Energiegeladene Musik ohne Schubladen

CD-Tipp

Artikel vom 22. März 2019 - 17:30

Von Bernd Epple

Eva Leticia Padilla ist eine Musikerin, die ihre Seele nicht an den Teufel verkaufen will. Sprich, sie möchte sich keinen Vorgaben der Plattenindustrie unterwerfen oder via Instagram & Co ihre Schokoladenseiten zeigen. "Musik hat nichts mit Ego zu tun", sagt sie. Und weiter: "Die Musik hat mich gefunden und mitgenommen."

Authentizität ist für die Vollblutmusikerin aus New York ein hohes Gut. Sie ist eher "Teamplayer" als "Selbstdarstellerin". Vielleicht ist auch das ein Grund, warum sich die Mitwirkende zahlreicher CD-Produktionen noch nicht in den Vordergrund gespielt hat und ihre erste eigene CD bis 2018 auf sich warten ließ.

Als "Latino-Girl" in der New Yorker Bronx aufgewachsen, kam sie früh mit der "Freestyle Scene" in Berührung. Ihre mexikanische Mutter hörte Salsa und James Taylor, der Bruder, Rap und die Schwester Kool & the Gang oder Barbra Streisand. "Eigentlich lief zuhause in allen Zimmern stets ein Radio. Es hat immer jemand gesungen oder getanzt", schmunzelt sie beim Treffen mit der Kreiszeitung in einem Stuttgarter Café. Die Mutter erkannte ihr Talent und sie durfte die La Guardia High School of The Performing Arts besuchen. "In einem Waschraum der Schule hörte ich jemanden "Summertime" singen", erzählt sie. Fortan stand fest: "Das will ich machen!"

Sie setzte sich bald intensiv mit Ella Fitzgerald und Billie Holiday auseinander. Nach ihrem Bachelor of Fine Arts an der New York School of Jazz and Contemporary Music kam sie Mitte der 90er durch einige Zufallsbegegnungen und persönliche Kontakte immer wieder für Konzertreisen nach Deutschland. "In New York gibt es unzählige tolle Musiker, aber damit Geld zu verdienen, ist noch ein härteres Brot als hierzulande", findet sie. Deutschland ist schließlich seit 1999 zu ihrer Heimat geworden. Die "Stuttgarterin" hat hier inzwischen genügend "Jobs" um von der Musik zu leben.

Nach vielbeschäftigten Jahren (auch als Vocal-Coach für verschiedene TV-Formate) hat sie sich nun endlich die Ruhe und Muße gegönnt, "ihre" Musik aufzunehmen. Die Songs erzählen von persönlichen Erfahrungen. Mit jedem Lied gibt sie einen Teil ihrer Persönlichkeit preis.

Zündet das Temperamentsbündel live ein wahres Feuerwerk ab, gibt es auf der CD auch mal leisere Töne. Auf The Wallflower präsentiert sie zehn eigene Songs voller Charakter, facettenreich mäandernd zwischen Pop, Blues, Reggae, Latin und Jazz. Kategorien und Schubladen gibt es bei Padilla nicht. Ihre Songs kamen ihr in Küche, Bad oder beim Spaziergang in den Sinn. Für die Aufnahmen hat sie eine Band zusammengestellt, die in der Lage war, ihren Gefühlen musikalisch den letzten Schliff zu geben.

An der Gitarre ist der Ex-Böblinger Jo Ambros zu hören. Der Neu-Berliner und ehemalige AEG-Schüler ist inzwischen ein deutschlandweit gefragter Gitarrist. Einfühlsam "schwebt" er über einige lyrisch geprägte Balladen. Der hervorragende Pianist William Lecomte (Jean-Luc Ponty-Trio) und Schlagzeuger Antoine Fillon (Harald Schmidt Show-Band) sorgen zusammen mit der Stuttgarter Bassistin Leonie Hefele für abwechslungsreiche Grooves. Mit Christoph Neuhaus hat die Musikerin auf den letzten beiden Aufnahmen einen weiteren Spitzengitarristen an Bord.

Patillas Songstil bewegt sich zwischen Gloria Estefan, Shakira und Fiona Apple. Doch Vergleiche hinken. Das Wichtigste ist, dass sie keine Kopie ist, sondern einfach nur sie selbst. Singen ist ihre Berufung und ihr Lebensweg. Nirgendwo ist sie authentischer als bei dieser Tätigkeit. Die Aufnahmen wurden in Stuttgart produziert. Auch kein Zufall. "Wie bei Blue Notes in den 60ern, dürfen dort die Künstler so sein wie sie sind", bemerkt sie - und das kommt rüber!

"The Wallflower" von LETY aka Eva Leticia Padilla. Erhältlich im Fachhandel oder unter http://www.evaleticia.com. Konzerthinweis: Eva Padilla tritt am kommenden Donnerstag, 28. März, und am 30. Mai im Stuttgarter Jazzclub Bix auf. Das März-Konzert ist bereits ausverkauft.
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