Anzeige

Mit kindlicher Freude am Ausprobieren

Werkschau mit Arbeiten von Christine Bender im Rathaus Aidlingen - Vielfalt im Ausdruck und Feingefühl prägen ihren Stil

Artikel vom 18. Oktober 2018 - 15:42

Von Eddie Langner

AIDLINGEN. Wer derzeit das Aidlinger Rathaus besucht und dort einen Blick auf die Wände wirft, der dürfte denken, er habe eine Gruppenausstellung vor sich: Im Erdgeschoss tanzt eine teils nur skizzenhaft gestaltete Frauenfigur in leuchtend-orangenfarbenem Kleid über eine blaue Leinwand, ein paar Stufen weiter oben mischen sich abstrakte Formen mit Farbspritzern auf uneben anmutender Oberflächenstruktur und noch ein bisschen weiter oben scheint die Oktobersonne auf rosaglänzende Plastiken von ein paar süßen kleinen Schweinchen.

Wer sich weiter umschaut, entdeckt an einer der Wände die Biografie samt Ausstellungsdaten einer gewissen Christine Bender. Tatsächlich entstammen alle hier präsentierten Arbeiten dem kreativen Schaffen dieser einen Stuttgarter Künstlerin. Warum ihre Arbeiten eine so große handwerkliche und stilistische Vielfalt aufweisen? "Weil ich so bin", antwortet Christine Bender ganz lapidar und mit einem amüsierten Lächeln. Schließlich hatte zuvor schon Aidlingens Bürgermeister Ekkehard Fauth bei seiner Begrüßungsrede im Rahmen der Vernissage Anfang Oktober augenzwinkernd angezweifelt, "ob hier wirklich nur eine Künstlerin ausstellt, oder vielleicht doch zwei."

Dass ihre verschiedenartigen Ausdrucksweisen sich nicht einfach in begriffliche Schubladen zwängen lassen, mag auch damit zu tun haben, dass Christine Bender es in ihrem Alltag mit Menschen zu tun hat, denen in Sachen grenzenloser Kreativität wohl niemand das Wasser reichen kann: mit Kindern. Seit 1994 leitet sie ein Atelier im Kinderhaus Etzelstrasse. Sie arbeitet dort mit Kindern im Alter von zwei bis zehn Jahren. "In dieser Zeit konnte ich meine Kenntnisse an verschiedenen Jugendkunstschulen vertiefen", erklärt Bender, die zwischenzeitlich auch die Leitung der Kunstwerkstatt an der Jakobschule, einer Grundschule in Stuttgart, innehat. Zudem bietet sie als Lehrerin für Malerei Kurse bei der Volkshochschule Unteres Remstal, in ihrem Atelier in Stuttgart und an Wochenenden auch in einem weiteren Atelier im Chiemgau im oberbayerischen Obing an.

Wer bei Christine Bender lernt, gewinnt selbst bald ein breites künstlerisches Spektrum. Sie arbeitet auf Leinwand und Papier und wendet dabei unterschiedliche Techniken an: Acryl, Mischtechnik, Collagen, Drucke und Aquarell. Auch Plastiken stellt sie her. In ihrer Arbeit lasse sie sich gerne aus unterschiedlichsten Richtungen beeinflussen: "Wenn ich mal in ein kreatives Loch falle, gehe ich zu Ausstellungen und atme dort andere Kunst", formuliert sie.

Dass die Stuttgarterin auf Einladung des Vereins Kunst und Kultur in Aidlingen jetzt im Rathaus der Heckengäugemeinde ausstellt, geht laut Vereinschefin Erika Hambel auf persönliche Beziehungen zurück. Christine Bender ist nämlich befreundet mit Christiane Hasselmeier. Die Musikerin und Komponistin hat bis vor einigen Jahren in Dachtel in ihrem "Flügelraum" Kulturveranstaltungen in den eigenen vier Wänden angeboten. Hasselmeier vermittelte für Bender den Kontakt zu Erika Hambel.

Persönliche Bindungen in den Kreis

Eine weitere persönliche Bekanntschaft verbindet die Künstlerin mit Corinna Steimel. Die heutige Leiterin von Böblingens Städtischer Galerie hatte sich mit Benders Arbeit schon vor rund sieben Jahren auseinandergesetzt. Steimel, die damals noch bei der Galerie Schlichtenmaier tätig war, hielt die Einführungsrede für Benders Ausstellung in den Räumen der Südwestbank in Karlsruhe. "Als ich damals fertig war, hatte sie Tränen in den Augen", erzählt Steimel, die zunächst befürchtete, in ihrer Ansprache etwas Falsches gesagt zu haben. "Nein, nein, das ist nur, weil Sie mich so gut getroffen haben", habe Christine Bender ihr daraufhin gesagt.

Gut getroffen hat Steimel die Künstlerin auch in ihrer Einführung bei der Vernissage in Aidlingen, wo sie zwei Eigenschaften besonders hervorhob: Benders Experimentierfreude und die Feinfühligkeit ihrer Bildsprache. Die Galerieleiterin arbeitete unterschiedlichste künstlerische Einflüsse heraus - allen voran das Informel, jene europäische Kunstströmung der 1950er und 1960er Jahre, die sich klassischen Prinzipien von Form und Geometrie entzog. Steimel sagte es in Rede so: Christine Bender schwanke in ihrer Bildfindung "durchgängig zwischen Formwerdung und Formauflösung".

Die Werkschau mit rund 80 Arbeiten aus Christine Benders jahrzehntelangem Schaffen kann noch bis 18. Januar zu den Öffnungszeiten des Aidlinger Rathauses besichtigt werden.
Verwandte Artikel