Gurke und Eimer: Weihnachtsbräuche im Kreis Böblingen

Umfrage: Die Szene-Redaktion hat auf dem Böblinger Weihnachtsmarkt Passanten nach ihren Weihnachtsbräuchen gefragt

Artikel vom 12. Dezember 2018 - 16:42

BÖBLINGEN. Ein gemütlich knisterndes Kaminfeuer, ein in der Dunkelheit leuchtender Weihnachtsbaum, glitzernde Dekoration und der Duft frisch gebackener Plätzchen gehören für Einige zu Weihnachten wie das Rentier an den Schlitten.

Die Wochen vor Weihnachten sind bei vielen Menschen von Ritualen und Traditionen durchzogen wie keine andere Jahreszeit. Von feierlicher Geruhsamkeit bis hin zu ausgefallenen Kuriositäten - Weihnachtsbräuche haben für jeden Geschmack etwas parat. Während in großen Teilen Deutschlands eine entspannte Stimmung mit Adventskranz, Weihnachtsplätzchen und Christkind vorherrscht, sorgt das südliche Bayern mit der Figur des "Krampus" für ein weihnachtliches Schaudern. Denn der "Krampus" begleitet den Nikolaus und bestraft alle unartigen Kinder.

Von ausgefallenen Weihnachtstraditionen bis hin zu den üblicheren Ritualen: Die Szene-Redaktion war auf dem Böblinger Weihnachtsmarkt unterwegs und hat die Besucher nach ihren ganz persönlichen Weihnachtsbräuchen gefragt. Bei nasser Kälte schlenderten die einen oder anderen bereits kurz nach Eröffnung des Weihnachtsmarktes von Bude zu Bude, während "Jingle Bells" und "Winter Wonderland" aus den Lautsprechern tönte.

Auch Gisca Wolf aus Böblingen ist auf dem Weg zu einer der vielen Buden, die Schlemmereien anbieten, als sie für die Fragen der Redaktion in ihren Schritten innehält. "Die Geschenke gibt es bei mir immer vor dem Essen", antwortet sie auf die Frage nach ihren Weihnachtstraditionen. Sie erinnere sich noch gut daran, wie schlimm es war als Kind das ganze Essen durchzustehen, weil die Vorfreude auf die Geschenke so groß war.

Auch Filme mit Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga sind jedes Jahr ein Weihnachtsklassiker: "Ich kann zwar schon alles auswendig, aber ich schaue mir die Filme trotzdem immer wieder an." Eine weitere Tradition, die bei vielen Menschen um diese Jahreszeit Einzug hält, ist jedoch weniger erfreulich: Der sagenumwobene Weihnachtsstress und Feiertagsfrust. Aber Gisca Wolf sieht es trotzdem positiv: "Ich beschwere mich zwar über den Weihnachtsstress, aber dann freue ich mich doch jedes Jahr wieder."

Alica und Verena Schweigert aus Holzgerlingen sind sich einig, was ihre Lieblingstradition für Weihnachten angeht: "Backen mit Oma!" Früher gab es bei den beiden sogar ein Lebkuchenhaus mit Hänsel und Gretel. Seit die Oma jedoch in die Jahre kommt, backen sie nicht mehr so anspruchsvolle Knabbereien. Doch das Bild, das die beiden zeichnen, ist trotzdem die klassische Weihnachtsszene: eine Weihnachtsbäckerei in der gemütlichen Küche von Oma - im Hintergrund gibt der Violonist André Rieu seine Weihnachtslieder zum besten. Auch Rolf Zuckowskis Kinderlieder graben Alica und Verena dann wieder aus der Schublade. Wer kennt das nicht? Ein kräftiger Schuss Nostalgie ist an Weihnachten nie verkehrt.

Am Weihnachtsbaum der Geschwister lässt sich auch etwas finden, das noch nicht überall in Deutschland bekannt ist: Eine Weihnachtsgurke. Dieses dunkelgrüne Ornament in Gurkenform wird an den Tannenbaum gehängt - oder besser: versteckt. "Wer die Gurke bei uns zuerst findet, darf sich etwas wünschen, das dann hoffentlich im nächsten Jahr in Erfüllung geht."

Alles andere als vergurkt ist dann auch ihre nächste Tradition: Glühweingrillen. Warum sollte man eigentlich nur im Sommer grillen? Das haben sich die Geschwister auch gefragt und haben die sommerliche Aktivität mit Glühwein in die kalte Jahreszeit verlegt.

Christine Schreiber aus Böblingen erinnert dagegen an eine Tradition, die sich die meisten Menschen gar nicht mehr vorstellen können: Während bei den einen die Weihnachtszeit ohne Lebkuchen, Spekulatius, Braten oder einer Weihnachtsgans undenkbar ist, ist für die Böblingerin, die aus Schlesien stammt, die Adventszeit vor allem eines: Fastenzeit. Am Heiligabend steht daher keine festliche Gans auf dem Menü, sondern Karpfen oder Kartoffelsuppe. "Den Karpfen habe ich allerdings mittlerweile gegen einen Lachs ausgetauscht."

Aber was machen eigentlich Menschen, die Weihnachten gar nicht mögen oder dem ganzen Trubel am liebsten aus dem Weg gehen wollen? Anita Böhm und Heinz Schill machen an Heiligabend nichts mehr Besonderes, seit die Kinder aus dem Haus sind. "Wir essen gemütlich und das war's", erklären sie. Auf einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt reicht es aber ab und zu dann doch noch.

Urlaub im Warmen?

Mit dicken Wintermänteln, Mützen und Handschuhen bewaffnet, flanieren die Besucher in immer größerer Zahl über den Weihnachtsmarkt. Dem einen oder anderen geht dabei wahrscheinlich der Wunsch durch den Kopf, Urlaub in einem warmen Land zu buchen, um der Kälte zu entfliehen.

Doch Helga Nackmeier aus Böblingen findet, dass die Weihnachtszeit ein ganz besonderes Flair besitzt: Sie erzählt von ihrer Enkelin, die ihre Schulzeit mit einer Reise nach Asien abschloss. Dort hatte sie Weihnachten am Strand verbracht und im Bikini dann doch die "Weihnachtsguatsle" vermisst. "Früher gab es Kartoffelsalat mit Bratwurst, das mochte ich aber überhaupt nicht", fügt Helga Nackmeier hinzu.

Eine Weihnachtsgurke kennt sie zwar nicht, dafür gab es bei ihnen aber Zeppelin- und Eiszapfen-Schmuck am Weihnachtsbaum. "Da haben wir dann Ratespiele gespielt." Mit "ich sehe was am Weihnachtsbaum, was du nicht siehst", wurden einige Abende gefüllt.

Von echten Kerzen am Weihnachtsbaum ist sie ebenfalls begeistert. Für viele stellen offene Kerzen jedoch das weihnachtliche Schreckgespenst dar: da gehört der obligatorische Wassereimer genauso zum Fest wie die Kerzen selbst.

Kerzen sind auch im Haushalt von Michaela Stangl aus Herrenberg ein emotional aufgeladenes Thema. Als sie die weihnachtliche Dekoration einmal mit schwarzen Glitzerkerzen aufpeppte, erntete sie entsetzte Gesichter. Im nächsten Jahr waren die Kerzen dann wieder rot. Was Weihnachtstraditionen angeht, gilt eben immer noch: Jedem das seine.

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