Böblinger Galerie zeigt Bräckle-Bilder

Überblicksschau mit Kunst von Jakob Bräckle in der Städtischen Galerie in der Böblinger Zehntscheuer - Großes Rahmenprogramm

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    In späteren Schaffensphasen wurden Bräckles Bilder zunehmend abstrakter Foto: Gaetano di Rosa
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Artikel vom 07. Mai 2019 - 18:12

Von Jutta Rebmann

BÖBLINGEN. Er gilt als einer der bedeutendsten Maler Oberschwabens im 20. Jahrhundert: der Bauernsohn Jakob Bräckle. Geboren wurde er im Jahr 1897 im Weiler Winterreute - heute ein Ortsteil von Biberach. Der Landschaft seiner Heimat ist der Künstler ein Leben lang treu gelieben. In unzähligen Werken hat er sie wieder und wieder gemalt.

"Diese, meine einfache Landschaft Winterreute, welche nicht viel äußeren Reiz hat, ließ mich schon früh in das geheimnisvolle der Natur, in das Unsichtbare, in das Ewige hineinblicken." Mit diesem zentralen Satz äußerte sich Jakob Bräckle zu seinem Lebenswerk - einem Lebenswerk, entstanden in seiner engeren Heimat. Denn eine Gehbehinderung ließ größere Reisen kaum zu.

Eindringlich beschreibt Jakob Bräckle den Einfluss von Bleistift und Papier auf seinen Lebensweg. Ein verunglückter Knecht hatte ihm diese Utensilien von einem Krankenhausaufenthalt mitgebracht. Fortan zeichnet er die Landschaft und die Welt der oberschwäbischen Bauern.

Es ist eine Welt, in der Zupacken und Mitmachen gefragt ist - etwas, was er nicht leisten kann. Der Besuch der Akademie in Stuttgart, die Ausbildung bei Christian Landenberger und Heinrich Altherr prägen ihn, van Gogh und Millet faszinieren ihn.

Sein Fleiß ist unübertroffen

Aber das Stadtleben ist keine Option für ihn. Sein Fleiß ist unübertroffen: In den vier Epochen seines Schaffens entstehen fast 4000 Werke. Wie kein zweiter versteht er es, mit sparsamsten Mitteln die Fülle des an sich kargen Landlebens auf die Leinwand zu bannen. Still und leise schafft er ein aus der Zeit gefallenes Bilderreich.

Er ist während der Zeit des Dritten Reiches der am meisten ausgestellte Maler Oberschwabens. Zum Nationalsozialismus hat er dabei keinerlei Nähe. Im Gegenteil: Zweimal wird er angezeigt, einmal werden ihm dreieinhalb Jahre Konzentrationslager angedroht.

Die traumhaft schönen Werke aus Jacob Bräckles früher Schaffensphase zeigen aus der Ferne wahrgenommene, arbeitende Menschen mit Fuhrwerken und landwirtschaftlichem Arbeitsgerät. Im Verlauf der Zeit wird sein Malstil immer sparsamer - bis er in der vierten und letzten Phase in abstrakte Felder aufgelöst wird.

Die jetzt in der Städtischen Galerie gezeigte Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Museum Biberach. Dessen Kurator, Uwe Degreif, ist einer der profundesten Kenner Jakob Bräckles und seines Werkes. Anschaulich schilderte er bei der Ausstellungseröffnung am vergangenen Sonntag Leben und Werk des Künstlers.

Seine Schaffensperioden, seine Erfolge, aber auch die Schwierigkeiten eines Kunstmalers in Oberschwaben. Man kann nur ahnen, wie schwer es für Bräckle gewesen sein mag, in einer Landschaft ohne Kunstbetrieb und ohne Szene, seine Bilder zu verkaufen und davon zu leben Ein steiniger Weg. Jakob Bräckle, der sich der Stuttgarter Sezession anschloss, lässt sich nicht beirren. Still und unermüdlich malt er ein Leben lang, bis kurz vor seinem Tod im Jahre 1987.

Galerie zeigt mehr als 130 Bilder

Es ist Böblingens rühriger Galerieleiterin Corinna Steimel gelungen, die in sich ruhende Atmosphäre der Bildwelten Jakob Bräckles hineinzuholen in die Zehntscheuer. Bäuerliche Gerätschaften, der Hochstand mit seinem Holzduft, die Heuballen, auf denen Jakob Bräckle beim Malen saß, weil er seiner Behinderung wegen nicht lange stehen konnte. Hinausgehen ins Freie, das Atelier hinter sich lassen - "dieses Spiel mit Raum und Farbe" (Zitat Bräckle) findet seine Fortsetzung in den Galerieräumen.

Viele seiner Bilder befinden sich bis heute im Privatbesitz. Bräckle, der nie einen Galeristen hatte, verkaufte immer auf Ausstellungen und direkt aus seinem Atelier. Die Galerie der Stadt Böblingen verfügt nur über ein einziges Bild dieses ganz eigenständigen Künstlers, ein kleines Werk. Es zeigt eine Ackerlandschaft mit Bauer, Zugpferd und Pflug. Das Gemälde ist eine Leihgabe des Galerievereins.

Mit ihren mehr als 130 Bildern bietet die jetzige Ausstellung einen umfangreichen Überblick über das Schaffen Jakob Bräckles, eines Malers, der sich lohnt, in allen seinen Facetten entdeckt und wahrgenommen zu werden.

Die Ausstellung "Jakob Bräckle - Meine einfache Landschaft" ist noch bis zum 7. Juli zu den Öffnungszeiten der Städtischen Galerie zu sehen. Diese sind montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 13 bis 18 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Der Katalog der Biberacher Ausstellung mit Texten von Maria Beig, Maria Menz, Arnold Stadtler, Maria Müller-Gögler und vielen anderen, erschienen in der Verlagsdruckerei Biberach, kann zum Preis von Euro 49,80 in der Galerie erworben werden. Zur Ausstellung wurde ein umfangreiches Rahmenprogramm aufgelegt: Am Sonntag, 19. Mai, findet im Rahmen des Internationalen Museumstags eine Honigverkostung statt, dazu gibt es Vorträge über die Haltung von Bienen und eine Führung durch die Ausstellung; am Samstag, 1. Juni, bietet Heckengäu-Naturführerin Ursula Kupke eine Stadtwanderung durch Böblingens Süden an; am Donnerstag, 6. Juni, findet in der Zehntscheuer eine Weinprobe unter dem Motto "Süddeutsche Weinlandschaften" statt und am Sonntag, 7. Juli, lädt die Galerie zur Finissage zu einer Lesung mit dem Schriftsteller und Büchner-Preisträger Arnold Stadler. Ausführliche Informationen gibt es unter der Homepageadresse staedtischegalerie.boeblingen.de im Internet.
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