Musiknacht: Sindelfingen feiert Rocktober

Zweite Musiknacht: Bands, Bier und gute Laune zwischen Wettbachplatz und Wasserturm - Live-Musik in 19 Locations

Artikel vom 10. Oktober 2018 - 19:18

SINDELFINGEN. 19 Locations nahmen am vergangenen Samstag an der zweiten Sindelfinger Musiknacht teil. Zählt man den Wettbachplatz noch dazu, wo um 19 Uhr die offizielle Eröffnung mit einem kleinem Festakt stattfand und die Cover-Band Inteam - die später im Altstadtlokal Funzel für Stimmung sorgte - die ersten Songs des Kneipenfestivals anstimmte, waren es sogar runde 20 Orte, an denen sich Feierwillige den Abend mit Live-Musik, Tanzen und auch dem einen oder anderen Bier vertreiben konnten.

Trotz großer Begeisterung bei den Kneipen-, Club- und Restaurantbetreibern, dass dieses Event Leben in die Sindelfinger Innenstadt bringt, ist es gar kein so leichtes Unterfangen, an einem Wochenende, an dem der Cannstatter Wasen mit ähnlichen Vergnügungen lockt, das Party-Volk anzuziehen. Tatsächlich meinten auch die einen oder anderen Gäste und Wirte, es seinen in diesem Jahr weniger Musik-Fans als im Vorjahr.

Frank Ockert vom Mitveranstalter X-Events meinte indes: "Von meinem Gefühl ist es ungefähr gleich viel Publikum wie im letzten Jahr", genau sagen könne er das aber erst in rund einer Woche, wenn alle Ticketverkäufe ausgewertet seien.

Ob es nun wirklich mehr oder weniger Publikum war, ist in der Tat schwer einzuschätzen: Da sich die Party-Gruppen gerne in größeren Pulks von einer Location zur anderen bewegten, konnte dort in der einen Minute relative Leere herrschen, während man wiederum in der nächsten keinen Platz zum Umfallen mehr hatte.

Die Party auf die Straße verlegt

Das war zum Beispiel beim wirklich guten Solo-Gitarristen und Sänger One Plugged in der "Zum Erdinger"-Lounge der Fall: Um kurz nach 23 Uhr gab er noch ein "Privatkonzert" und erfüllte zwei Fans mit dem Puddle-of-Mudd-Cover "She Fucking Hates Me" einen Song-Wunsch, zehn Minuten später füllte eine Gruppe den gesamten Raum aus und sang mit dem Gitarrero.

Einige Clubs waren aber durchgehend voll - zum Teil so voll, dass die Leute die Party auf die Straße verlegen mussten, weil sie gar nicht mehr rein kamen, aber dennoch die Musik genießen wollten.

Die größte feiernde Menschentraube war wieder einmal vor der Traube: 200Bar spielte dort druckvolle eigeninterpretierte Rock- und Punk-Covers von Die Ärzte bis AC/DC und wer nicht innen mittanzte, grölte und schwitzte, genoss den Sound vor der Tür - standesgemäß mit Kopfnicken und "Bölkstoff" - wie zwei begeisterte Motorradjackenträger ihre Biere erhebend bestätigten: "Egal, ob drin oder draußen, mit dem Stoff her, macht's immer Spaß!"

Nicht wenige der Festival-Gänger schienen die Gelegenheit im Übrigen primär zu einer so genannten "Golden Mile", also einer Ein-Bier-pro-Kneipe-Tour zu nutzen und nahmen dabei die Bands als angenehmes Beiwerk. Aber die Mehrheit suchte wohl doch nach der für sie passenden Musik und blieben dann dort. Viele begannen den Zirkel mit den Lokalitäten um den Wettbachplatz, aber man konnte den Kreis auch anders ziehen, wie Elmar und Marta aus Sindelfingen: "Wir waren jetzt im Leuchtturm, da gab es tolle Gitarrenmusik, gehen jetzt über die Lange Straße runter und dann in einer Kurve wieder nach hoch. Mals sehen, was da noch so kommt . . ."

Das 's Café hatte im Übrigen auch auf den richtigen Sound gesetzt und war durchgehend zum Bersten voll: The Booze Bombs brachen aus dem Gros der Cover-Bands aus, hatten also auch eigene Songs im Rockabilly- und 50th-Rock'n'Roll-Gepäck, und rockten den Laden, was das Zeug hielt. Vor der Bühne wurde dazu ekstatisch gestanzt und auch hier zog sich die Party bis auf die Terrasse.

