FOTOGALERIE: Stargast bei Schülerfilm-Premiere

Jugendliche vom Maichinger Gymnasium Unterrieden haben - angeleitet von Profis - im Rahmen eines Medienprojekts einen Kurzfilm gedreht. Hauptdarsteller ist ein junger Syrer. Zur Premiere brachte er einen prominenten Freund mit: Liam Cunningham aus dem Serienhit "Game of Thrones".

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Halbnah-Premiere im Bärenkino
Schüler des Unterrieden-Gymnasiums stellen ihren Kurzfilm "Halbnah" in Böblingen vor. Als Stargast vor Ort: Liam Cunningham ("Game of Thrones").
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Artikel vom 25. Juli 2018 - 21:00

BÖBLINGEN. "Du, geh mal aus dem Bild!" Unsanft schiebt der Kameramann die Vertreter der Lokalpresse beiseite. Schließlich gilt es an diesem Dienstagabend vor dem Böblinger Bärenkino gleich einen besonderen Moment einzufangen: Ein bärtiger Mann in Jeans und schwarzem Hemd geht auf einen jungen Mann zu. Während zahlreiche Kameras und Mikrofone auf die beiden gerichtet sind, fallen sie sich in die Arme. "Wie geht's dir?", fragt der bärtige Mann auf Englisch. "Wenn ich dich sehe, bin ich glücklich", sagt der Junge.

An diesem Zusammentreffen wäre wohl nichts Ungewöhnliches, wenn der Mann mit dem Bart nicht Liam Cunningham hieße. Der 57-jährige Ire spielt in der weltweit erfolgreichsten TV-Serie "Game of Thrones" die Rolle des Ritters Ser Davos Sewaorth.

Mit seiner TV-Rolle hat der Besuch in Böblingen aber nichts zu tun. Stattdessen geht es um seine Freundschaft mit dem eingangs erwähnten jungen Mann. Der 18-Jährige heißt Hussam Al-Heraki. Er stammt aus Syrien und ist dem Schauspieler vor drei Jahren in einem Flüchtlingslager in Jordanien begegnet. Der sozial engagierte Cunningham war damals mit der Hilfsorganisation World Vision unterwegs, um auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam zu machen. Die beiden lernten sich kennen und schlossen Freundschaft.

Vor zwei Jahren sorgte diese Freundschaft schon einmal für großes Medienecho, als Cunningham Hussam in Deutschland besuchte. Zwei Jahre später, am Dienstagabend in Böblingen, sind schon wieder zahlreiche Pressevertreter vor Ort. Anlass ist die festliche Premiere eines Kurzfilms namens "Halbnah", den Schüler des Maichinger Unterrieden Gymnasiums im Rahmen des Medienprojekts "Tatort Bodensee" gedreht haben. Hussam aus Fellbach spielt darin die Hauptrolle. Ein an dem Filmprojekt beteiligter Autor hatte den Syrer für die Rolle vorgeschlagen.

Auch Hussams Mutter Basima und sein Vater Muhammad Al-Heraki sind zur Premiere gekommen. "Sie müssen sehr stolz auf ihn sein", sagt Cunningham zu den Eltern. Das sind sie tatsächlich - zumal Hussams Vater früher als Tontechniker für einen arabischen Fernsehsender tätig war.

Schüler sind die Stars

Draußen vor dem Kino saugt der Medienrummel um Cunningham noch alle Aufmerksamkeit auf sich. Drinnen, im eigens für die Premiere reservierten Kinosaal 2, sind dann aber die Schülerinnen und Schüler des Unterrieden die eigentlichen "Stars". Schließlich sind sie es, die mit ihrem Drehbuch beim Medienwettbewerb "Tatort Bodensee" gesiegt und als Preis eine Filmproduktion gewonnen haben. Unterstützt wurden die Schüler dabei von einigen Profis aus der Theater- und Medienbranche.

