Die Oma hat sich mit 73 Jahren einen Kolibri stechen lassen

Sascha Dammann ist Tätowierer in Böblingen und setzt auf persönlichen Kontakt und Hygiene

  • img

Artikel vom 27. Februar 2019 - 16:36

BÖBLINGEN. Das Living Pictures in der Wilhelmstraße Böblingen gehört mit seinen 24 Jahren zu den ältesten Tattoo-Studios im Kreis Böblingen. Sascha Dammann, der heutige Inhaber, führt das Geschäft seit 2003.

"Ich zeichne schon, seit ich laufen kann", erzählt Dammann. Nach der Schule begann er jedoch erstmal eine Ausbildung zum Schreiner. Zum Tätowieren ist er währenddessen eher zufällig gekommen. "Ich habe unseren Tätowierer Lutz kennengelernt, er hat sich meine Vorlagen angeschaut und ich habe angefangen, Motive für ihn zu zeichnen."

Während seiner Gesellenzeit traute er sich dann auch mit der Nadel an menschliche Haut. "Tätowieren zu lernen ist ein schleichender Prozess. Man lernt viel durch abschauen von anderen Tätowierern." Geübt wurde von Anfang an am Kunden: Die ersten Stiche setzte Dammann bei einem chinesischen Zeichen. "Lutz malte die Linien vor und ich sollte sie ausfüllen, so nah wie ich mich an die Linien herantraute."

Nachdem die Schreinerfirma, in der Dammann zu diesem Zeitpunkt arbeitete, insolvent ging, fing er an, hauptberuflich als Tätowierer zu arbeiten. Letztlich übernahm er dann den Laden nach drei Jahren.

Derzeit arbeiten mit ihm vier Tätowierer im Studio. Jeder ist für einen anderen Bereich zuständig: Einer hat sich auf Abstract Watercolor spezialisiert. Die Tattoos sehen hierbei aus, als wären sie mit Wasserfarbe gepinselt und haben keine festen Konturen. Lutz sticht vor allem Schriften und kleine Sachen. Ein weiterer Kollege tätowiert im New-Traditional-Stil, bei dem alte Stile mit neuen Motiven kombiniert werden. Dammann selbst kümmert sich um realistische Tattoos. Das Klientel habe dabei eine große Altersspanne. "Die älteste Frau, die ich tätowieren durfte, war 73. Sie hat sich einen Kolibri stechen lassen - für ihre Enkelin."

Darauf angesprochen, dass viele Personen sich inzwischen von Laien tätowieren lassen, entgegnete Dammann, dass er das nicht gut finde. Aber leider könne er nichts dagegen machen: "Es ist zu einfach geworden, an Tattoo-Equipment zu gelangen." Tatsächlich kann man das dazu notwendige Werkzeug schon für weniger als 50 Euro im Internet kaufen.

"Ich würde mir eine Zugangsregelung wie bei Waffen wünschen", sagt Dammann. Beim Tätowieren gehe es nun mal um mehr als nur das Stechen eines Bildes. Vor allem die Hygiene und ein ausführliches Beratungsgespräch seien das A und O. Er persönlich nehme sich rund eine Stunde für ein Gespräch Zeit, um seine Kunden vorher besser kennenzulernen.

Umgekehrt sei es wichtig für Kunden, sich das Tattoo-Studio im Voraus einmal anzuschauen, um sich persönlich davon zu überzeugen, es mit Profis zu tun zu haben. Die Hygiene beruhe auf gegenseitigem Schutz, "denn schließlich können sich auch Tätowierer bei den Kunden anstecken."

Die beliebtesten Stellen für Tattoos seien vor allem der Arm und der Rippenbogen. "Der Rippenbogen gehört mit dem Bauch aber auch zu den schmerzhaftesten Stellen. Hier verlaufen viele Nerven", erklärt Damann.

Sein erstes Tattoo war mit 19 Jahren sein Sternzeichen Löwe. Das erste von vielen. Keines seiner Tattoos habe eine Bedeutung, "die sind 'Just for fun'. Bereut habe ich aber keines."

