Nicole Amann-Gessinger feiert an der Musikschule Sindelfingen ihren Abschied

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    Blumen zum Abschied: Musikschulleiter Markus Nau mit Nicole Amann-Gessinger Foto: red

Artikel vom 10. Februar 2019 - 07:00

SINDELFINGEN (red/lad). Bei der Schule für Musik, Theater und Tanz (SMTT) in Sindelfingen war Nicole Amann-Gessinger 41 Jahre lang als Lehrerin tätig. Beim vergangenen Konzert des Fachbereichs Streichmusik - dessen Leitung sie fast 30 Jahre inne hatte - verabschiedete sie sich nun in die Altersteilzeit. Wehmut fühlte sie dabei nicht. Viel wichtiger: "Es war ein gutes Konzert."

Die Cello-Lehrerin fing selbst gar nicht mit dem Saiteninstrument an, sondern genoss mit sechs Jahren ihren Klavierunterricht. Erst vier Jahre später, auf dem Pfarrwiesengymnasium, wechselte sie zum handlicheren Cello. Ein Grund dafür: "Der Klang des Cellos ist der schönste Klang aller Instrumente." Schön warm und nicht so hoch, wie etwa bei der Geige.

Das Abi frisch in der Tasche zog es sie 1976 in die weite Welt - sie legte die Aufnahmeprüfung im Fach Violoncello an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien ab. Doch die Heimat ließ sie nicht los. Nach zwei Jahren kam sie zurück zum Studium an der Musikhochschule Stuttgart bis zum Abschluss ihres Lehrdiploms (heute Bachelor).

Kaum aus Wien zurück, wurde sie als Cello-Vertretung angefragt

"Direkt nach meiner Rückkehr aus Wien wurde ich von der Musikschule Sindelfingen unter dem damaligen Schulleiter Hans de Blaauw angefragt, eine Vertretung im Fach Cello zu übernehmen", erinnert sich Amann-Gessinger. Das war vor 41 Jahren.

1980 bildete sie sich mit einem künstlerischen Aufbaustudium an der Musikhochschule Karlsruhe weiter. Dazu erhielt sie das Angebot, weiterhin einen Unterrichtsnachmittag pro Woche an der Musikschule als Aushilfe zu übernehmen. "Das war für das finanzielle Polster einer Studentin gut und auch von Karlsruhe aus machbar."

Was heute Master heißt, hieß 1983 künstlerische Reifeprüfung und nachdem Amann-Gessinger die bestanden hatte, wurde sie Cellolehrerin an der Stuttgarter Musikschule. Dort hätte sie bleiben können. Doch 1985 lernte sie im Paul-Gerhard-Kammerorchester in Stuttgart ihren späteren Mann kennen. Nach drei Jahren wurde ihre Tochter geboren. Da kam ihr das Angebot, in Sindelfingen als festangestellte Cellolehrerin zu arbeiten, gerade recht. "Das Umfeld ist für Familien sehr angenehm", sagt die heute 62-jährige Nicole Amann-Gessinger.

1988 wurde sie dort zur Fachbereichsleiterin im Bereich Streichinstrumente bestellt. Über die Jahrtausendwende gab sie ein Gastspiel an der Musik- und Kunstschule Böblingen im Austausch mit dem Klarinettisten Wilfried Klose. Weitere Kooperationen sollten folgen.

"Es ist meine Aufgabe schiefe Töne in schöne Töne zu verwandeln"

Über Jahrzehnte brachte sie Generationen von Musikern das Cellospielen bei. Manch schiefer Ton war dabei, doch für Amann-Gessinger war das keine Last. Sie sah es stets als Herausforderung. "Es ist meine Aufgabe, die schrägen Töne in schöne Töne zu verwandeln." Dabei haben sich die Schüler in all den Jahren ein wenig verändert. Heute kämen sie öfter in den Unterricht ohne viel geübt zu haben, weil wegen der Schule nicht mehr üben möglich gewesen wäre. Dafür seien die Schüler heute im Unterricht gut dabei und man könne wirklich an Stücken arbeiten.

Nach ihrem Abschied genießt die Cello-Lehrerin erstmal die freie Zeit, zum Beispiel am Nachmittag zu Hause zu sein. "Als das Wetter so schön war, habe ich jeden Tag Spaziergänge gemacht", beschreibt sie den Beginn ihrer Altersteilzeit. Jetzt hat sie auch Zeit mehr selbst zu üben, denn den Streicherbogen will sie noch lange nicht aus der Hand legen. Und Reisen stehen auf dem Programm, zum Beispiel ein Besuch bei ihrer Nichte in Kolumbien. "Auch außerhalb der Ferien", erzählt sie. Denn das war ja in den letzten 40 Jahren kaum möglich.

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