Der zu großen Teilen im Sindelfinger Jugendhaus "Süd" gedrehte Film erzählt die Geschichte von einem Missverständnis zwischen zwei Freunden: Der eine, ein deutscher Junge namens Julian (Robin Renz), leiht sein nagelneues Fahrrad seinem Freund Jamil (Hussam) für eine Probefahrt. Als Hussam und das Rad plötzlich verschwinden, haben alle den Flüchtling in Verdacht. Dabei musste der sich um seinen Bruder (Unterrieden-Schüler Ahmed Abou-Taleb) kümmern, der in einen Streit geraten ist und dabei verletzt wurde.

Der in jeder Hinsicht erstaunlich professionelle Film packt in seine vermeintlich banale Geschichte viele wichtige Aspekte rund um die Themen Integration, Vorurteile und Freundschaft.

Der Jugenddrehbuchwettbewerb "Tatort Bodensee" (der Name geht auf das allererste Filmprojekt zurück) ist eine Gemeinschaftsproduktion des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg, der Stiftung Medienkompetenz Forum Südwest und der LFK Baden-Württemberg. Gefördert wird das Projekt von verschieden Partnern - darunter der Südwestrundfunk und die MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Die Projektorganisation ist beim Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) angesiedelt.

Constantin Schnell vom LMZ führt gemeinsam mit der Regisseurin und Gesamtleiterin Sabine Willmann durch den Abend. Vor und nach der Premiere des nur knapp 17 Minuten langen Kurzfilms kommen die Macher vor und unter der Kamera auf die Bühne - allen voran die preisgekrönten Drehbuchautorinnen Rosaly Mäule, Vivian Prey und Nadine Bela. Ihr Lehrer, Wolfgang Braun, hat den dreien in seinem Literaturwahlkurs die Wahl gelassen, statt einer Arbeit ein Drehbuch zu schreiben.

Ihre Entscheidung haben die drei 17-Jährigen nicht bereut. "Wir haben den Film heute Abend zum allerersten Mal gesehen", ist Nadine Bela immer noch ganz begeistert von der Erfahrung, wie die von ihr und ihren Mitschülern geschriebenen Worte auf der Leinwand zum Leben erwacht sind. Sie könne sich jetzt sogar gut vorstellen, das Drehbuchschreiben und Filmemachen später einmal zu ihrem Beruf zu machen.

Genauso geht es Marc Mante, der schon auf einige Jahre Erfahrung beim Filmemachen zurückschauen kann. Der 18-jährige Regisseur des Films hat dieses Jahr sein Abitur gemacht. Jetzt hofft er darauf, einen Studienplatz an der Filmakademie Ludwigsburg oder einer anderen Filmhochschule zu bekommen. Die vier Monate Arbeit, die er in das Projekt gesteckt hat, will er sich jedenfalls als Praktikumszeit anrechnen lassen.

Als von Schauspielern über Tontechniker und Kameraleute bis hin zu Fahrradhändler, Busunternehmer und Catering-Mutter alle Mitwirkenden gewürdigt sind, kommt noch einmal Liam Cunningham zu Wort. "Jetzt, wo ihr das selber gemacht habt, wisst ihr ja wieviel Arbeit in so einem Filmdreh steckt", richtet er sich an die Schüler. "Jeder von euch - egal ob er vor oder hinter der Kamera tätig war - kann sich jetzt Künstler nennen", lobt er.

Lob für Flüchtlingspolitik

Ans Publikum gerichtet spricht er lobende Worte an Deutschland und seine Flüchtlingspolitik aus: "Sie können alle stolz auf sich sein", sagt er mit Blick auf Hussam, der als Flüchtling in dieses Land kam, mit Fleiß und Zielstrebigkeit die deutsche Sprache lernte und jetzt eine Film-DVD mit seinem Gesicht auf dem Cover in den Händen hält.

  Die Böblinger Kinos zeigen den Kurzfilm "Halbnah" am Montag, 30. August, um 20.15 Uhr im Vorprogramm zur wöchentlichen "Sneak"-Premiere. Mehr Infos zu dem Wettbewerb und dem Filmdreh unter http://www.tatort-bodensee.de im Internet.

 

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