"Happy Songs" kommen an beim Publikum

Glockenhelle Stimme, warmer Sound: Singer-Songwriterin Eva im Blauen Haus in Böblingen - Organisatoren wollen Live-Kultur ausbauen

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    Singer-Songwriterin Eva im Blauen Haus: "In ihren Songs möchte man sich am liebsten einwickeln wie in eine Decke", schwärmen die Konzertveranstalter Foto: Johannes Ehrhardt

Am Samstag war die Singer-Songwriterin Eva im Blauen Haus in Böblingen zu Gast. Das Konzert steht beispielhaft für den ambitionierten Ansatz des Kulturnetzwerks, mit zusätzlichen Veranstaltungen am Samstagabend das Live-Kulturangebot im Kreis auszubauen.

Von Thomas Brenner

Artikel vom 27. Oktober 2013 - 17:54

BÖBLINGEN. Die Sängerin Eva stammt aus New York. Seit einigen Jahren lebt sie in Hamburg. Am Samstagabend lässt sie sich reichlich Zeit, bevor sie mit ihren Mitmusikern Julie und Jerome die Bühne im recht gut besuchten Blauen Haus betritt.

Eva Keretic singt mit einer glockenhell strahlenden, wandlungsfähigen Stimme und bedient dazu das klassische Singer-Songwriter-Instrument: die Stahlsaiten-Westerngitarre. Jerome am Miniatur-Drumset, das er oft zurückhaltend mit den Besen oder den bloßen Händen streichelt und die zweite Gitarristin Julie Schmiedeberg sorgen dafür, dass die eher auf das Wesentliche reduzierte Gitarrenarbeit der Frontfrau zu hübschen, locker daherflockenden Folk-Pop-Songs veredelt werden.

Die Grundierung der Kompositionen Evas ist vorwiegend in freundlich-harmonischen Dur-Tönen gehalten - mehr als einmal kündigt sie den nächsten Song als "Happy Song" an, mit dem Anliegen sich und anderen ein wärmendes musikalisches Lagerfeuer zu entfachen. Programmatisch ist vielleicht ein Song wie "Try to fly", bei dem sie mit stets charmantem Lächeln kleine Alltagsfluchten besingt und dabei von ihren beiden Mitmusikern mit dezenten Chorstimmen eingerahmt wird. Rhythmisch ist man vielfach im Midtempo unterwegs; zwei oder drei Nummern werden mit einem Reggae-Groove unterlegt und sorgen für willkommene Abwechslung.

Haben sich die bekannten Wegbereiter des Singer-Songwriter-Genres sehr oft an gesellschaftlichen Mißständen, mit Umweltzerstörung oder Kriegsgefahr abgearbeitet, bleibt Eva in ihren Songs eher bei sich selbst, thematisiert Befindlichkeiten und Beziehungen oder auch wie im Song "Midst", die sich abzeichnende Midlife-Crisis des Partners. Man kann das als lebensnah und authentisch empfinden - über eine komplette Konzertlänge hinweg gerät es mehr und mehr zu einer mit leicht narzisstischen Spurenelementen versehenen Nabelschau. Dieser Eindruck wird durch die mitunter etwas konfus geratenen Zwischenmoderationen der nahezu perfekt deutsch sprechenden Künstlerin verstärkt. Etwa aufkommende reflexive Stimmungen im Publikum werden von ihr öfter sogleich wieder zerredet.

Sehr positiv fällt die Akustikgitarristin Julie Schmiedeberg auf, die mit einer ganzen Batterie von geschickt eingesetzten Echo-, Hall- und Octavereffekten für interessante Sounds sorgt und mit gekonnten und geschmackvollen Bass- und Sololinien der kleinen Formation zu einem dicht gewobenen, harmonisch klingenden Sound verhilft. Der Soundmann des Blauen Hauses fügt mit einem schön gestaffelten Raumklang seinen Teil zu einem akustisch runden Konzerterlebnis bei.

Beim Publikum kamen Eva & Friends mit zwei rockigeren Songs, sowie einer U2-Hymne als einzigem Coversong offenkundig gut an und am Ende nicht ohne Zugaben von der Bühne.

Risikobereitschaft beiden Programmmachern

Die Programmmacher des "Blauen Hauses" intensivieren mit jetzt zusätzlichen Samstagsveranstaltungen ihr Livekultur-Angebot für Böblingen. Sind dabei die gut eingeführten Soulnights und Jazzsessions mit einer beträchtlichen Fanbasis weiterhin gesetzte Größen, will man sich vom Spektrum gerade mit Acts wie Eva & Friends oder den kürzlich aufgetretenen Artcore stilistisch etwas verbreitern.

Wie Programmchefin Gabriele Branz kommentierte, durchaus mit der Bereitschaft hier und dort bei etwas unbekannteren Talenten etwas ins Risiko zu gehen. Die Ambition, dem Böblinger Publikum auch mal ausgefallenere Liveacts anzubieten, ist deutlich zu spüren.

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