Die Oma hat sich mit 73 Jahren einen Kolibri stechen lassen

Von Meike Walz und Dennis Weber

BÖBLINGEN. Das Living Pictures in der Wilhelmstraße Böblingen gehört mit seinen 24 Jahren zu den ältesten Tattoo-Studios im Kreis Böblingen. Sascha Dammann, der heutige Inhaber, führt das Geschäft seit 2003.

"Ich zeichne schon, seit ich laufen kann", erzählt Dammann. Nach der Schule begann er jedoch erstmal eine Ausbildung zum Schreiner. Zum Tätowieren ist er währenddessen eher zufällig gekommen. "Ich habe unseren Tätowierer Lutz kennengelernt, er hat sich meine Vorlagen angeschaut und ich habe angefangen, Motive für ihn zu zeichnen."

Während seiner Gesellenzeit traute er sich dann auch mit der Nadel an menschliche Haut. "Tätowieren zu lernen ist ein schleichender Prozess. Man lernt viel durch abschauen von anderen Tätowierern." Geübt wurde von Anfang an am Kunden: Die ersten Stiche setzte Dammann bei einem chinesischen Zeichen. "Lutz malte die Linien vor und ich sollte sie ausfüllen, so nah wie ich mich an die Linien herantraute."

Nachdem die Schreinerfirma, in der Dammann zu diesem Zeitpunkt arbeitete, insolvent ging, fing er an, hauptberuflich als Tätowierer zu arbeiten. Letztlich übernahm er dann den Laden nach drei Jahren.

Derzeit arbeiten mit ihm vier Tätowierer im Studio. Jeder ist für einen anderen Bereich zuständig: Einer hat sich auf Abstract Watercolor spezialisiert. Die Tattoos sehen hierbei aus, als wären sie mit Wasserfarbe gepinselt und haben keine festen Konturen. Lutz sticht vor allem Schriften und kleine Sachen. Ein weiterer Kollege tätowiert im New-Traditional-Stil, bei dem alte Stile mit neuen Motiven kombiniert werden. Dammann selbst kümmert sich um realistische Tattoos. Das Klientel habe dabei eine große Altersspanne. "Die älteste Frau, die ich tätowieren durfte, war 73. Sie hat sich einen Kolibri stechen lassen - für ihre Enkelin."

Darauf angesprochen, dass viele Personen sich inzwischen von Laien tätowieren lassen, entgegnete Dammann, dass er das nicht gut finde. Aber leider könne er nichts dagegen machen: "Es ist zu einfach geworden, an Tattoo-Equipment zu gelangen." Tatsächlich kann man das dazu notwendige Werkzeug schon für weniger als 50 Euro im Internet kaufen.

"Ich würde mir eine Zugangsregelung wie bei Waffen wünschen", sagt Dammann. Beim Tätowieren gehe es nun mal um mehr als nur das Stechen eines Bildes. Vor allem die Hygiene und ein ausführliches Beratungsgespräch seien das A und O. Er persönlich nehme sich rund eine Stunde für ein Gespräch Zeit, um seine Kunden vorher besser kennenzulernen.

Umgekehrt sei es wichtig für Kunden, sich das Tattoo-Studio im Voraus einmal anzuschauen, um sich persönlich davon zu überzeugen, es mit Profis zu tun zu haben. Die Hygiene beruhe auf gegenseitigem Schutz, "denn schließlich können sich auch Tätowierer bei den Kunden anstecken."

Die beliebtesten Stellen für Tattoos seien vor allem der Arm und der Rippenbogen. "Der Rippenbogen gehört mit dem Bauch aber auch zu den schmerzhaftesten Stellen. Hier verlaufen viele Nerven", erklärt Damann.

Sein erstes Tattoo war mit 19 Jahren sein Sternzeichen Löwe. Das erste von vielen. Keines seiner Tattoos habe eine Bedeutung, "die sind 'Just for fun'. Bereut habe ich aber keines."

Verwandte Artikel