Der Vorhang in Ehningen hebt sich wieder

Nach über einem Jahr Pause sind im Theaterkeller wieder Schauspieler zu Gange - Am 15. März feiert "Der grüne Kakadu" Premiere

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    Noch ist das Textbuch in Reichweite, doch das wird sich bald ändern. In knapp drei Monaten ist schließlich schon Premiere Fotos: Thomas Bischof

Nachdem 2017 der letzte Vorhang im Theaterkeller Ehningen gefallen war, hebt er sich erneut. Drei Mitglieder der alten Truppe haben den Verein Kultur- und Theaterkeller e.V. (Ekuthek) gegründet. Sie setzen auf eine bunte Mischung aus Kleinkunst, Konzerten und Theater. Die Kartenanfragen steigen erfreulicherweise.

Artikel vom 08. Dezember 2018

Von Anne Abelein

EHNINGEN. 33 Jahre bestand das alte Ensemble, dann kam ein Generationenwechsel, und etwas Neues musste her. Rainer Pohl von Elbwehr, seine Tochter Verena und Carsten Beneke sind noch von der alten Besatzung und haben ein neues Vereinskonzept erdacht. Inzwischen sind sie in dem neu gegründeten Ensemble zu zehnt. "Es ist eine Mischung aus Alt und Jung. Anfänger sind genauso dabei wie erfahrene Laienschauspieler", meint Pohl von Elbwehr. Erste stattgefundene Kabarettauftritte haben neue Besucher und Akteure angelockt: "Der Andrang ist wirklich erstaunlich", so Pohl von Elbwehr. Dabei unterstützt sie Gerhard Gamp von den "Kultourmachern" des Alten Amtsgerichts in Böblingen.

Weg vom Boulevard-Theater hin zu ernsteren Themen

Ursprünglich wollte die Theatergruppe im Sommer mit einem Workshop mit Hildegard Plattner starten. Aber als sich der Plan zerschlug, sprang kurzfristig die Theaterpädagogin und Schauspielerin der Herrenberger Bühne Lisa Iffert ein. Sie übernimmt nun auch die Regie des "Grünen Kakadus". Wie sind sie auf das Arthur-Schnitzler-Stück verfallen? Das neue Ensemble strebt einen Genre-Wechsel an und möchte weg vom Boulevard-Theater hin zu ernsteren Themen, aber gleichzeitig die Komödien nicht ganz aufgeben.

"Wir haben ein Stück mit einer inhaltlichen Tiefe gesucht, bei dem die Sprache nicht zu schwer ist", sagt Pohl von Elbwehr. "Da alles ganz neu ist, wollten wir uns alle wiederfinden." Schnitzlers Einakter bietet eine solche Vielfalt. Es geht um Sein und Schein vor historischem Hintergrund mit Dopplungen und Verwirrspielen, und es entspinnt sich auch ein Spiel im Spiel.

Schauplatz ist die Spelunke des gescheiterten Theaterdirektors und Wirts Prospere am 14. Juli 1789, als mit dem Sturm auf die Bastille die französische Revolution auflodert. Prospere hat seine Schenke ähnlich einem Themenrestaurant als eine Verbrecherherberge eingerichtet und spielt den adligen Herrschaften allabendlich authentisches Unterwelt-Flair vor.

Die gut betuchten Zuschauer hinken den sich überstürzenden Ereignissen des Tages ziemlich hinterher, woraus das Stück einen Teil seiner Komik bezieht: "Sie merken gar nicht, dass die Wirklichkeit schon stattgefunden hat. Es ist eine Art Tanz auf dem Vulkan", sagt Pohl von Elbwehr.

Mit Lisa Iffert hat das Ensemble die perfekte Regisseurin gefunden

Die Rollen sind doppelt besetzt, und die Schauspieler verkörpern einmal die Adligen und einmal das gemeine Volk. Für die Bühne hat das Ensemble eine liebevoll gestaltete, hölzerne Ausstattung geschaffen - mit Fass-Attrappe und verkleidetem Tresen. Nur das Bild des französischen Königs fehlt noch. Auch der Zuschauerraum ist in das Bühnenbild miteinbezogen - die Zuschauer sitzen an Wirtshaustischen.

