Theresa Burnette: Abschiedskonzert bei Schlemmen am See

Erst weinte der Himmel, dann die Sängerin: Theresa Burnette verabschiedete sich bei "Schlemmen am See" von Böblingen

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    Musikgenuss bei "Schlemmen an See": Theresa Burnette (Mitte) mit ihrer "Playground"-Band auf der Bühne am Kongresshallenparkdeck Foto: Thomas Bischof

Auftakt und zugleich Abgang nach Maß: Am Mittwoch gab Theresa Burnette bei der Eröffnung von "Schlemmen am See" ihr Abschiedskonzert. Hunderte Besucher feierten den Auftritt der US-Sängerin auf der "We love Böblingen"-Bühne der KREISZEITUNG auf dem vollbesetzten Parkdeck der Böblinger Kongresshalle.

Artikel vom 20. Juli 2017 - 17:36

Von Eddie Langner

BÖBLINGEN. "Are you with me?", fragte Burnette ihre Zuhörern, ob sie die Sängerin auch kräftig bei ihrem letzten Auftritt in Böblingen begleiten wollen. Und wie sie wollten: Die Leute klatschten, sangen und tanzten begeistert mit. Viele treue Fans und Wegbegleiter waren gekommen, um sich gebührend von "ihrer" Theresa zu verabschieden. Schließlich wird die 56-Jährige schon kommende Woche zurück zu ihrer Familie in die USA ziehen (wir berichteten).

 

Menschenmassen und lange Schlangen: Es war ein schwülheißer Sommerabend. Selbst Südstaaten-Lady Theresa Burnette kam auf der Bühne mächtig ins Schwitzen. Rund um das Parkdeck, das wegen seiner Lage bei "Schlemmen am See" oft weniger stark frequentiert wird, drängten sich die Menschen. Auch bei der Essens- und Getränkeausgabe gab es lange Schlangen - was aber auch an dem zum Teil noch nicht ganz eingespielten Personal lag. Die Servicekräfte am Bierstand kamen aus dem Zapfen nicht mehr heraus, und wer in der Schlange stand, hoffte vielleicht insgeheim, dass der Vorrat nicht so schnell zur Neigung gehen möge.

 

Unbezahlbar: In diesem Fall wäre aber gleich der richtige Mann vor Ort gewesen: Schönbuch-Bräu-Chef Werner Dinkelaker war gekommen, um Theresa Burnette noch einmal live zu erleben. "Diese Frau ist ein absoluter Publikumsmagnet", wunderte er sich kein bisschen über den Ansturm. Dinkelaker hat einen besonderen Bezug zu der Sängerin und dem Blauen Haus mit Sitz auf dem Brauereigelände. Burnette gehört dort praktisch zum Inventar. "Andere Städte würden viel Geld für bezahlen, um ihren Bürgern so etwas bieten zu können", schwärmte Dinkelaker von dem Kulturzentrum, das sich mit seinen Konzertreihen und anderen Veranstaltungen eine treue Stammkundschaft erarbeitet hat.

 

Ein Song für Tanzbär Dieter: Viele dieser Stammkunden waren an diesem Abend vor Ort. "Blaues Haus - where you at?", fragte Burnette in die Runde und bekam zur Antwort ein lautes Johlen aus der zahlenmäßig stark vertretenen "Blaues-Haus-Ecke". Als die Band die ersten Takte von Simply Reds "Something Got Me Started" anspielte, widmete sie den Song einem besonders treuen Gast: dem Schönaicher Dieter Schmidt. "Das ist unser Tanzbär", lächelte Gabriele Branz, beste Freundin von Theresa Burnette und Programmchefin im Blauen Haus. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Schmidt an diesem Abend leider nicht dabei sein - im Geiste hat er aber sicher mitgetanzt.