Dragon Fire brannte sich durch die Charts

Zu den nahezu durchweg vollen Locations gehörten außerdem die Aura Lounge, das Lounge Affair, das 1. Sindelfinger Kaffeehaus und - schon traditionell - die Planie. In Letzterer trieb The Pulz mit 60er/70er Covers den Puls der Gäste hoch. Im Kaffeehaus brannte sich - wie schon im letzten Jahr - Dragon Fire durch die Charts der letzten Jahre und hatten die größte tanzende und augenscheinlich jüngste Fangemeinde vor sich. Die Band Diet Dope brachte im hinteren Raum des Lounge Affair Rock, Pop und Soul vom Feinsten auf die Bühne - aus Sicherheitsgründen musste dort bisweilen Einlassstopp ausgesprochen werden.

Mu6 Live hatten in der Aura Lounge viel Spaß und meisterten bereits bekannt Probleme: "Das ist hier wirklich schwierig", erklärten die Musiker der sechsköpfigen Rock-, Pop-, Soul-Cover-Band, "wir haben kaum Platz, vor der Bühne ist der Raum ebenfalls eng und schlauchförmig - das heißt für die Gäste vorne ist es echt laut, während man hinten kaum etwas hört. Und dann ist da noch die Türe zur Terrasse, direkt bei uns, wo permanent jemand rein und raus geht." Nichts, was Mu6 aber hätte bremsen können. Das Sextett hatte immer volles Haus und war nun schon zum zweiten Mal von den Aura-Betreibern gebucht worden.

"Wir haben wohl im letzten Jahr etwas richtig gemacht", meinte man lachend, "und das macht hier auch richtig Spaß, tolle Stimmung und nette Leute." Schade sei eigentlich nur, dass sie für derartige Events eher selten gebucht würden: "Der Band-Pool der Veranstalter ist so groß, dass man nur kaum mal drankommt."

Bei den Wörner Bothers im Irland's Own, die ihre Akustik-Covers nur als Duo spielten, da ein Bruder ausgefallen war, füllte sich der Pub erst nach und nach, war dann jedoch gut besucht. Selbiges galt fürs Wirtshaus zum Erdinger und das ebenfalls Akustik-Covers spielende Duo Michael & Friends - also in dem Fall Michael & Friend, das Kult-Song-Duo Mybug im Leuchtturm und Crema Latina im City Treff.

Mancher Musiker

wirkte etwas verloren

Im Piccolo gab Ralph Balou Widmann an der Gitarre sein Bestes, Double Gum wirkte im Almstadel zwischen den Spielautomaten zugegeben etwas verloren und Renato Pantera y amigos machte das Corners zum Mittelpunkt lateinamerikanischer Tanzdarbietungen mit ausgelassener Partystimmung.

Etwas mehr Zulauf hatte man sich vielleicht im 3 Mohren gewünscht, und "Elvis" Aron Black mit seinen White Shirts hätte sicher auch mehr Publikum verdient gehabt - allerdings verleitete die Fensterfront des Restaurants auch in diesem Jahr wieder viele auf dem Weg davor stehen zu bleiben, um bei "Love Me Tender" oder "Blue Suede Shoes" von draußen mitzufeiern.

Wechselhaft lief es auch bei den DJ-Locations: Dejay F. in der Dream Lounge, DJ Frank im P&P Komödle und DJ Nobbe im Marktstüble. DJ Frank hatte zum Beispiel erstmals um kurz vor Mitternacht volles Haus: "Jetzt sind die meisten doch schon etwas angeheitert und so in Partystimmung, dass sie einfach dort reingehen, wo sie gerade sind, Hauptsache es gibt gute Musik und Bier", erklärte der Mann am Mischpult das, während sein Kollege im Marktstüble berichtete: "Mal ist es voll, mal ist es leer und mal denkst du, es hat gerade ein Bus gehalten und alle sind hier reingerannt . . ."

So oder so, die Musiknacht war wohl wieder ein Erfolg - hoffentlich auch für die Veranstalter, denn das Event bereichert den Veranstaltungskalender der der Stadt doch immens.

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