Gerhard Ulmer

Nachruf

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    Gerhard Ulmer

Artikel vom 23. März 2019

Böblingens Kulturszene hat einen kreativen Menschen und begeisterungsfähigen Macher verloren: Gerhard Ulmer ist am Mittwoch vor einer Woche plötzlich und völlig unerwartet im Alter von 67 Jahren verstorben.

Ulmer wurde in Trossingen geboren. Sein Grafikdesignstudium in Pforzheim schloss er als Art Director ab. Der Freiberufler war bei unterschiedlichen Stationen als Grafiker und im Marketing tätig - unter anderem als Partner bei der Böblinger Werbeagentur Ulmer und Jager, bei Cut Design in Holzgerlingen, Team32 in Schönaich sowie als Dienstleister für Hewlett Packard. Zudem begleitete er die Kampagnen lokaler Kandidaten - darunter auch den Oberbürgermeisterwahlkampf von Johannes Söhner.

Seinen Wohnsitz hatte er über viele Jahre in Sindelfingen. Besonders in künstlerischer Hinsicht war seine Hauptwirkungsstätte aber die Nachbarstadt Böblingen. Als sich dort im Herbst des Jahres 2011 "Die Kultourmacher vom Alten Amtsgericht" als eigenständiger Verein in dem Künstlerhaus gründeten, übernahm Gerhard Ulmer Verantwortung in Sachen Marketing und Sponsorengewinnung sowie bei der Gestaltung von Logos und "Corporate Identity" des Vereins. Die Zeichnung der "Böblinger Mechthild", die jedes Jahr beim Comedy-Festival prominent über der Kongresshallen-Bühne prangt sowie die Gestaltung des Programmhefts der "Kultourmacher" geht auf sein Design zurück.

Seine Freunde und Wegbegleiter würdigen Gerhard Ulmer für seinen Einfallsreichtum und seine Gabe, andere mit seiner Begeisterung mitzureißen. Eine besondere Leidenschaft für den Grafiker war die Renaissance im Allgemeinen und das Universalgenie Leonardo da Vinci im Besonderen. Ulmer und Kurt Koblowsky, mit dem er sich auch im Verein Waisenhilfe Nepal-Böblingen engagierte, waren vergangenes Jahr eigens nach Mailand gefahren, um vor Ort da Vincis Wandgemälde "Das Abendmahl" genauer zu studieren.

Noch am Abend vor seinem Tod war Ulmer in Sachen Leonardo da Vinci im Einsatz: Gemeinsam mit weiteren Bewunderern wollte er anlässlich des 500. Todestags des Renaissance-Künstlers am 2. Mai einen Festabend im Alten Amtsgericht mitgestalten. Als Kenner und Verehrer damaliger Neuerungen wie etwa des Goldenen Schnitts oder der wirklichkeitsgetreue Einsatz von Perspektiven wollte er an diesem Abend einen Vortrag halten.

"Jetzt wird er uns von oben dabei zuschauen", sagt der Grafiker Bernd Bock, für den Ulmer Mentor und Vorbild war. Bock wird den Vortrag nun an seiner Stelle halten (ausführlicher Vorbericht zu dem Leonardo-da-Vinci-Abend folgt).

Die Beerdigung fand am gestrigen Freitag auf dem Waldfriedhof in Maichingen statt. An diesem Tag wäre Gerhard Ulmer 68 Jahre alt geworden. (edi)

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