Mit der erfahrenen Schauspielerin Lisa Iffert hat das Ensemble die perfekte Regisseurin gefunden: "Da haben wir uns gleich wohlgefühlt, und bisher hat sie noch gar nicht mit uns geschimpft", so die Schauspieler. Seit 2011 hat die Theaterpädagogin Lisa Iffert immer wieder Projekte am Stuttgarter Theaterhaus geleitet und ist dort seit 2015 fest am Haus. Sie hat sehr präzise Vorstellungen, ist aber auch offen für viele Einflüsse. "Am Wichtigsten ist es für mich, am Individuum zu arbeiten", sagt Iffert.

Sie hat dann auch eine Reihe verborgene Talente bei den Akteuren entdeckt - zum Beispiel musikalische. So tritt Carsten Beneke, ihr ehemaliger Schauspielkollege im Ensemble der Herrenberger Bühne, mit einer Geige an. Tanz wird es ebenfalls in der Schenke geben.

Nun gilt es, den gelernten Text auf der Bühne auch effektvoll umzusetzen, wobei noch das Textbuch in Reichweite liegt. Gerade proben die Schauspieler die Szenen 12, 13 und 14 - den Höhepunkt des Stücks. Wer steht wo, wer spricht zu wem, mit welchen Gesten unterstreichen die Akteure ihre Reden? Das alles will wohl bedacht sein, sonst landet der Geigenbogen versehentlich im Lautsprecher, und das Hauptgeschehen geht im Gewühl unter.

Wie ruft eine Wirtin am Tresen am besten zu revolutionären Umtrieben auf? Indem sie das Geschirrhandtuch schwenkt, wie ein Lasso kreisen lässt oder es auf den Tisch haut? Sie probiert alle Varianten aus. Und da ist plötzlich der Moment: "Das ist es", ruft Iffert. Schritt für Schritt fügt sich das Spiel zusammen.

    Programmübersicht Kleinkunst im EkuTheK für 2019
    Freitag, 10. Mai 2019MEZZANIN Die Ehninger Lokalband eröffnet die Kleinkunstsaison im EkuTheK. Beginn: 19 Uhr, Kelleröffnung: 18 Uhr;Eintritt: 7 Euro.
 
    Mittwoch, 29. Mai 2019WOLFGANG SELJÉ , mit seinem neuen Programm "Nemm dr was raus"Eine kabarettistische und musikalische Wundertüte. Für jeden etwas.Beginn: 20 Uhr, Kelleröffnung: 19 Uhr;Eintritt: 13 Euro.
 
    Freitag, 05. Juli 2019MARTIN HERRMANN mit seinem neuen Programm "Mein Lieblingsstatus wäre Witwer, aber dazu müßte ich erst heiraten" Beginn: 20 Uhr, Kelleröffnung: 19 Uhr;Eintritt: 18 Euro.
 
    Samstag, 20. Juli 2019DE NORTE A SURDie Gewinner des Deutschen Rock- und Pop-Preises 2011 im Bereich "Latin-Pop". Beginn: 20 Uhr, Kelleröffnung 19 Uhr;Eintritt: 12 Euro.
    Sonntag, 29. September 2019UNITED JAZZLINESDer musikalische Weißwurst-Frühschoppen für Freunde des Jazz.Beginn: 11 Uhr, Kelleröffnung 10.30 Uhr;Eintritt: 8 Euro.
  Vorverkauf: Karten können online reserviert werden unter tickets@ekuthek.com, per Telefon unter (01 77) 8 78 08 98 oder direkt im Theaterkeller in der Fronäcker Straße erworben werden - und zwar am heutigen Samstag, 8. Dezember, von 14 bis 16 Uhr sowie am Dienstag, 11. Dezember, von 18 bis 19.30 Uhr.Aufführungstermine 2019: Zu sehen ist das Stück am 15. bis 17., 22. und 24. sowie 29. bis 31. März. Außerdem am 7. und 12. bis 14. April.

 

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