Hand in Hand und Schlag auf Schlag

Das zweite Lehrerkonzert der Musik- und Kunstschule Böblingen bietet im Sparkassen-Forum eine Vielzahl von Programmpunkten

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    Die Jazz-Combo mit den Landesjazzpreisträgern Tobias Becker und Alexander Bühl sowie Judith Goldbach, Philipp Konowski, Jogi Nestel und Michael Walter (von links) Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 22. März 2018 - 18:18

Von Jutta Rebmann

BÖBLINGEN. Fast bis auf den letzten Platz besetzt war das Forum der Kreissparkasse beim zweiten Konzert der Lehrerinnen und Lehrer der Musik- und Kunstschule Böblingen. 30 der über 50 Musikpädagogen haben am Mittwochabend ein facettenreiches Programm zusammengestellt. "Und es wären noch viel mehr gewesen," betonte Schulleiter Rainer Kropf, "aber mehr war in einem Konzert gar nicht unterzubringen." Die Begrüßung übernahm Prisca Maier-Nieden, Leiterin der Kunstschule und des Fachbereichs Theater, denn der "Chef" war an diesem Abend als Trompeter gefragt.

Am Beginn des Abends stand der 1. Satz aus dem Bläsersextett des französischen Komponisten Francis Poulenc. "Musikalische Prosa wolle er schreiben" - so lautete einer der Kernsätze des gebürtigen Parisers, dessen kammermusikalisches Hauptwerk auch eine Hommage an seine Heimatstadt ist. Das wirbelnde, wuselige, hektische Leben der Großstadt Paris brachten Jennifer Claußen (Horn), Petra Bachmann (Querflöte), Akiko Barthel (Fagott), Anja Breuer (Klavier), Rie Miyauchi (Klarinette) und Martin Boscheinen (Obeo) auf die Bühne des Forums und schufen so einen perfekten Einstand in einen vielseitigen Konzertabend.

Senta Eisenbacher am Klavier und Patrizia Lormes-Schreijäg an der Violine spielten danach den 1. Satz aus Ludwig van Beethovens Frühlingssonate so, als wollten sie den nach den vielen Winterwochen herbeigesehnten Frühling mit musikalischen Schmelz herbeilocken. Das Konzertstück Nr. 1 op. 113 von Felix Mendelssohn Bartholdy ist Teil eines "Deals" zwischen dem Komponisten und seinen Freunden Heinrich Joseph und Carl Baermann. Sie sollten ihn mit Rahmstrudel und Dampfnudeln bekochen, dafür überreichte er ihnen dann ein eigens komponiertes Musikstück. Die hinreißende Komposition mit ihren schnellen Läufen und dem virtuosen Zusammenspiel war ein Paradestück für Senta Eisenbacher am Klavier und Rie Miyauchi sowie Johannes Schuler an den Klarinetten.

Märchenhaft ging es weiter mit drei Episoden aus Maurice Ravels "Ma mère l'oye", erzählt von Prisca Maier-Nieden, am Klavier dargeboten von Yseult Jost und Katrin König. Da wird Dornröschen aus dem Schlaf von ihrem Prinzen ins Leben zurückgeholt, wird das kleine hässliche Mädchen zur Traumfrau und zur Kaiserin eines ganzen Volkes. Schließlich finden sich alle Märchengestalten in einem wunderbaren Feengarten bei Tanz und Spiel wieder.

Das Publikum wurde dann von einem Bläserquintett - Daniel Wolkober und Rainer Kropf an den Trompeten, Jennifer Claußen am Horn, Martin Amberger an der Posaune und Markus Pfundstein an der Tuba - mit "Cinq pour Cinq" des 2017 verstorbenen Komponisten Klaus-Peter Bruchmann in die Welt der sinfonischen Blasmusik katapultiert. Das fünfsätzige Werk ist gespickt mit technischen Schwierigkeiten und virtuosen Läufen.

Nach der Pause brillierte Marco Cremonesi mit dem "Tango en Skai" von Roland Dyens an der Gitarre. Der Komponist, 2016 mit nur 61 Jahren verstorben, galt selber als einer der besten Gitarristen der Welt. Vielfach preisgekrönt, werden seine Werke heute in aller Welt gespielt, eines der bekanntesten dürfte der "Tango en skai" sein, der auch das Böblinger Publikum in seinen Bann zog.

"Milonga" heißt das Werk des Komponisten und Arrangeurs Peter Ludwig, das von Tanja Treffler, der Leiterin der Sparte Tanz an der Kunstschule, tänzerisch umgesetzt wurde. Siegfried H. Pöllmann an der Violine, Ingrid Uhle am Cello und Senta Eisenbacher am Klavier schufen die klangliche Voraussetzung dafür.

Landesjazzpreisträger spielen zum Abschluss

Der von vielen Gästen mit Spannung erwartete "Betonmischer" des Duos Klaus Küting und Jogi Nestel musste wegen Erkrankung von Küting leider ausfallen. Eine Jazz-Combo - im ersten Teil besetzt mit Tobias Becker am Klavier, Alexander Bühl am Saxophon, Michael Walter am Bass, Judith Goldbach am Kontrabass und Philipp Konowski an der E-Gitarre, im zweiten Teil ohne Judith Goldbach, aber mit Jogi Nestel am Schlagzeug, machten das mehr als wett. Zumal der Betonmischer sich wohl beim dritten Lehrerkonzert drehen wird.

Mit Alexander Bühl und Tobias Becker standen zudem der 1. und 2. Preisträger des Landesjazzpreises 2018 auf der Bühne und heizten dem Publikum kurz vor dem Nachhauseweg gehörig ein. Damit ging ein ausgesprochen vielseitiges ambitioniertes Konzert mit Jazzklängen zu Ende. Langanhaltender Beifall für die zahlreichen Interpreten.

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