Buntes Trio beim Böblinger Kunstverein

Willi Weiner, Gyjho Frank und der junge Nils-Simon Fischer stellen im Alten Amtsgericht aus

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    Illusion Wasser: "Baum auf der Insel" von Willi Weiner in der "Schleuse 16" Fotos: Thomas Bischof

Artikel vom 23. Februar 2018 - 17:30

BÖBLINGEN (red/krü). Bis zum 25. März zeigt der Böblinger Kunstverein im Alten Amtsgericht eine dreiteilige Ausstellung auf zwei Etagen. Den Experimentalraum "Schleuse 16" im Untergeschoss bespielt der Stuttgarter Künstler Willi Weiner, im Kabinett-Bereich im ersten Stockwerk sind Werke von Gyjho Frank zu sehen. Der Kunststudent Nils-Simon Fischer schließlich ist im Projektraum nebenan mit seinen Schriftarbeiten vertreten. Die Ausstellung hat einmal mehr Günter Baumann möglich gemacht und kuratiert. Der stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins und Mitarbeiter der Galerie Schlichtenmaier lockt durch seine hervorragenden Kontakte in die Kunstszene immer wieder sehenswerte Akteure nach Böblingen - gerne auch mit ganz persönlicher Motivation.

"Es war ein lange gehegter Wunsch, das Werk Willi Weiners auszustellen", sagte Baumann zuletzt bei der Vernissage, "und so freue ich mich, dass wir einen wunderbaren Einblick in sein Schaffen präsentieren können." Der Bildhauer überrascht in der "Schleuse 16" zunächst mit Landschaftsplastiken, Berge und Wasser in Stahl, die sich zum Teil um die Pfosten in dem speziellen Raum ranken. "Berge Mythen Seen" nennt sich die Präsentation. Die plastische Darstellung von Wasser ist selbstredend schwierig. Doch Willi Weiner als Bewunderer der Donau, der er ganze Werkgruppen widmete, hat sich dem Element mit den Möglichkeiten des Cortenstahls genähert und setzt passende Farben geschickt ein.

Zudem sind filigrane Zeichnungen von Weiner ausgestellt. Hier hat der Stuttgarter das deftige Opus des römischen Dichters Petronius "Satyricon" zum Thema gemacht. Filmfans kennen die monströs-opulente und absurde Verfilmung von Federico Fellini. Das Original steht ihr kaum nach durch die exzessive Vergegenwärtigung der spätrömischen Dekadenz. Willi Weiner geht es aber vor allem um die sprachlichen Feinheiten, spontane Bildgedanken, freien Assoziationen, kurzum: eine poetische Reflexion.

Gyjho Frank, der seinen ungewöhnlichen Vor- zum Künstlernamen erkoren hat, denkt in seinen Gemälden über Kunst im digitalen Zeitalter nach. In der 31. "Kabinett"-Ausstellung des Kunstvereins verbindet der 63-Jährige technoide Ornamente mit struktureller Malerei. Seine virtuos gemusterten Bilder kommen als kosmische Interventionen daher, deren Sinn sich der Wahrnehmung entzieht. "Gradlinig verlief bei Gyjho nie etwas", erzählte Günter Baumann. Als 17-Jähriger zog es Frank bereits nach Indien, später lebte er auf Mallorca. Eine kunstakademische Laufbahn wäre für ihn nie in Frage gekommen. "Er zog es vor, alles im Alleingang zu machen, mit allen Stolperfallen, die einem so begegnen", berichtete Baumann über den Filderstädter.

Kunststudent aus Düsseldorf bespielt den Projektraum

Im Projektraum, den der Kunstverein ein- bis zweimal im Jahr Kunststudenten zur Verfügung stellen will, gibt es Arbeiten von Nils-Simon Fischer zu sehen. Er studierte bis 2017 an der Stuttgarter Akademie. Im vergangenen Herbst wechselte er nach Düsseldorf. "Was mich gleich fasziniert hat, war sein konzeptioneller Ansatz, den ich so noch nicht umgesetzt sah", beschrieb Baumann, wie er den jungen Künstler bei einer Akademie-Ausstellung kennengelernt hatte.

Als Zeichner überträgt Nils-Simon Fischer Daten seiner Lebensumwelt in Linien um, die seismographischen Ausschlägen auf dem Papier ähneln und häufig in Schrift übergehen, als seien es Randnotizen wichtiger Vorgänge. "Er hebt die Realität der neuen sozialen Medien auf die Ebene der Kunst, um der Gefahr einer Isolation entgegenzutreten", analysierte der Kurator Günter Baumann.

Die drei Ausstellungen von Willi Weiner, Gyjho Frank und Nils-Simon Fischer im Alten Amtsgericht am Böblinger Schlossberg laufen bis zum 25. März und sind mittwochs von 9.30 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Günter Baumann bietet am Mittwoch, 7. März, von 19.45 bis 21 Uhr ein Kunstgespräch vor Ort an. Mehr Informationen unter http://www.kunstvereinbb.de im Internet.

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