Doppelkonzert mit den Stadtkapellen aus Sindelfingen und Ravensburg

Doppelkonzert mit den Stadtkapellen aus Sindelfingen und Ravensburg verzaubert am Samstag das Publikum in der Stadthalle

  • img
    Festlicher Rahmen: Nach dem Konzert vor heimischem Publikum am Samstag gastierte die Stadtkapelle Sindelfingen am Sonntag im Konzerthaus in Ravensburg Foto: Semmler

Artikel vom 09. April 2019 - 18:18

Von Jutta Rebmann

SINDELFINGEN. Zu einem ungewöhnlichen Konzert im Frühling hatte die Stadtkapelle Sindelfingen gemeinsam mit dem Stadtorchester Ravensburg am Samstagabend in die Stadthalle geladen: Unter dem Motto "Ein Konzert - zwei Orchester" erwartete die Freunde der sinfonischen Blasmusik ein Feuerwerk an Klangreichtum, hinreißendem Klangzauber und brillanter Technik auf höchstem Schwierigkeitsgrad.

"Das Oberland" so der Vorstandsvorsitzende der Stadtkapelle Sindelfingen, Karl-Heinz Neher neiderfüllt in seiner Begrüßung, "sei eine Hochburg der Blasmusik." 116 Musikvereine würden im Kreis Ravensburg bestehen, dagegen stünden 34 im Kreis Böblingen. Um so erstaunlicher werden diese Zahlen bei einem Blick auf die Bevölkerungsdichte: Im Kreis Ravensburg leben rund 280 000 Einwohner, im Kreis Böblingen 390 000.

Der Überschuss an Bläserfreunden machte den Aufbau der Vorbühne der Stadthalle notwendig - 70 Musikerinnen und Musiker brauchten hier Platz. Harald Hepner, seit 1999 Dirigent des Ravensburger Traditionsorchesters ist seit dem Jahr 2000 Stadtmusikdirektor und seit einigen Jahren auch Leiter der Musikschule Ravensburg. Als erstes Werk hatte er die Symphonic Overture von James Barnes auf das Programm gesetzt. Die Werk war anlässlich des 50. Jubiläums der United Air Force Band komponiert worden. Gewünscht war ein Stück zwischen "Romantik und Anspruch" - eine Mischung, die dem renommierten Blasmusikkomponisten und Dirigenten James Barnes gar nicht behagte, wie Hepner in seiner Anmoderation erklärte. Schließlich entstand jedoch ein Werk aus einem Guss und höchstem Schwierigkeitsgrad, das auch nach mehrmaligem Hören immer noch durch seine durchdachte Klangtechnik und kompositorische Eleganz besticht.

Elegant war auch das Orchester, das jedem kleinstem Impuls des Dirigenten folgte und mit seinem Spiel bereits von Beginn an das Publikum in seinen Bann zog.

Es ist ein bisschen schade, dass nicht mehr Blasmusikfreunde am frühen Abend den Weg in die Stadthalle Sindelfingen gefunden hatten - allerdings mag dies auch am lokalen Veranstaltungsüberangebot an diesem Wochenende gelegene haben (siehe auch obenstehenden Artikel).

Die Zuhörer, die gekommen waren, erlebten einen weiteren Höhepunkt mit Nigel Hess' "Lochnagar Suite". Einst schrieb Prinz Charles für seine kleinen Brüder Andrew und Edward bei einem Sommeraufenthalt in Balmoral in den schottischen Highlands das Märchen vom Alten von Lochnagar, dem Berg, der das Schloss überragt. Damals konnte er nicht ahnen, dass daraus einmal ein Kinderbuch-Bestseller und ein Ballett werden würde. Die Musik dazu bildet ein lautmalerisches Feuerwerk der schottischen Berge und der darin verborgenen Geheimnisse.

Eine ganz andere Facette sinfonischer Blasmusik bedient dagegen Oscar Navarros im Jahre 2008 entstandenes Werk "Expedition". Forscher kämpfen hier gegen die Unbillen der Natur auf einer Reise in die Antarktis, ruhigen Zeiten folgen dramatische Stürme, heftige Wellen, das Schiff gerät in schwere Seenot um dann - endlich sicher in den Heimathafen einzulaufen.

Frenetischer Beifall und Bravorufe belohnten das Stadtorchester Ravensburg für eine exquisite Leistung. Nach der Pause war es an der Stadtkapelle Sindelfingen, mit dem "Feierlichen Einzug" von Richard Strauss die Fans auf ihre Seite zu bringen. Stadtmusikdirektor Markus Nau nutzte geschickt die Möglichkeiten der Musik bis hin zum gewaltigen Finale, das die Halle zum Erbeben brachte. Mit schöner Gestaltung begeisterte die Suite in F von Gustav Holst. Hier hat der Komponist im Jahr 1911 englische Volkslieder zu einem harmonischen Ganzen verwoben. Das Ergebnis ist eine Musik von elementarer emotionaler Stärke. Darauf folgte die Komposition "Firmament" von Rolf Rudin.

Lautmalerische Beschreibung des Regenbogens in all seinen Farben

Von ihrer besten Seite zeigte sich die Stadtkapelle Sindelfingen noch einmal bei "Arcus", einem musikalischen Tagtraum, der einen Regenbogen nachempfindet. Die Komposition ist ein Werk des jungen Komponisten Thiemo Kraas (Jahrgang 1984), das das Naturphänomen des Himmelsbogens in seinen schillernden Farben lautmalerisch beschreibt und in atemberaubender Geschwindigkeit umsetzt.

Viel zu schnell ging damit ein in vielerlei Hinsicht ungewöhnliches Konzert zu Ende. Damit aber wollten die Zuhörer die Musiker nicht entlassen. Bei der vom Publikum heftig herbeigeklatschten Zugabe - Schostakowitschs Walzer Nr. 2 - dirigierte Harald Hepner auf Wunsch von Markus Nau die Sindelfinger. Für ihr glanzvolles Spiel und den schönen Konzertabend wurden die Musiker mit stehenden Ovationen bedankt. Danach hieß es für alle Beteiligten, sich möglichst gut zu erholen, denn schon am darauffolgenden Tag traten die Sindelfinger im Konzerthaus Ravensburg auf.

Verwandte Artikel