Jugend überzeugt bei der Böblinger Jazztime

Volles Haus im Württembergsaal der Böblinger Kongresshalle: Skin of Clazz und Convenience Trio zeigen beeindruckende Konzerte

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    Flinke Finger: die Jungs von Skin of Clazz begeisterten das Publikum am Freitagabend - mit von der Partie war der Böblinger Schlagzeuglehrer Klaus Küting (rechts) Fotos: Thomas Bischof

Einen jugendlichen Abend erlebte die Jazztime-Reihe am Freitag in Böblingen. Zwei Schülerensembles begeisterten die Zuhörer im ausverkauften Württembergsaal - wobei die musikalische Qualität an Profi-Niveau heranreichte. Die Percussion- Gruppe Skin of Clazz und das Convenience Trio wussten vollauf zu überzeugen.

Artikel vom 19. März 2018 - 15:18

BÖBLINGEN (red/krü). Auf der Bühne standen und saßen (fast) nur Teenager. Zum "Young Jazz Südgipfel" hatten die Jazztime-Organisatoren Tilman Jäger und Ralf Püpcke eingeladen und präsentierten Lokalmatadoren neben Gästen aus München - blutjunge und meisterhafte Musiker. Auch das Publikum zeigte sich deutlich jünger als sonst. Rund ein Drittel der rund 300 Besucher waren Jugendliche und junge Erwachsene.

Zum Convenience Trio aus München, das den Abend begann, gehört Jakob Jäger, der Sohn des musikalischen Jazztime-Leiters Tilman Jäger. "Er ist so alt wie die Jazztime", bemerkt Ralf Püpcke. Denn Jakob Jäger kam im Oktober 2001 auf Welt, das erste Jazztime-Konzert ging im November 2001 über die Bühne. Mitgebracht hatte er seine beiden Kollegen Maxim Burtsev (Klavier) und Quirin Birzer (Schlagzeug), beide gerade einmal 15 Jahre alt. Das Trio gewann kurz nach seiner Gründung bereits beim bayerischen Landeswettbewerb "Jugend jazzt" den ersten Preis und bei der "Bundesbegegnung Jugend jazzt" im Sommer 2017 als jüngste Teilnehmer einen Bundespreis.

Und tatsächlich: Was die drei Burschen auf die Bühne zauberten, war überraschend und fesselnd zugleich. Zu Beginn erklangen drei Jazz-Stücke hintereinander - rund 20 Minuten, die wie im Flug vergingen. Vor allem Pianist Maxim Burtsev beeindruckte die Zuhörer ungemein. Offensichtlich war er so tief in sein virtuoses Klavierspiel eingetaucht, dass er das Publikum spontan mit "Guten Morgen" begrüßte und so auch gleich für den Lacher des Abends sorgte. Das Trio überzeugte zudem mit zwei Eigenkompositionen von Birzer und Burtsev ("Rainstorm") - beeindruckend, mit welcher Qualität und Reife die drei Schüler spielten. In dieser Hinsicht waren sie übrigens gleich am Samstag erneut gefordert, stand doch ihr Bundespreisträger-Konzert an - es waren besondere Tage für das aufstrebende Trio.

Percussion-Ensemble zum Zappanale-Festival eingeladen

Das Percussion-Sextett Skin of Clazz hat innerhalb kurzer Zeit in Böblingen beinahe Kultstatus erlangt. Fabian Berstecher, Nico Ellinger, Nicolas Baumann, Ingo Schwarzweller und Jonas Stephan, die an der Böblinger Musikschule zusammengefunden haben zünden regelmäßig ein Schlagzeug-Feuerwerk auf zig Instrumenten. Eigentlich gehört noch Michael Schoett dazu, doch er ist derzeit auf Weltreise unterwegs. Für ihn spielte am Freitag ersatzweise Klaus Küting, Schlagzeuglehrer an der Musikschule und Komponist von drei Stücken des Abends.

Bei Skin of Clazz herrschte im Württembergsaal zeitweise Pop-Konzert-Atmosphäre mit Licht-Show und Nebelmaschine. Die Perkussionisten überzeugten mit energiegeladenen Grooves, rhythmischer Virtuosität und großer Spielfreude. Dabei bearbeiteten sie ein extrem vielfältiges Instrumentarium - neben klassischem Schlagzeug, Congas und Timbales erklingen auch Marimba oder Vibraphon. Gewürzt wird das Ganze mit exotischen Instrumenten, zum Beispiel Steel-Pans und Klang-Harfen, aber auch Mülltonnen und Spielzeugpistolen.

Eine überzeugende Body-Percussion- Darbietung gelang ihnen bei "5 Bodies Music" von Franz Bach, bei dem die jungen Schlagzeuger nur auf ihren eigenen Körpern trommelten, auf den Boden trampelten, mit den Fingern schnippten und klatschen oder lauthals "Hugga!" riefen.

Bei zwei Zappa-Kompositionen ("Echidna's Arf" und "Don't you ever wash that Thing?") war Jan Pfingsten als Gast dabei, der am E-Piano einige Soli beisteuerte. Mit diesen Werken wurden Skin of Clazz gemeinsam mit Cellist Fried Dähn zur renommierten Zappanale am 20. Juli dieses Jahres nach Bad Doberan eingeladen.

"Uns hat gefreut, dass die Jugend nicht nur auf der Bühne stand, sondern genauso im Publikum stark vertreten war", sagte Mitorganisator Ralf Püpcke. Auch in Zukunft wolle man gerne junge Formationen zur Jazztime einladen, aber es müsse eben immer passen. "Wir wollen daraus keinen Pflichttermin machen", sagte Püpcke, "aber die Erfahrung zeigt, dass sich das oft organisch. ergibt - für manche junge Musiker ist die Zeit einfach irgendwann reif."

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