Junger Kammerchor: Gänsehaut beim Geburtstagskonzert

20 Jahre Junger Kammerchor der Musik- und Kunstschule Böblingen: Abwechslungsreicher und schwungvoller Auftritt am Samstag

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    Nach der Pause begleiteten einige Gäste den Jungen Kammerchor - hier Martin Johnson am Flügel und die Sängerin Ines Martinez Foto: Kollmeier

Ein strahlender Dirigent Clemens König, ein selbstbewusstes wie diszipliniertes Ensemble, ein erwartungsvolles Publikum - die Vorzeichen für das Konzert des Jungen Kammerchors zu seinem 20. Geburtstag waren gut. Und der Auftritt im Württemberg-Saal hielt, was er versprach.

Artikel vom 18. März 2019

Von Jutta Rebmann

BÖBLINGEN. Beim Stadtjubiläum 2003 stand ein verschwindend kleiner Chor auf viel zu großer Bühne neben der Sporthalle. "Das klingt aber schön", sagten Passanten anerkennend im Vorübergehen und blieben stehen. Vielleicht das erste öffentliche Lob für Clemens König, der den Kinderchor der Musik- und Kunstschule seinerzeit in einer schwierigen Phase übernommen hatte.

Damals war es an der Zeit für einen Neuanfang - und so wurde aus dem Kinderchor der Musikschule der Junge Kammerchor der Musik- und Kunstschule Böblingen. Beim Jubiläumskonzert am Samstag im Württemberg-Saal der Kongresshalle war die Bühne fast zu klein für die mehr als 30 jungen Sängerinnen und den einen Sänger inmitten der Mädchenschar.

Der Abend begann mit Robert Schumanns Zigeunerleben - glasklar und fast magisch schön gesungen, da blitzten die Augen, "da regt's sich und raschelt und flüstert zugleich", heißt es im Text. Und so klang es von der Bühne. Nahezu perfekt intonierte der Chor einige der von ihm erarbeiteten Werke wie "La carita" von Gioachino Rossini und "Erlaube mir feins Mädchen" von Johannes Brahms, beides geleitet von Angela Castellani, aus dem Chor hervorgegangene Dirigentin. Dass sie trotz ihrer Jugend bereits eine gefragte Sopranistin ist, bewies sie zudem mit der Arie der Despina aus Mozarts Oper "Cosi fan tutte".

Die Erfolgsleiter haben auch Tabea Ernst, Nora Allekotte und Victoria Alcauce bereits bestiegen: Beim Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" erreichten sie zuletzt einen Ersten Preis. Im Konzert sangen sie das Engelsterzett "Hebe deine Augen auf" aus dem Oratorium "Elias" von Felix Mendelssohn Bartholdy - so schön, dass viele im Saal mit Gänsehautmomenten zu kämpfen hatten. Mit "Am Brunnen vor dem Tore", dem beliebtesten aller Lindenbäume, sicherten sich das Trio frenetischen Beifall.

Danach sang der Chor, unterstützt von Johanna Hartmann an der Querflöte, eines seiner Lieblingslieder: "Flying free". Bei der Filmmusik zu "Die Kinder des Monsieur Mathieu" brillierten die Solistinnen Jessica Lutsch und Anna-Ria Strassacker. Mit "Elle coure, elle coure, la maladie d'amour" (einem Lied, das den Chor seit seinen Anfangstagen begleitet) ging es dann in die Pause.

Hatte Senta Eisenbacher die Klavierbegleitung im ersten Teil wie immer souverän und einfühlsam übernommen, fand hier nach der Pause ein Wechsel statt. Der Herrenberger Jazzpianist Martin Johnson, seit Studientagen Wegbegleiter und Freund Clemens Königs, saß nun am Flügel, den Percussion-Part übernahm mit Eckhard Stromer ein ebenso langjähriger Begleiter des Chorleiters. Damit war eigentlich eine fetzige Begleitung bereits garantiert, aber mit Ines Martinez (Sopranistin, Kabarettistin, Chorleiterin) kam noch mehr Schwung in den Auftritt.

Und auch hier bewies der Junge Kammerchor, das er ohne Berührungsängste jeder Situation gewachsen ist. Mit Amy MacDonalds "This is Life" rissen die Akteure das Publikum gemeinsam zu Beifallsstürmen hin. Gefühlvoll wurde es noch einmal mit "Edelweiss" aus dem der Trapp-Familie gewidmeten Musical "The sound of music", bei dem Johanna Hartmann an der Flöte und Tabea Ernst als Solistin zu hören waren. Fetzig ging's weiter mit Emeli Sande "Read all about it" und "Love the one you're with" von Stephen Stills. Viel zu früh ging das Konzert damit zu Ende.

Hinein in den frenetischen Beifall, der kaum enden wollte, gab es das letzte Lied noch einmal als Zugabe. Damit war es für die Gäste aber noch nicht genug. Zum endgültigen Ausklang des Abends trug der Chor "The Seal Lullaby" vor. Damit entließen Clemens König und der Junge Kammerchor ihre Gäste in den Böblinger Abend.

Ehrungen bei der Nachfeier in der Böblinger Musikschule

Bei der Nachfeier in der Musikschule überreichte Gerhard Stähle vom Chorverband Otto Elben den Sängerinnen Selina Angiolino, Jessica Lutsch und Melanie Lutsch Urkunden des Bundesverbandes Deutsche Chorjugend für ihre zehnjährige Mitgliedschaft im Jungen Kammerchor.

Beatrix Kollmeier, langjährige Vorsitzende des Fördervereins Junger Kammerchor, wurde gemeinsam mit ihrem Mann Holger mit der Ehrenmitgliedschaft im Förderverein ausgezeichnet. Vergnügt überreichten die Chormitglieder ihrem Dirigenten ein Survival-Paket, damit "der beste aller Chorleiter" im Umgang mit dem Ensemble auch in Zukunft die Nerven behielte. In seiner Laudatio auf Clemens König überzeugte Martin Johnson alle Anwesenden, dass es dazu keine besonderen Hilfsmittel brauche. Bereits im Studium habe Clemens König bewiesen, dass er ein Multitalent sei und nicht über Musik reden, sondern sie einfach machen wolle.

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