Die fantastischen Vier aus Sindelfingen

CD-Tipp

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    Die vier Hanke-Brüder (von links) Jonathan (19), Fabian (17), Lukas (24) und David (27) - hier bei ihrem Auftritt im Januar im Sparkassenforum - präsentieren ihre erste CD Foto: Epple/Archiv

Artikel vom 21. März 2019 - 19:42

Von Jan Renz

2017 brachten die Hanke Brothers das Kunststück fertig, die große Sindelfinger Stadthalle bis auf den letzten Platz zu füllen. Das gelingt sonst nur der Orchestervereinigung Sindelfingen, einem 60-Mann-Klangkörper. In der Region hat sich das junge Quartett aus Sindelfingen einen Namen gemacht. Zuletzt musizierten die Vier im Böblinger Sparkassenforum. Lange vor dem Konzert gab es keine Karten mehr. Es ist eine ganz besondere, eine einzigartige Formation: Blockflöte trifft auf Tuba, ein Pianist ist dabei, Bratsche und Schlagzeug kommen hinzu. Flötist David Hanke, mit 27 Jahren der Älteste, hatte noch nie Berührungsängste: Er ging mit der Blockflöte in Discotheken. Mit gleißender Intensität spielt er, auch auf dieser CD.

Die Idee, ein Quartett zu gründen, entstand bei der Aufnahme einer Familien-CD 2014. Der Vater war damals noch Kirchenmusikdirektor an der Sindelfinger Martinskirche. Die vier Söhne, allesamt Preisträger bei "Jugend musiziert", fanden Geschmack am gemeinsamen Spiel. Die Geburtsstunde ihres Ensembles war dann die Sindelfinger Biennale 2015.

Nun ist die mit Spannung erwartete Debüt-CD des jungen Ensembles erschienen. Überschrieben ist sie mit "Elements", ein vieldeutiger Titel. Der britische Komponist Oliver Davis, Jahrgang 1972, hat dieses größere Werk eigens für die Hanke Brothers komponiert und dabei die vier Elemente vertont. "Air" ist das erste: luftig und leicht klingt es, sehr verspielt, fast denkt man an ein Präludium von Johann Sebastian Bach. "Earth": Der Anfang klingt ein bisschen nach Schostakowitsch. Bei "Fire" erlebt man flammende, züngelnde Figuren. In diesen schillernden Stücken sind die Vier in ihrem Element. Selbstbewusst spielen sie auf.

Der Pianist Jonathan (19 Jahre) ist mit drei Eigenkompositionen vertreten. Gleich die erste Nummer der Silberscheibe stammt aus seiner Feder: "Brothers Peace". Entfernt erinnert sie an den "Kanon" von Johann Pachelbel. Die CD ist reich an Anspielungen auf die Musikgeschichte. "Brothers Peace" ist eine friedliche, harmonische Komposition. Schon dieses Eröffnungsstück lebt von minimalistischen Strukturen. Die Klangfarben der Kompositionen sind reizvoll. Die helle wendige Blockflöte trifft auf die gewichtigere Tuba (Fabian, 18 Jahre). Hinzu kommt die Bratsche von Lukas Hanke (24 Jahre). So entsteht ein ganz eigener, farbenreich sprühender Klang. Man muss manchmal an das Frühwerk des Flötisten und Komponisten Helge Burggrabe denken. Die Deutungen bestechen durch Spiel- und Lebensfreude, beides scheint den Vier wichtig zu sein.

Ein typisches Stück ist der "One World Song" von Aleksey Igudesman (Jahrgang 1973). In wenigen Minuten werden unterschiedliche Einflüsse aufgegriffen. Hier wird, wie es im Booklet heißt, "aus einer Vielzahl musikalischer Elemente eine sechsminütige Weltreise gewoben". Auch diese Elemente sind mit dem CD-Titel gemeint. Am Anfang hört man eine ausgelassene Blockflöte. Sie scheint die übrigen Instrumentalisten anzustecken. Ein Stück voller Überraschungen.

Aller guten Dinge sind zwölf. "Minimal Techno" heißt das letzte Stück. Juri de Marco hat es für die Brüder komponiert. Auch hier finden sich Minimalstrukturen, es ist perkussive, virtuose, fast fetzige Musik, präzise auf den Punkt gebracht. Eine interessante Debüt-CD der fantastischen Vier aus Sindelfingen.

Hanke Brothers: "Elements". H-Factory Records, 2018. Konzerthinweis: Fabian, der Tubist der Hanke Brothers, tritt am Sonntag, 24. März, als Solist mit der Orchestervereinigung Sindelfingen auf.
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