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Comic Con: Superhelden-Hauptstadt Stuttgart

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    Colossus trifft Deapool und Spider-Man: Mutantendarsteller Stefan Kapičić (im Film nur als stählerne CGI-Figur zu sehen) ist selbst ein großer Comic-Fan / Foto: Rebecca Haar

Rebecca Haar (Foto unten) ist freie Mitarbeiterin der Kreiszeitung. Hauptberuflich arbeitet sie als Produktmanagerin bei Panini Comics in Stuttgart. Auf der Szene-Seite berichtet die Böblingerin exklusiv von der Comic Con Germany, die am vergangenen Wochenende in der Messe Stuttgart stattfand.

Artikel vom 04. Juli 2018 - 12:42

Zum dritten Mal fand die Comic Con Germany (C-Con) am vergangenen Wochenende in Stuttgart statt. Dass diese Messe ein Event der etwas anderen Art ist, konnte man bereits bei der Anreise bemerken: In den S-Bahnen ging es ungewöhnlich bunt zu, Superhelden und fantastische Gestalten drängten sich in den Wägen. Das Wetter war heiß, doch die Hallen angenehm klimatisiert. Angekündigt waren viele Stars aus Film und TV, allen voran Action-Altstar Chuck Norris, Nikolaj Coster-Waldau aus Game of Thrones und Marina Sirtis aus Star Trek. Aber natürlich ging es auch um Comics: Die gab es an vielen Ständen zu kaufen, Zeichner zeigten ihre Kunst und irgendwie hatte dann doch alles mit der sogenannten Neunten Kunst zu tun - mal mehr, mal weniger.

Superhelden wohin man schaut: Bei Comics sind derzeit die Superhelden dominierend: Superman, Batman, Spider-Man, Deadpool . . . insbesondere Dank der vielen guten Verfilmungen ist das Interesse an den kostümierten Helden größer denn je. Auch die Cosplayer - Fans, die sich wie ihre Comic-Lieblinge verkleiden - sieht man an beiden Tagen viel in Superheldenklamotten herumlaufen. Die gekonnt selbstgefertigten Kostüme machen dabei einen wesentlichen Teil des Flairs der Con aus.

Die Schattenspringerin: Eine ganz besondere Superheldin ist Austistic-Hero-Girl, die erste autistische Superheldin. Erfunden und gezeichnet hat sie Daniela Schreiter. Die Berlinerin ist selbst Autistin und scheut normalerweise die Massen. Doch am Messe-Samstag signiert sie unermüdlich ihre "Schattenspringer"-Comics für ihre Fans. Angereist ist sie bereits am Donnerstag, denn im Vorfeld der Messe war sie von der Stuttgarter Stadtbibliothek, gemeinsam mit der ebenfalls aus Berlin kommenden Zeichnerin Katharina Greve, zu einem Werkstattgespräch eingeladen worden. "Das war so gut besucht, dass dort sogar nachbestuhlt werden musste", zeigt sich die Künstlerin zufrieden.

Das erste Mal: Lena Hallwirth kommt aus Sindelfingen. Für sie war es ihre erste Convention: "Ich war ja erst etwas skeptisch", meint sie, "aber ich wurde positiv überrascht." Eigentlich wollten sie und ihr Freund nur ein paar Stunden bleiben, aber daraus wurde ein ganzer Tag: Erst nach der After-Show-Party am Samstagabend traten sie spät den Heimweg an und nahmen viele neue Eindrücke mit nach Hause: "Die Zeit verflog, weil es so viel zu sehen gab."

So viel zu sehen: Bespielt wurden auch in diesem Jahr wieder zwei Hallen und das lichtdurchflutete Atrium. Im Freien war der Biergarten geöffnet. Die Essensauswahl war groß. Der Duft von Zimt und Zucker lag in der Luft. Wer Lust auf ungarischen Baumkuchen hatte, musste nur diesem verführerischen Duft folgen. In Halle 1 waren Händler und Verlage zu finden und professionelle Cosplay-Gruppen hatten hier ihre Lager aufgeschlagen, direkt neben unzähligen, beeindruckenden Lego-Aufbauten und anderen imposanten Modellen: Von Han Solos Millenniumfalken aus Star Wars bis zum Sternenzerstörer und mittelalterlichen Schlachten war dort alles zu sehen. Und es konnte auch selbst gebaut werden - auf einem riesigen Tisch waren unzählige Legosteine verteilt, die alle Möglichkeiten gaben, sich kreativ auszuleben.

Teure Unterschriften: Wer Fotos mit oder ein Autogramm von den Stars haben wollte, musste Halle 3 aufsuchen und zum Teil kräftig in die Taschen greifen - aber echte Fans akzeptieren, dass so eine Trophäe ihrer Idole bei den Top-Schauspielern bis zu 100 Euro kosten kann. Wenn die Darsteller nicht gerade in ihren Panels im Atrium Frage und Antwort standen, waren sie meistens beim Signieren anzutreffen. Wer ein Foto mit dem Finnen Joonas Suotamo haben wollte, musste bei der Fotosession allerdings weit nach oben schauen. Der Hüne, der in den aktuellen Star Wars-Filmen den Wookiee Chewbacca spielt, ist über zwei Meter groß. Mehr auf Augenhöhe befand sich Nikolaj Coster-Waldau, der in der TV-Serie Game of Thrones (GoT) als Königsmörder Jaime Lannister bekannt ist. Er konnte allerdings nur an einem Tag auf der Messe sein und flog dann mit dem Privatjet zur Abschlussfeier der Dreharbeiten zu finalen GoT-Staffel.

