"Mama, das war voll peinlich"

Umfrage am Rande der Premiere von "Geht's noch!?": Teenies und ihre Eltern zum Thema Generationenkonflikt

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    Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Artikel vom 03. Mai 2018 - 09:06

BÖBLINGEN (edi). Wie ist das eigentlich für Eltern, wenn ihnen in einem Theaterstück zum Teil von den eigenen Kindern der Spiegel vorgehalten wird? Das passiert derzeit nämlich in der neuen DAT-Inszenierung "Geht's noch!?" (siehe obenstehenden Artikel). Die Szene-Redaktion hat dazu bei der Premiere im Städtischen Feierraum ein paar Stimmen eingefangen.

"Nein, geärgert habe ich mich nicht", sagt Dorothee Hauptfleisch-Rade. Natürlich habe sie sich bei der Teenager-Tirade mit typischen Eltern-Nerv-Sprüchen wiedererkannt. Übel nimmt sie das ihrer Tochter Cosima aber nicht. Im Gegenteil. Als sie am Ende zusammen mit den anderen Jungmimen einen liebevollen Dankesbrief an die Eltern vorliest, musste sich die selbstständige Möbelhändlerin die eine oder andere Träne verdrücken. "Das hat mich wirklich gerührt", gibt sie zu.

Auch die Holzgerlinger Eheleute Anita (38) und Anton Petrovic (40) sind nicht böse auf Tochter Laura, als diese nach dem Stück zu ihnen kommt. Gar so streng geht es im Hause Petrovic offenbar auch nicht zu. "Nur das mit dem Pünktlich-nach-Hause-Kommen oder, dass ich zu bestimmten Zeiten anrufen soll - das stimmt schon", sagt Laura. "Es war auch interessant zu sehen, wie andere Eltern so sind", empfand ihre Mutter den Blick in andere Lebenswelten als sehr reizvoll.

"Mein Sohn und ich stehen uns sehr nahe. Deshalb gibt es zwischen uns eigentlich nur wenig Konfliktstoff", erklärt Natalia Gottfried. Die Böblinger Hebamme mit sibirischen Wurzeln ist die Mutter von Philipp Gottfried. Den strengen Erziehungspart übernimmt laut der 43-Jährigen eher der Papa. "Da gibt es schon mal Streit."

Anette Lörcher aus Ehningen fühlte sich in einigen Szenen des Stücks direkt angesprochen. "Nein heißt nein", zitiert die 51-jährige Informatikerin einen Spruch, den ihr Sohn Benjamin auf der Bühne sagt, "das ist auch bei uns zu Hause ein Thema." Überhaupt sei das Elterndasein heute viel schwieriger geworden - nicht zuletzt wegen Handys und sozialen Medien. Ein anderer Satz aus dem Stück lautet "Komm du erstmal in mein Alter." Wie sehr dieser an der "Zielgruppe" vorbeigeht, sieht man an der Reaktion ihrer Tochter Ann-Cathrin. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich einmal so werde", meint die 17-Jährige auf die Frage, wie sie selbst sich wohl eines Tages als Mutter machen könnte. Schon klar: Pubertät ist nun mal das Alter, in dem die Eltern peinlich werden.

Passend dazu diese witzige Anekdote am Rande: Auf der Bühne beschwert sich Benjamin Lörcher darüber, dass seine Mutter im Kino lauthals Händels Krönungshymnen mitsingt. Wie Anette Lörcher und ihre Tochter bestätigen, ist das wirklich so passiert: Als nämlich beim Kinderkinotag vor einigen Jahren die britische Agentenkomödie "Johnny English" lief, tönten die "Coronation Anthems" tatsächlich aus den Lautsprechern. Und weil Anette Lörcher dieses auch als Champions-League-Hymne bekannte Klassikwerk zuvor schon einmal mit dem Sindelfinger Kammerchor gesungen habe, konnte sie im Kinosaal wohl einfach nicht an sich halten. "Voll peinlich", rollt ihre Tochter beim Gedanken daran mit den Augen. "Deshalb durfte ich später auch nicht mehr mit in Fack ju Göhte", erzählt die Mutter mit leisem Lächeln, dass sie seitdem Kinoverbot bei ihren Kindern habe.

Das hat sie davon . . .

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