e-Sport: Fußball im Sitzen, mit Trikot - aber ohne Ball

Fußball ist Deutschlands Nationalsport Nummer 1. Doch viele Dribbel-Duelle finden inzwischen im heimischen Wohnzimmer statt: vor der Spielkonsole. Die dazugehörige E-Sport-Szene wächst rasant. Die Szene-Redaktion hat sich mit Ahmet Ali Yuvuz getroffen. Er spielt für den VfL Herrenberg.

Artikel vom 13. März 2019 - 18:30

HERRENBERG. Die Regionalbahn fährt in Herrenberg ein. Ein Junge kommt mir entgegen. Es ist der 16-jährige Ahmet Ali Yuvuz aus Herrenberg. Ich bin mit ihm zum Fußballspielen verabredet. Fröhlich kommt er auf mich zugelaufen, sein grünes Herrenberg-Trikot spickt unter der grauen Jacke hervor. Direkt redet er über seine geliebte Gäustadt. Drei mal über die Straße und an einem Rewe vorbei führt er mich zum VfL Center, dem Fitnessstudio des Sportvereins. Ein hochmodern eingerichtetes Studio mit Sauna und allerlei Schnickschnack für Sportbegeisterte. Ahmet führt mich in einen großen Raum. In der Mitte ist auf einem Konferenztisch eine Playstation mit zwei Controllern fertig aufgebaut.

Hier findet unser Fußball-Match statt. Nicht auf dem Rasen, sondern an der Spielkonsole mit dem Spiel "FIFA19". Ein einfaches Daddelspiel? Nein, das ist eine anerkannte Sportart. E-Sport ist eine Wortzusammensetzung aus "elektronisch" und "Sport". Gemeint ist ein Wettkampf zwischen Kontrahenten auf Computerspielen.

VfL Wolfsburg stellte erstes virtuelles Team auf

Angefangen hat es in Deutschland mit dem VfL Wolfsburg, der 2015 als erstes Bundesligist ein Team für virtuellen Fußball aufstellte. Wolfsburg verpflichtete damals Benedikt "Salzor" Saltzer als ersten FIFA e-Sportler Deutschlands und legte damals einen Grundstein, dem viele Bundes- und Zweitligisten folgten. Dieses Jahr erspielte sich Werder Bremen die erste deutsche e-Sport-Bundesligameisterschaft.

Mittlerweile ist e-Sport nicht nur was für große Teams. Auch der VfL Herrenberg hat seine eigene e-Sport-Abteilung. Mit im Team: Ahmet.

Ohne großes Überlegen stellt Ahmet jetzt die Konsole ein. Zum Reinkommen erstmal eine Runde Fußball auf dem Bildschirm. Der große Beamer wirft das bunte Menü auf die Leinwand. Ahmet entscheidet sich für Manchester City, eine der besten Mannschaften im Spiel. Eigentlich ist er Arsenal Fan, doch die sind in der Welt von FIFA nicht so gut. Auch auf der Konsole gilt: Immer ein Tor mehr schießen als dein Gegner. Ich nehme Bayern München.

Einen Münzwurf wie im realen Fußball gibt es im e-Sport nicht. "Wer Heim- und wer Auswärtsteam ist, wird zufällig festgelegt", sagt Ahmet. Der Schiedsrichter pfeift die Partie im virtuellen "Etihad Stadium" von Manchester City an, knapp vier Stunden bevor Schalke am gleichen Abend in der Champions League gegen den echten Fußballclub von Manchester City um das Weiterkommen ringt.

Mit meinen Bayern verlor ich in der virtuellen Welt 7:0. Manch einer wird es Zufall nennen, aber vier Stunden später verlor Schalke in der realen Welt ebenfalls mit 7:0. Virtuell wie auch real - ein Abend zum Vergessen für den deutschen Fußball. Aber mein Gegner Ahmet spielt immerhin schon seit zwölf Jahren Fußball auf der Konsole.

Ahmet spielt auch aktiv Fußball

Am Wochenende steigt in Böblingen der zweite Sparkassen e-Sports-Cup. Eine Art Champions League in klein. Dabei kommt es nicht nur auf Tricks wie die "Ballrolle" oder den "Drag Back" an, sondern auch auf Teamplay. Mit am Start: Ahmet. "Auf den Cup bereite ich mich seit drei Monaten mit meinem Partner Yasin Aktürk vor", sagt Ahmet.

Stark am Controller heißt nicht direkt, dass man auf dem grünen Rasen eine schlechte Figur abgibt. Ahmet spielt seit seinem sechsten Lebensjahr aktiv Fußball. Aktuell verteidigt er, wie sein Vorbild Sergio Ramos in der Innenverteidigung für den TV Gülstein. Ramos ist bereits mit seinem Club Real Madrid aus der Champions League ausgeschieden, deshalb kommt für Ahmet nur der FC Barcelona als diesjähriger Sieger in Frage.

