Neues Quartett mit internationaler Besetzung

Das Ensemble Fioretti um die Geigerin Hanlin Liang feierte am Sonntag Premiere in der Dagersheimer Christus König Kirche

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    Der Name ist neu, als Ensemble sind Flötistin Alicja Ratusinska und die Streicherinnen Hanlin Liang, Barbara Wojciechowska-Voss und Shih-Yu Yu-Holz (v.l.) öfter zu Gast im Kreis Foto: SRC/Archiv

Artikel vom 04. Februar 2019 - 17:12

Von Jan Renz

DAGERSHEIM. Es war eine gelungene Premiere. Am Sonntagabend stellte sich zum ersten Mal das neugegründete Ensemble Fioretti in der Dagersheimer Christus König Kirche vor. Im Laufe des 90-minütigen Konzertes erfuhr man, woher das Ensemble seinen Namen hat: von einem Werk des modernen Komponisten Richard Rudolf Klein. Er hat fünf Blumen vertont für Flöte und Streichtrio und dem Werk den Namen "Fioretti" gegeben. "Fioretti" heißt "Blümchen". Übrigens passte dieser Name zur Kirche - sie steht in der Geranienstraße.

Für diese Premiere hatten sich die Vier eher unbekannte, aber wohlklingende Werke ausgesucht, so dass sich ein abwechslungsreicher, farbiger Abend ergab. Die Kirche war gut besucht. Die Geigerin Hanlin Liang ist dort ein bekanntes Gesicht. Sie musiziert im Jade Quartett, das schon oft in Dagersheim zu Gast war.

Vier Starke Solistinnen treten in einen Dialog

Um sie hat sich nun ein internationales Quartett gebildet, mit der dominierenden Querflöte von Alicja Ratusinska. Barbara Wojciechowska-Voss, die man von den Waldenbucher Konzerten kennt, spielte Bratsche. Am Violoncello musizierte Shih-Yu Yu-Holz. Es sind vier starke Solistinnen, die an diesem Abend in einen Dialog traten und beherzt musizierten.

Sie begannen gleich mit dem schönsten Werk, dem Flötenquartett D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart KV 285. Im September 1777 ist Mozart für fünf Monate in Mannheim. Hier verliebt er sich in die Sängerin Aloysia Weber, die Schwester seiner späteren Frau Constanze. In dieser Hochstimmung komponiert er drei Flötenquartette. Das in D-Dur ist als einziges datiert: Auf dem Autograph steht 25. Dezember 1777. Die vier Musikerinnen lieferten eine ansprechende Deutung: eine Verbindung aus Behutsamkeit und Lebendigkeit. Eine strahlende Flöte tat sich hervor. Alle vier musizierten kultiviert.

Es folgte ein Werk, das stilistisch gar nicht so weit entfernt war: das Flötenquartett von Giordani Tommaso (1730-1806) in D-Dur. Der Komponist knüpft an Johann Christian Bach an, den Mozart überaus schätzte. Der ausgedehnte erste Satz wurde sehr munter und lebhaft wiedergegeben. Es ist charmante Musik, mit schönen Details. Das galt auch für den intensiven zweiten Satz.

Die vier Damen wagten sich auch ins 20. Jahrhundert. Von Richard Rudolf Klein (1921-2011) spielten sie die namensgebenden "Fioretti - fünf Blumen-Medaillons". Es sind reizvolle Miniaturen für Flöte und Streichertrio. Sie sind deutlich moderner als die übrigen Stücke, bestechen aber durch ihre blumige Phantasie. Im eröffnenden "Blümchen" ("Kaiserkrone") dominierte die eindringliche Flöte. Im dritten Stück ("Christrose") durfte sie förmlich aufblühen und jubilieren. Im vierten Stück ("Chrysantheme") standen drei intensive Streicher einer strahlenden Flöte gegenüber, die eine weite Linie schuf. Richtig ausgelassen klang sie im "Goldregen", dem wohl extrovertiertesten Stück des Zyklus.

Fraciscek Lessel (1780-1838) war ein weiterer wenig bekannter Musikername. Sein Vater war selber ein Komponist. Der Sohn begann 1797 in Wien ein Medizinstudium, doch die Leidenschaft zur Musik war stärker. Er wurde Schüler von Joseph Haydn. Sein Flötenquartett G-Dur op. 3 besitzt einen ganz eigenen Klang, es beginnt originell und arbeitet mit schönen Themen. Eines ist besonders entspannt und heiter: das des Finales. Erfindungsreich wird es variiert. Die vier Musikerinnen engagierten sich hier sehr. Dieser Komponist ist wirklich eine Entdeckung. Das Ensemble Fioretti wurde am Ende mit großem Applaus bedacht und bedankte sich mit der Wiederholung des Blumen-Medaillons "Goldregen".

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