Stones-Fans und Cosplayer: Schon kurz vor Ende des ersten Messetages füllten sich die S-Bahnen wieder und je näher man in Richtung Stuttgart kam, desto durchmischter waren die Fahrgäste. Zu den Cosplayern gesellten sich nämlich nun Fans der Rolling Stones, die auf dem Weg zum Konzert der Kultband im Mercedes-Benz-Stadion waren. Am Tag drauf zeigten sich dann im Übrigen zwischen all den Cosplayern und sonstigen Con-Besuchern auch immer wieder Con-Fans im Stones-Shirt.

Arbeit trifft Vergnügen: Für manche dauert die Con auch länger als das eigentliche Wochenende. "Ich mag ja auch die Auf- und Abbautage", sagt Andrea aus Grafenau. Sie gehört zur Crew und hilft seit Jahren auf unzähligen Science-Fiction- und Fantasy-Conventions mit. Die Comic Con in Stuttgart ist für sie quasi ein Heimspiel und für die begeisterte Comicleserin auch inhaltlich etwas Besonderes. Während sie sich sonst auch um die Schauspielerbetreuung kümmert, ist sie dieses Mal für das Merchandise zuständig. "Wir sind drei alte Hasen im Shop und drei Neulinge", erzählt sie und lobt die gute Zusammenarbeit: "Das war fantastisch." Bunt gemischtes Publikum: Unter den Besuchern waren viele Neulinge, die oft staunend durch die Hallen gingen. Für viele war es die erste Berührung mit dieser Art von Popkultur. Vor allem am Sonntag fanden auch zahlreiche Familien in den Hallen - Eltern, die gemeinsam mit ihren Kindern einen Ausflug in eine andere Welt machen wollten. Bei den Comiczeichnern, die zum Teil in der Zeichnerallee saßen oder direkt bei den Verlagen, bildeten sich teils lange Schlangen - unter anderem bei dem Italiener Matteo Lolli und dem Engländer Declan Shalvey, die beide Marvels beliebten Antihelden Deadpool zeichnen.

Koloss ohne Stahlhaut: Die beiden waren auch bei den Filmfans gefragt, denn der zweite Deadpool-Film zieht seit Wochen Kinogänger in die Lichtspielhäuser. Hier zeigte sich im Übrigen auch schön die Verbindung der Genres, die die Comic Con zu so einer besonderen Veranstaltung machen, denn auch einer der anwesenden Schauspieler verdankt seine Bekanntheit den Deadpool-Filmen: Stefan Kapii. Er verkörpert im Film den stählernen Mutanten Collossus und fühlte sich auf der Con sichtlich wohl. Der begeisterte Comic-Fan nutzte seine Freizeit zwischen den Signierterminen, um selbst durch die Hallen zu gehen.

Deadpool schwätzt Schwäbisch: Am Panini-Stand fiel ihm dabei eine ganz besondere Ausgabe der Deadpool-Comics auf: Der Reutlinger Dodokay - selbsternannter "Schwaben-Synchro-Grasdackel" und Sprecher des Radiohelden Schwäbman - sorgte hier nämlich für eine schwäbische Version und stellte diese auf der Comic-Bühne vor rund 500 Dodokay-Anhängern vor. Zusammen mit Comic-Experte und Moderator Steffen Volkmer, der in Böblingen im Blauen Haus auch den Night-Talk und den "Comics & Bier"-Talk moderiert, blödelte und philosophierte der Schwaben-Comedian über die Kunst des Übersetzens in Dialekt und darüber, wie ihm sein neues schwäbisches Synchro-Kinoprojekt "Die 100 Augen des Dr. Mabuse" gerade schlaflose Nächte bereitet.

What the Chuck: Obwohl die Stimmung auf der Messe insgesamt enorm gut war, gab es doch einen Wermutstropfen: Chuck Norris musste aufgrund eines Sturms, der den Start seines Fliegers unmöglich machte, leider kurzfristig absagen. Ein Risiko, das die Con-Veranstalter stets begleitet, für das die Fans aber nur bedingt Verständnis haben. "Diese Absage hat uns natürlich sehr enttäuscht", gibt Claudia Kern zu, die für den Backstage-Bereich zuständig war, sich um die Schauspieler kümmerte und direkte Ansprechpartnerin des Karate-Stars gewesen wäre.

Auf Wiedersehen im Jahr 2019: Dass es in diesem Jahr "nur" starke 40 000 Besucher auf der Stuttgarter Comic Con waren, hatte wohl mit dem Ferienbeginn in acht Bundesländern, WM und vielleicht auch einer leichten Übersättigung durch die ständig wachsende Zahl konkurrierender Comic-Veranstaltungen zu tun. Doch auch so steht die C-Con noch immer an der Spitze der Comic-Messen in Deutschland und wird auch 2019 wieder ihre Tore Anfang Juli öffnen, das steht bereits fest.

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