"Wenn ich mich zwischen Fußball und FIFA entscheiden müsste, würde ich mich für den Controller entscheiden", verrät Ahmet. Auch hier hat er ein Vorbild: Mohammed Harkous, besser bekannt als Mo Aubameyang, der mit dem SV Werder Bremen dieses Jahr Deutscher Meister in der virtuellen Bundesliga wurde.

"E-Sport ist Sport", betont Ahmet. "Wenn man mal zwei Stunden spielt, merkt man die körperliche Anstrengung." Suchtgefahr besteht seiner Meinung nach nicht, er könne von heute auf morgen aufhören. Aktuell spielt Ahmed aber weniger. Er hat erkannt, dass seine Priorität auf der Schule liegen muss: "Früher waren 20 bis 25 Stunden die Woche normal, sprich etwa drei Stunden täglich. Doch nach meinem Abitur will ich international Businessmanagement studieren, da müssen meine Noten stimmen."

Die Vorstellung, dass e-Sport vielleicht einmal olympisch werden könnte oder es vielleicht sogar eine "E-lympiade" geben könnte, gefällt Ahmet: "Das wäre zumindest ein Traum, bei einem solchen Große-Event teilzunehmen."

Wird es mal eine "E-lympiade" geben?

Sein Training im E-Sport-Kader findet nur alle zwei Wochen statt, "man kann sich zumindest auch privat fit halten", meint er. Ahmet spielt dann online Matches oder gegen den Computer auf hohem Schwierigkeitslevel. "Einen richtigen Trainer haben wir nicht. In FIFA verbessern wir uns gegenseitig", sagt er.

Ein 7:0 konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Wir greifen noch einmal zu den Controllern für ein Abschlussmatch. Die gleichen Bedingungen wie vorhin. Ich gebe alles - und verliere diesmal wenigstens nur mit 4:0.

Fußball im Sitzen, mit Trikot aber ohne Ball

Fußball ist Deutschlands Nationalsport Nummer 1. Doch viele Dribbel-Duelle finden inzwischen im heimischen Wohnzimmer statt: vor der Spielkonsole. Die dazugehörige E-Sport-Szene wächst rasant. Die Szene-Redaktion hat sich mit Ahmet Ali Yuvuz getroffen. Er spielt für den VfL Herrenberg.

Von Dennis Weber

HERRENBERG. Die Regionalbahn fährt in Herrenberg ein. Ein Junge kommt mir entgegen. Es ist der 16-jährige Ahmet Ali Yuvuz aus Herrenberg. Ich bin mit ihm zum Fußballspielen verabredet. Fröhlich kommt er auf mich zugelaufen, sein grünes Herrenberg-Trikot spickt unter der grauen Jacke hervor. Direkt redet er über seine geliebte Gäustadt. Drei mal über die Straße und an einem Rewe vorbei führt er mich zum VfL Center, dem Fitnessstudio, des Sportvereins. Ein hochmodern eingerichtetes Studio mit Sauna und allerlei Schnickschnack für Sportbegeisterte. Ahmet führt mich in ein großen Raum. In der Mitte ist auf einem Konferenztisch eine Playstation mit zwei Controllern fertig aufgebaut.

Hier findet unser Fußball-Match statt. Nicht auf dem Rasen, sondern an der Spielkonsole mit dem Spiel "FIFA19". Ein einfaches Daddelspiel? Nein, das ist eine anerkannte Sportart. E-Sport ist die Zusammensetzung aus elektronisch und Sport und bezeichnet den Wettkampf zwischen Kontrahenten auf Computerspielen.

VfL Wolfsburg stellte erstes virtuelles Team auf

Angefangen hat es in Deutschland mit dem VfL Wolfsburg, der 2015 als erstes Bundesligist ein Team für virtuellen Fußball aufstellte. Wolfsburg verpflichtete damals Benedikt "Salzor" Saltzer als ersten FIFA e-Sportler Deutschlands und legte damals einen Grundstein dem viele Bundes- und Zweitligisten folgten. Dieses Jahr erspielte sich Werder Bremen die ersten deutschen e-Sport-Bundesligameisterschaft. Mittlerweile ist e-Sport nicht nur was für große Teams. Auch der VfL Herrenberg hat seine eigene e-Sport-Abteilung. Mit im Team: Ahmet.

Ohne großes Überlegen stellt Ahmet jetzt die Konsole ein. Zum Reinkommen erstmal eine Runde Fußball auf dem Bildschirm. Der große Beamer wirft das bunte Menü auf die Leinwand. Ahmet entscheidet sich für Manchester City, eine der besten Mannschaften im Spiel. Eigentlich ist er Arsenal Fan, doch die sind in der Welt von FIFA nicht so gut. Auch auf der Konsole gilt, immer ein Tor mehr schießen als dein Gegner. Ich nehm Bayern München.

