Strotmann erteilt Leonberg eine Absage

Kein Zaubertheater auf der grünen Wiese

Artikel vom 10. Juni 2019 - 09:30

Ich LEONBERG (red/edi). "Manchmal kommt es anders, als man denkt." So fasst der Zauberkünstler Thorsten Strotmann seinen Entschluss zusammen, seine Pläne für ein neues Theater am Rande des Leonberger Gewerbegebiets Riedwiesen nicht weiter zu verfolgen. Nachdem der Magier im Herbst 2018 auch schon seinen Traum von einem Neubau auf dem Flugfeld aufgeben musste, setzt er jetzt stattdessen auf den Ausbau seiner "Magic Lounge" auf dem Stuttgarter Römerkastell-Gelände.

Die Entscheidung überrascht: Schließlich hatte der Leonberger Gemeinderat dem Bauvorhaben zuletzt mehrheitlich zugestimmt (wir berichteten). Seit rund neun Monaten waren der bauwillige Zauberkünstler und sein Team mit der Stadt Leonberg im Gespräch gewesen. Über die mehrheitliche Zustimmung im Gemeinderat habe man sich gefreut, teilt Strotmann mit und richtet seinen ausdrücklichen Dank dabei an Oberbürgermeister Martin Cohn (vormals Kaufmann) und Baubürgermeister Klaus Brenner. "Beide haben das Projekt stets befürwortet und unterstützt", so der 46-Jährige. Die Eigentümer der landwirtschaftlichen Flächen seien ebenfalls zum Verkauf bereit gewesen und bei einem attraktiven Angebot hätte man auch gebaut, betont Strotmann.

Allerdings hatte der Zauberkünstler schon nach einer ersten Vorstellung seines Projekts im Gemeinderat Anfang Mai betont, dass er das Theater auf keinen Fall gegen den Widerstand größerer Teile der Bevölkerung durchsetzen wolle. "Wir wollen kein Politikum", hatte der Magier und Unternehmer der Kreiszeitung mitgeteilt.

Entsprechend nachvollziehbar sind deshalb die Argumente, mit denen er jetzt in einer Pressemitteilung seine Absage an die Stadt Leonberg begründet. "Im letzten Gespräch mit dem Bau- und Planungsamt kam heraus, dass es auch sehr viel Widerstand von den Grünen, der S:ALZ-Fraktion und dem NABU gibt", stellt Strotmann fest. Der NABU habe auch schon Briefe gegen das Projekt an das Regierungspräsidium und die Stadt Leonberg geschrieben. Man habe eben letztlich doch keine klare und eindeutige Mehrheit im Gemeinderat hinter sich.

Weil es sich bei dem Baugrundstück um ein Naturschutzgebiet handelt, könnte zudem jeder in der Bevölkerung Einspruch einlegen - selbst wenn das Regierungspräsidium zusagt. "Dann beginnen Gerichte mitzuwirken und alles zieht sich noch mehr hin", ahnt der Unternehmer weitere Widerstände und einen womöglich langen und teuren Rechtsstreit voraus.

"Wir werden nirgends hingehen, wo wir nicht willkommen sind"

"Wir machen nur Projekte, die uns Spaß machen, in Fluss kommen und unternehmerisch sinnvoll sind", formuliert der gebürtige Leonberger. "Wir werden auch nirgends hingehen, wo wir nicht willkommen sind", macht er deutlich. Der Baubeginn im nächsten Frühjahr, selbst im Verlauf des Jahres 2020, sei so nicht sichergestellt - laut Meinung von Architekten und Anwälte könne sich das Verfahren sogar über fünf Jahre und länger hinziehen. Als Privatinvestor müsse Strotmann unternehmerisch denken und handeln, "was auch bedeutet, dass wir die Arbeitsplätze unserer Angestellten sichern." Deshalb müsse man dem Vorhaben leider "mit Bedauern absagen".

"Wir verstehen auch die Gegner unseres Projektes und sind niemandem böse", wendet er sich an die Kritiker, "natürlich ist Natur und Naturschutz sehr wichtig und wir wollen diese schöne Natur den Leonbergern auch nicht wegnehmen, sind wir doch selbst an Nachhaltigkeit und Naturschutz sehr interessiert und tätig."

Fortan wollen der 46-Jährige und sein Team sich also wieder voll auf den Standort Römerkastell konzentrieren. Mit dem Vermieter sei man sich bereits einig: "Wir dürfen alles so planen und umbauen, wie wir wollen", berichtet der "Magic Lounge"-Betreiber. Unternehmerisch sei das sehr sinnvoll, da man nun mit einem Bruchteil der ursprünglich geplanten Bauinvestition auskomme und im Gegenzug für mindestens zehn bis 15 Jahre sicher vor Ort bleiben könne.

Manchmal sehe eine "Win-Win-Situation" eben so aus, dass alles beim Alten und Bewährten bleibe, sieht Thorsten Strotmann das Positive an diesem vermeintlich unbefriedigenden Ausgang.

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