bis auf die Vertreter von AfD und Linke sowie der ebenfalls von der Redaktion kontaktierten CDU-Landtagsabgeordneten Sabine Kurtz reagierten alle angeschriebenen Politiker auf die Anfrage und schilderten ihre Erfahrungen im Internet sowie auf Veranstaltungen und beschrieben ihre Reaktionen auf verbale Schläge unter die Gürtellinie.

Jasmina Hostert, SPD-Kreisvorsitzende, berichtet von aggressiven, beleidigenden und sexistischen Kommentaren auf ihrer Facebook-Seite. Paul Nemeth, Landtagsabgeordneter der CDU, hat mit Sachbeschädigung zu kämpfen: "Meine Wahlplakate werden regelmäßig beschmiert. Persönliche Beleidigungen und Beschimpfungen unter der Gürtellinie habe ich auch schon erleben müssen", verriet er. Tobias Bacherle, ehemaliger Bundestagskandidat der Grünen, erzählt von Hass als ständigem Begleiter, vor allem während der Bundestagswahl, als er große Anzeigen schaltete. Direkte Anfeindungen hätten sich vor allem auf sein Äußeres bezogen - Bacherle trägt einen Vollbart und Rastalocken.

Manche kommen mit gezielter Störabsicht

Auch Florian Toncar, Bundestagsabgeordneter der FDP, erlebt Anfeindungen vor allem in der heißen Phase des Wahlkampfs: "Hass kann mal eine Beschimpfung am Infostand oder ein Kommentar in den sozialen Medien sein", meint er. In Briefen und Online-Kommentaren wird Marc Biadacz, Bundestagsabgeordneter der CDU, gar als "Volksverräter" beschimpft.

Bernd Murschel, Landtagsabgeordneter der Grünen, kennt zwei Gruppen von Wut- und Hassbürgern: "Die einen kommen mit gezielter Stör-Absicht zu meinen Veranstaltungen, die anderen fahren eine spontane Schiene, wenn ihnen meine Argumente nicht passen." Vor wenigen Wochen wurde Thekla Walker, Landtagsabgeordnete der Grünen, beleidigt. In diesem Fall stand für sie fest: Es muss eine Reaktion folgen. Da auch andere Landtagsmitglieder betroffen waren, wurde über die Fraktion Anzeige erstattet.

Hass muss nicht immer eine Beleidigung sein. "Ich versuche, die Kritik zu verstehen. Meistens fehlen ,Hatern' jedoch die Argumente und sie stellen haltlose Behauptungen auf. Als Abgeordneter gehe ich dennoch offen und ohne Vorurteile auf die Menschen zu", meint Biadacz.

Vor hitzigen Gesprächen scheut sich auch Bernd Murschel nicht: "Viele wollen auch einfach mal Frust rauslassen. Oft beruhigt sich die Situation dadurch automatisch. Im Laufe der Zeit lernt man, mit solchen Situationen umzugehen, ohne dass es einem zu sehr unter die Haut geht", sagt er. Als Politiker brauche man eben ein dickes Fell.

Mit Ablehnung und Kritik muss ein Politiker umgehen können. Das gehört für Florian Toncar in einer Demokratie dazu. In Gesprächen ist es jedoch für ihn einfacher, die Gründe für die Ablehnung heraus zu hören. Jasmina Hostert meint: "Hass ist feige und armselig. Ich diskutiere hingegen über die unterschiedlichsten Themen und Meinungen." Politische Diskussion ist für Tobias Bacherle wichtig, selbst bei den krassesten Bedrohungen, versuche er eine sachliche Debatte zu führen. Auch Nemeth bemüht sich, die Debatte ruhig und gelassen anzugehen. Außerdem könne er nachvollziehen, dass manchmal die Emotionen hochkochen. Dann versuche Nemeth, das Gespräch wieder auf eine Sachebene zu bringen.

Höflichkeit sollte Grundbedingung sein

Für alle Politiker sind Hasstiraden glücklicherweise eine Ausnahme. Die meisten Bürger verhielten sich angemessen, stimmen die von der Szene-Redaktion angefragten Volksvertreter in ihren Antworten überein. Die Grenzen zwischen Frust und Beleidigungen verschwämmen jedoch schnell. Auch sind sich die Befragten einig, dass eine sachliche und kontroverse Diskussion Teil der Demokratie ist. Nur solle Höflichkeit eine Grundbedingung sein - nicht umsonst sagt der Volksmund: "Wer schreit, hat Unrecht."

 

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels stand, dass die ebenfalls von der Redaktion kontaktierte CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz nicht auf unsere Anfrage reagiert habe. Dies trifft nicht zu. Richtig ist, dass Sabine Kurtz nach eigenen Angaben bisher noch nicht mit Hasskommentaren im Netz konfrontiert worden ist.

Verwandte Artikel