Einen Münzwurf wie im realen Fußball gibt es im e-Sport nicht. "Wer Heim- und wer Auswärtsteam ist, wird zufällig festgelegt", sagt Ahmet. Der Schiedsrichter pfeift die Partie im virtuellen "Etihad Stadium" von Manchester City an, knapp vier Stunden bevor Schalke am gleichen Abend in der Champions League gegen den echten Fußballclub von Manchester City um das Weiterkommen ringt.

Mit meinen Bayern verlor ich in der virtuellen Welt 7:0. Manch einer wird es Zufall nennen, aber vier Stunden später verlor Schalke in der realen Welt ebenfalls mit 7:0. Virtuell wie auch real - ein Abend zum Vergessen für den deutschen Fußball. Aber mein Gegner Ahmet spielt immerhin schon seit zwölf Jahren.

Ahmet spielt auch aktiv Fußball

Am Wochenende steigt in Böblingen der 2. Sparkassen e-Sports-Cup. Eine Art Champions League in klein. Dabei kommt es nicht nur auf Tricks wie die "Ballrolle" oder den "Drag Back" an, sondern auch auf Teamplay. Mit am Start: Ahmet.

"Auf den Cup bereite ich mich seit drei Monaten mit meinem Partner Yasin Aktürk vor", sagt Ahmet. Stark am Controller heißt nicht direkt, dass man auf dem grünen Rasen eine schlechte Figur abgibt. Ahmet spielt seit seinem sechsten Lebensjahr aktiv Fußball. Aktuell verteidigt er, wie sein Vorbild Sergio Ramos in der Innenverteidigung für den TV Gülstein. Ramos ist bereits mit seinem Club Real Madrid aus der Champions League ausgeschieden, deshalb kommt für Ahmet nur der FC Barcelona als diesjähriger Sieger in Frage.

"Wenn ich mich zwischen Fußball und FIFA entscheiden müsste, würde ich mich für den Controller entscheiden", verrät Ahmet. Auch hier hat er ein Vorbild: Mohammed Harkous, besser bekannt als Mo Aubameyang, der mit dem SV Werder Bremen dieses Jahr Deutscher Meister in der virtuellen Bundesliga wurde.

"E-Sport ist Sport", betont Ahmet. "Wenn man mal zwei Stunden spielt merkt man die körperliche Anstrengung." Suchtgefahr besteht seiner Meinung nach nicht, er könne von heute auf morgen aufhören. Aktuell spielt Ahmed aber weniger. Er hat erkannt, dass seine Priorität auf der Schule liegen muss: "Früher waren 20 bis 25 Stunden die Woche normal, sprich etwa drei Stunden täglich. Doch nach meinem Abitur will ich international Businessmanagement studieren, da müssen meine Noten stimmen."

Die Vorstellung, dass e-Sport vielleicht einmal olympisch werden könnte oder es vielleicht sogar eine "E-lympiade" geben könnte, gefällt Ahmet: "das wäre zumindest ein Traum, bei einem solchen Sportgroßevent teilzunehmen."

Wird es mal eine E-lympiade geben?

Sein Training im E-Sport-Kader findet nur alle zwei Wochen statt, "man kann sich zumindest auch privat fit halten", meint er. Ahmet spielt dann online Matches oder gegen den Computer auf hohem Schwierigkeitslevel. "Einen richtigen Trainer haben wir nicht. In FIFA verbessern wir uns gegenseitig", sagt er.

Ein 7:0 konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Wir greifen noch einmal zu den Controllern für ein Abschlussmatch. Die gleichen Bedingungen wie vorhin. Ich gebe alles - und verliere diesmal wenigstens nur mit 4:0.

Info: Am Sonntag, 17. März, findet im Sparkassenforum der 2. Sparkassen e-Sports Cup statt. Einlass ist ab 10.30 Uhr. Gespielt wird im Modus zwei gegen zwei. Der virtuelle Schiedsrichter pfeift das erste Spiel um 12 Uhr an. Für das Ende peilt der Veranstalter 20 Uhr an. Besucher haben freien Eintritt. Pro Zweierteam fällt eine Teilnehmergebühr von 50 Euro an. Die Gruppen werden nach dem Zufallsprinzip zusammengestellt. Pro Gruppe werden vier Teams um das Weiterkommen spielen. Sollte es in den Finalrunden nach zwei Mal sechs Minuten unentschieden stehen, wird eine Verlängerung gespielt. Bei erneutem Gleichstand folgt ein Elfmeterschießen. Controller sollte jeder selbst mitbringen. Sollte dies nicht möglich sein, kann man sich für eine Gebühr von fünf Euro einen leihen. Gespielt wird mit allen Vereins- und Nationalmannschaften. Ausgenommen sind nur Classic- und Sonderteams. Teilnahmetickets sind unter http://www.kskbb.de/esports erhältlich.

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