USA-Connection: Im Publikum waren offensichtlich auch viele Amerikaner. Als Burnette sich direkt an ihre "American friends" wandte, machten sich viele Gäste lautstark bemerkbar. Einer von ihnen war der Texaner Larry Wright aus Grafenau. Wright ist ebenfalls Sänger und steht laut Branz auf einer langen Warteliste von Künstlern, die sie demnächst im Blauen Haus auftreten lassen möchte. Wright war Burnettes Kollege im Food Court der Böblinger Panzerkaserne, wo sie als Gastronomiebereichsleiterin tätig war. "Sie hat dort immer morgens vor der Arbeit für mich gesungen", lächelte er.

 

Singen im Regen: Burnette und ihre Band namens Theresa's Playground spielten Soul-, R&B-, Blues- und Reggae-Klassiker von Marvin Gaye über Otis Redding und M People bis hin zu Bob Marley. Musikalisch und gesanglich bekamen die Zuhörer beste Unterhaltung auf Spitzenniveau geboten. Kein Wunder: Mit Christoph Sauer am Bass, Philipp Konowski an der Gitarre, Schlagzeuger James Simpson, Keyboarder Rainer Scheithauer und Begleitsängerin Esther Stevens stand Burnette eine erstklassige Musikmannschaft zur Seite. Der Auftaktsong "Lovely Day" von Bill Withers gab dann auch das Motto für dieses Abschiedskonzert vor: Es war tatsächlich ein herrlicher Tag beziehungsweise Abend. Zumindest so lange, bis ein Gewitter losbrach und es so heftig auf die Bühne regnete, dass Keyboarder Rainer Scheithauer sein Musikinstrument vorzeitig in Sicherheit bringen musste. Theresa Burnette und einige ihrer Fans ließen sich davon aber nicht abhalten: Die Sängerin machte mit dem Rest der Band trotz Regen eine Weile weiter und spielte noch ein paar Songs.

Tränen zum Abscheid: Das letzte Lied, das Burnette an diesem Abend spielte, war "Hey Joe" von Jimi Hendrix. "I love you all", "Ich liebe euch alle", rief sie ihrem Publikum am Ende zu und versprach, bald wieder zu kommen. Danach versagte ihr die Stimme. "Es war schon traurig", erzählte Gaby Branz von den Momenten nach dem Konzert, "ganz viele Leute haben sich von ihr verabschiedet und viele haben geheult." Gaby Branz durchlebt ebenfalls schwere Tage. "Wir beide sind wie ein altes Ehepaar", sagte sie.

 

Auf Wiedersehen bei der Polarnacht: Branz und Burnette verbindet eine jahrelange enge Freundschaft. Die letzten Tage vor ihrem Abflug am kommenden Mittwoch wird die Amerikanerin zu Hause bei ihrer Freundin wohnen. "Ich hab' ganz viel geheult", gestand Branz. Mittlerweile gehe es ihr aber wieder besser. Zumal Burnette in rund einem halben Jahr wieder für ein paar Tage nach Böblingen zu Besuch kommen werde. "Da singt sie bei der Polarnacht", erklärte Branz. Und auch ein "Playground"-Konzert im Blauen Haus sei angedacht.

 

Megahappy: Nunzio Chiumenti, Schönbuch-Bräu-Geschäftsführer und Mitorganisator von "Schlemmen am See", zog am Tag nach dem Auftakt ein sehr zufriedenes Fazit. "Die Wirte sind megahappy. Der Mittwoch ist mittlerweile unser stärkster Tag", erklärte er. Dass es bei einem solchen Andrang am ersten Abend hier und da beim Service ein bisschen hakt, findet er nachvollziehbar. "Nach einer Weile hat sich das eingespielt", zeigte er sich zuversichtlich. Einziger Wermutstropfen aus seiner Sicht war, dass das Wetter nicht bis ganz zum Ende mitmachte. "Aus diesem Grund mussten wir das Feuerwerk eine halbe Stunde früher starten", erklärte Chiumenti, warum die Bands zum Schluss gegen Raketen und Böller anspielen mussten.

 

  Noch bis Sonntag, 23. Juli, geht "Schlemmen am See" mit 24 Gastronomiebetrieben entlang dem Ufer des Unteren Sees in Böblingen weiter. An allen Tagen finden abends auf drei Bühnen kostenlose Konzerte statt. Mehr unter www. schlemmenamsee.com im Internet.
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