MVS-Bigband-Leiter Gebhardt: Doppelkonzert in Sindelfingen

Mein Wochenende: Der 77-jährige Trommler, Arrangeur und Sindelfinger MVS-Bigband-Chef Jörg Gebhardt lebt für die Musik

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    Bandleader aus Leidenschaft: Jörg Gebhardt (l.), Tanja Losch und Alexander Wolff treten heute und morgen mit der MVS Bigband im Sindelfinger Pavillon auf Foto: Epple/Archiv

Er hat schon viel erlebt in seiner Musiker-Karriere. 38 Jahre SWRBigband prägten sein Leben maßgeblich. Da steht man mit der Musik auf und geht mit ihr ins Bett. Sein Know-how gibt er heute gerne an Jüngere weiter. Als Chef der Sindelfinger MVS Bigband beweist Jörg Gebhardt immer wieder aufs Neue, dass Musik jung hält.

Artikel vom 12. April 2019 - 14:24

Von Bernd Epple

SINDELFINGEN. Im Kriegsjahr 1941 hat Jörg Gebhardt in Saarbrücken das Licht der Welt erblickt. Seinem Sternzeichen Löwe schreibt man Charaktereigenschaften wie Begeisterungsfähigkeit, Führungsstärke, Willenskraft, Herzlichkeit und Kreativität zu. Wer den Mann kennt, wird das alles abnicken. Sicherlich auch begünstigt durch ein musikalisches Elternhaus, der Vater war Kapellmeister, begeisterte sich Gebhardt schon früh von Kindesbeinen für die Musik. Das Saarland war noch französische Besatzungszone, als der Sechsjährige Klavier lernen durfte. Bald zog es ihn aber zu Trompete und Schlagzeug.

Musikschulen gab es auch in den 50er Jahren weit und breit noch keine, also machte er sich bereits mit 15 Jahren auf den Weg nach Hamburg, um die Instrumente seiner Wahl zu studieren. Der Grundstein war gelegt. Was er anpackt hat Hand und Fuß - so war das auch damals schon. Bereits in den 60er Jahren war er mit verschiedenen Orchestern in ganz Europa unterwegs, auch mit dem Orchester seines Vaters Heinz, der Trompeter und Cellist war. Den Militärdienst leistete er beim Luftwaffenmusikkorps in Karlsruhe ab. Mit diesem ging es auch in die große Welt mit einer Tournee durch Südafrika. Danach arbeitete er als ständiger Schlagzeuger in der Berliner "Jazzgalerie" bis der Jazzpianist und Bandleader Horst Jankowski auf ihn aufmerksam wurde und ihn nach Stuttgart holte.

Seit 1968 war er schließlich festes Mitglied des Erwin Lehn-Südfunk-Tanzorchesters aus dem die SWR Bigband hervorging. "Das ist es, was ein Profi erreichen sollte, beim Funk zu spielen!", sagt er. "Wir waren regelmäßig mit Auftragskompositionen und Komponisten beschäftigt; lernten Musiker aus der ganzen Welt kennen. Das waren alles großartige Musiker. Ich will da gar keinen hervorheben".

Und doch soll hier erwähnt sein, dass klangvolle Namen wie Sammy Nestico, Lee Konitz, Chick Corea, Chet Baker, Wolfgang Dauner, Stephane Grappelli oder Art Farmer unter ihnen waren. "Wir haben viel von denen mitgenommen", wertschätzt er diese Zeit und fügt hinzu: "Wir haben immer um die 300 Titel im Jahr gespielt und über 210 LPs und CDs eingespielt."

Zur Grundausbildung eines Musikers gehört auch das Arrangieren von Stücken. "Bei Kollegen habe ich mich da noch weitergebildet und schließlich auch einiges für die SWR Bigband arrangiert", erzählt er, "besonders die Stücke bei denen ich auch gesungen habe".

Singen hat für Gebhardt seit Kindheitstagen immer auch schon dazugehört. Die letzte Kostprobe gab er im Dezember 2018 in Sindelfingen beim "Christmas Jazz" mit der MVS Bigband im Pavillon ab, wo er zeigte, wie gut er bei Stimme ist. Er sang solo, mit Alexander Wolff, mit Tanja Losch oder auch mit beiden zusammen.

Wie kommt es, dass ein Mann mit dieser Karriere im Rücken den Taktstock bei einer Band übernommen hat, die überwiegend aus Amateuren besteht? "Bigband war schon immer meine Leidenschaft, und die suchten einen Bandleader", lautet seine einfache Antwort. Schon 1991 hat er die Bigband Gablenberg gegründet, die sich aus dem Musikverein dieses Stuttgarter Stadtteils rekrutierte. Er fing an, für diese Formation zu arrangieren, suchte passende Musiker und fand sie. Inzwischen leitet Tobias Becker diese Bigband, nachdem Gebhardt sich seit 2001 ganz den Sindelfingern verschrieben hat. Als Glücksfall betrachtet er es, dass Sängerin Tanja Losch und Sänger Alexander Wolff bei ihm anheuerten und neben sehr guten Stimmen jugendliche Frische mitbrachten. "Nur fünf Musiker kommen aus der Stadtkapelle, der Rest von überall her".

Er konstatiert, dass er mit dieser Bigband immer noch genug zu tun hätte. Sein Drum-Set steht zuhause und fürs Schlagzeugspielen bleibt nicht mehr viel Zeit übrig. "Gelegentlich zeige ich dem Schlagzeuger aber auch mal wie's geht", schmunzelt er.

Vorfreude auf Biennale-Konzert in der neuen Daimler-Fertigungshalle

Auf ein großes Event freut er sich heute schon: "Zur Sindelfinger Biennale soll die neue Daimler-Fertigungshalle Factory 56 zum Konzertsaal werden. Da sind wir vom 26. bis 29. Juni engagiert. Zusammen mit dem Daimler Sinfonieorchester, einem 80 Stimmen starken Projektchor und Rockband sind wir vier Tage hintereinander im Einsatz. Das wird eine super Sache! Ich habe jetzt schon viele Arrangements geschrieben".

Doch zunächst kommt erst mal das Wochenende an dem Gebhardt mit der MVS Bigband am Samstag und Sonntag im Pavillon mit einem "Best of"-Programm aufwarten wird (siehe Info) - eine schöne Gelegenheit den jugendlichen Endsiebziger mit seiner ausgezeichneten Band live zu erleben.

Die MVS Bigband präsentiert am Samstag, 13. April, um 20 Uhr sowie am Sonntag, 14. April, um 18 Uhr ein "Best of"-Programm im Sindelfinger Pavillon in der Calwer Straße 36. Unter dem Motto "Swinging Spring" erwartet das Publikum ein abendfüllendes Programm im groovigen Bigband-Sound. Die Gesangssolisten sind Tanja Losch und Alexander Wolff. Der Eintritt ist frei.
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