Heiße Eisen in kalten Tagen

Halbjahresprogramm der "Kultourmacher vom Alten Amtsgericht" in Böblingen verspricht spannende Aufritte

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    Ein Türke sieht Schwarz-Rot-Gold: Serhat Dogan

Artikel vom 10. Januar 2017 - 17:30

BÖBLINGEN (edi/red). Erst vor wenigen Wochen hat der Verein "Die Kulturmacher vom Alten Amtsgericht" den Schweizer Alain Frei beim Comedy-Festival in der Kongresshalle mit der Böblinger Mechthild ausgezeichnet. Der Comedian hat seinen Auftritt für ein politisches Statement gegen Fremdenfeindlichkeit genützt.

Jetzt geht es politisch weiter in dem kleinen Theater auf dem Schlossberg. Bereits der nächste Mittwoch, 18. Januar, um 20 Uhr verspricht spannend zu werden, denn an diesem Abend ist der türkische Künstler Serhat Dogan im Alten Amtsgericht zu Gast. Als "Culture-Clash-Comedy" bezeichnet Dogan sein aktuelles Bühnenprogramm namens "Kückück - ein Türke sieht Schwarz-Rot-Gold". Dogan ist vor mittlerweile rund 13 Jahren aus der Türkei nach Deutschland eingereist - und das ohne nennenswerte Kenntnisse der deutschen Sprache. Mittlerweile hat er sich so an seine neue Heimat gewöhnt, dass er sogar im Winter Fahrrad fährt und dabei an roten Ampeln hält. "Serhat Dogan redet in 90 rasanten Minuten über Deutsches und Türkisches, Männer, Frauen und Kuckucksuhren - und tanzt sogar ein wenig", kündigen die "Kultourmacher" an. Ob Dogan mit Blick auf die politischen Zustände in seinem Heimatland auch über das "Culture-Clash"-Thema hinaus etwas zu sagen hat? Die Zuschauer werden es bald erfahren.

Rabenschwarzer Humor, witzige musikalische Improvisationen und ein satirischer Blick auf das Thema "Selbstoptimierung" erwartet die Zuschauer am 25. Januar, wenn das Duo "Ensemble Weltkritik" sein Programm "Höhenflüge in Bodennähe vorstellt.

Politisch geht es am Mittwoch, 8. Februar, weiter. An diesem Abend stellt Arnulf Rating sein Programm "Rating Akut" vor. Anders als der Nachname vielleicht vermuten lässt, geht es allerdings nicht um Ratingagenturen und Finanzkrise, sondern um unsere Abhängigkeit vom Öl. Weil Rating dabei auch vor heißen Eisen nicht zurückschreckt und durchaus kritische Worte zu Flüchtlingskrise und Willkommenskultur findet, können sich Kabarett-Fans auf einen herausfordernden Abend einstellen.

Für Herz, Hirn und Magen

Zur Abwechslung mal was fürs Herz bieten die "Kultourmacher" dann am Dienstag, 14. Februar, also am Valentinstag. Unter dem Motto "Liebe, Lust, Leidenschaft" haben die Veranstalter den Künstler Gérard Krimmel zusammen mit der Gruppe 4Klang eingeladen. Die Gäste erwartet eine Mischung aus Lyrik-, Musik-, Kunst- und Kulinarik-Genuss, wenn der Maler Krimmel mit Rezitator Eberhard Höhn und seinen musikalischen Begleitern musikalisch und literarisch die Liebe zelebriert.

Am 22. Februar gibt es ein Wiedersehen mit Marius Jung. Bei dem Rheinländer ist nicht nur der Humor schwarz. Über den politisch korrekten Umgang mit seiner Hautfarbe macht sich der Comedian und Bestsellerautor mit frechem Charme selbst gerne lustig - zum Beispiel, indem er aufklärt, ob man nun lieber Mohr, Neger, Farbiger oder Schwarzer sagen soll. Seit seinem letzten Auftritt in Böblingen hat er ein Buch geschrieben, das er nun auch als Bühnenprogramm vorstellt. Es heißt: "Singen können die Alle".

Am 1. März laden die "Kultourmacher" dann mal wieder zum Auswärtsspiel ein: Für das traditionelle Fischsuppenessen am Aschermittwoch in der Böblinger Kongresshalle haben sie den Mechthild-Gewinner Martin Herrmann als Gastkünstler verpflichtet. Wer Herrmanns aktuelles Programm "Take off" in voller Länge sehen will, hat dazu am 29. März im Alten Amtsgericht die Gelegenheit.

Zwei Wochen vorher, am 15. März, stellt der Liedermacher Roger Stein sein zweites Soloalbum "Flegeljahre" im Alten Amtsgericht vor. Der Freund und Schützling von Konstantin Wecker zielt laut Ankündigung "mit poetischer Sprache und blitzenden Formulierungen am Hirn vorbei fadengerade ins Herz".

Gleich zweimal in Folge schlüpft am 5. und 6. April der in Böblingen aufgewachsene Michael Heissig wieder in die Rolle von Hildegard Knefs erfundener Zwillingsschwester Irmgard. Heissigs augenzwinkernde Hommage an die große Schauspielerin und Chansonsängerin lockt jedesmal so viele Zuschauer in das kleine Theater, dass ein Auftritt allein gar nicht ausreicht.

Bevor die "Kultorumacher" sich in die Sommerpause verabschieden, wird es am 26. April nochmal politisch, wenn René Sydow in seinem Programm "Warnung vor dem Munde" mit Ministern und Medienmachern abrechnet. Zum Ausklang probieren die Kleinkunstveranstalter mal etwas Neues und laden am 5. Mai zu einem syrisch-arabischen Abend mit Tanzperformance und orientalisch-mediterranem Essen ein.

 

  Ausführliche Infos zum Programm sowie Karten für alle Veranstaltungen unter: http://www.diekultourmacher.de oder über gamp.gerhard@t-online.de auch per Mail.
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