"Das Phantom der Oper" in der Böblinger Kongresshalle

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    Im Ensemble zeigen die Schauspieler viel Spielfreude. Ein Beamer wirft die Kulisse an die Wand
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    Etwas unbeholfen stocherte Philipp Landgraf als Phantom im Nebel umher. Das kleine Orchester begleitete ihn stimmungsvoll Fotos: Thomas Bischof

Die Geschichte vom Mann mit der Maske, der in der Pariser Oper haust, ist in der ganzen Welt bekannt. Geschrieben hat sie Gaston Leroux, Andrew Lloyd Webber hat daraus 1986 einen Musical-Hit gemacht. In der Böblinger Kongresshalle wurde am Montag eine alternative Version gezeigt. Sie schürte große Erwartungen.

Artikel vom 12. Februar 2019 - 16:54

Von Florian Ladenburger

BÖBLINGEN. Bevor die Kongresshalle am 1. April für neun Monate einer Schönheitsoperation unterzogen wird, war im Europasaal am Montag noch einmal Zeit für großes Kino beziehungsweise Musical: "Das Phantom der Oper". Da denken die meisten natürlich gleich an Andrew Lloyd Webbers großen Erfolg. Auch wenn auf dem Programmheft "die große Originalproduktion" angepriesen wird, ist es nicht die des britischen Komponisten. Bei der deutschen Eigenproduktion ist der Berliner Arndt Gerber für die Musik verantwortlich und Paul Wilhelm, ebenfalls aus der Hauptstadt, für den Text. Grundlage beider Musicals war der Roman des französischen Schriftstellers Gaston Leroux aus dem Jahr 1910.

Die Produktionsfirma sorgte schon mehrmals für negative Schlagzeilen

Hinter der neuen Version steckt die ASA Event GmbH aus Bietigheim-Bissingen. Die Produktionsfirma sorgte mit ihren Musical-Versionen - darunter auch "Der Glöckner von Notre Dame" - schon mehrmals für negative Schlagzeilen. 2006 schrieben die Potsdamer Neuesten Nachrichten von "Etikettenschwindel" und auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnte 2017 in einer Pressemitteilung: "Statt der erwarteten weltbekannten Erfolgsstücke, sehen die Zuschauer sich mit fremder Musik und fragwürdigen Leistungen zu formidablen Preisen konfrontiert."

Harte Vorwürfe, gegen die sich die Produzenten stets wehrten. Tatsächlich wird Webbers Name in der Werbung niemals genannt. Dafür werden die Urheber der ASA-Produktion im Internet direkt auf der Startseite erwähnt, ohne dass man lange suchen muss. Fragt sich dennoch, ob wirklich allen Besuchern in der Böblinger Kongresshalle klar war, dass sie für den Kartenpreis von immerhin 50 Euro aufwärts kein Original Webber-Musical sehen würden.

Bei Peggy Kosbab aus Herrenberg und Stefan Schmitt aus Heidelberg war dies der Fall: "Wir haben Webbers Version schon mehrmals in Hamburg gesehen", sagt Schmitt. "Wir wollten sehen, wie es hier gespielt wird." Und sie waren durchaus zufrieden mit der "schönen Inszenierung".

"Live begleitet wird das Ensemble von einem großen Orchester." So ist es auf der Internetseite der Produktion zu lesen. Bei 14 Musikern von einem großen Orchester zu sprechen, das ist mutig. Selbiges gilt für das Ballett, das am Montag lediglich aus vier Mädchen bestand.

Das Bühnenbild wurde mit einem Beamer an die Rückwand projiziert

Auch von einem "vielseitigen Bühnenbild" ist im Internet die Rede. Davon sah man am Montag in Böblingen allerdings erstmal nicht so viel. Eine Schaufensterpuppe, dazu ein, zwei Möbelstücke, die etwas verloren im Raum standen. Dann kamen die Musiker in den Saal. Kaum die Hälfte der Plätze im Saal waren besetzt, entsprechend verhalten der Applaus.

Mit der Musik erstrahlte auch das Bühnenbild, das wurde nämlich mittels eines Beamers an die Rückwand der Bühne projiziert. Das ermöglichte schnelle Übergänge von Szene zu Szene und auch der Sturz des Kronleuchters konnte so ohne Aufwand inszeniert werden. Die Animation erinnerte allerdings an ein billiges Computerspiel. Für bis zu 70 Euro Eintritt pro Nase, hätte man schon etwas mehr erwarten können. Doch gerade diese Idee fand Besucher Stefan Schmitt "super gelöst". Die Produktion gehe schließlich auf Tour. In Hamburg wurde extra ein Theater gebaut.

Was musikalisch folgte, war ordentlich. Alle Darsteller glänzten mit ihren Sangesleistungen. Kleine Patzer waren aber doch dabei. Der 28 Jahre junge Wiener Philipp Landgraf, der in die Titelrolle schlüpfte, hatte im Spiegelschrank stehend wohl Probleme das "große" Orchester zu hören und kam aus dem Takt. So wurden die Bewegungen des Dirigenten immer ausladender bis das Phantom wieder mit den Musikern zusammen war. Die Musik war schön zu hören, aber ein bleibender Ohrwurm, den man auch nach der Vorstellung noch pfeifen konnte, war nicht dabei.

Der "Musicalthriller" der auf dem Programmheft angekündigt wurde, blieb aus. Die Handlung war in weiten Teilen, auch ohne Vorkenntnis, vorhersehbar, manchmal wirr und durcheinander. Auch wenn sich das Bühnengeschehen von Zeit zu Zeit zog, wurde es doch nie langweilig. Dafür sorgte auch der Humor. Sei es der Kommissar, der den TÜV in der Oper vorbeischicken wollte, oder der hereinschlurfende Postbote, der eine ganz eigene Interpretation der Beförderung eines Eilbriefes hatte.

Die Schauspieler hatten Spaß an dem, was sie machten. Beispielsweise wenn der Direktor der Oper (Hans-Jürgen Zander) nach einem Telefonat den Hörer in die Hosentasche steckte oder sich sein Assistent ängstlich hinter seiner Mappe versteckte. Gleichzeitig war das Spiel manchmal etwas hölzern. Das angeschossene Phantom humpelte unbeholfen über die Bühne und auch die Ermordung eines Polizisten wirkte lapidar gespielt.

Deswegen nun aber vor der Produktion zu warnen, wird den Darstellern nicht gerecht. Die Vorführung war nicht atemberaubend, bot aber trotzdem zwei Stunden gute Unterhaltung.

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