NABU Mötzingen: Der Steinkauz ist auf dem Rückzug

Es gibt nur wenige geeignete Nistplätze für die Vogelart.

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    Der Kauz ist in ganz Mitteleuropa heimisch, in unseren Breiten aber aufgrund der immer rarer werdenden Nistmöglichkeiten immer seltener Foto: hes

Artikel vom 04. Januar 2021 - 17:48

MÖTZINGEN (red/mel). Auch für die Mötzinger Naturfreunde des NABU ist das vergangene Jahr anders gelaufen als zunächst gedacht: Sämtliche Exkursionen und Veranstaltungen sind im Corona-Jahr ins Wasser gefallen. Lediglich die Reinigung der Nistkästen konnten die NABU-Mitglieder im Herbst in drei Gruppen im Wald durchführen - allerdings nur mit gehörigem Abstand.

Ein Zeichen, dass die Tiere die Arbeit des NABU annehmen, zeigt sich in der Vollbesetzung ihrer Angebote: Alle 200 bereitgestellten Nistkästen für Vögel waren belegt. Im Spätsommer bezogen dann Siebenschläfer die Kästen zur Aufzucht ihrer Brut. Und sogar in einige Fledermauskästen bezogen Vögel ihr Quartier. Daran sehe man, wie groß die Wohnungsnot bei den Vögeln sei, schreibt der NABU in einer Pressemitteilung.

Doch trotz aller Bemühungen, sind auch Misserfolge in der Jahres-Bilanz zu verzeichnen: Der Bruterfolg der Steinkauz Population ging zurück, obwohl zusätzliche Steinkauz-Röhren aufgehängt wurden. Rund 80 Röhren betreuen die Mötzinger Naturfreunde mittlerweile. Allerdings sei es schwierig, geeignete Standorte für neue Röhren zu finden, vermeldet Ralf Willers, Zweiter Vorsitzender des Naturschutzbundes in Mötzingen. Denn die Röhren können nicht einfach überall platziert werden: Da muss die Umgebung stimmen und die jeweiligen Bäume ebenfalls. Und noch eine weitere Hürde fällt an: Die Bäume stehen zumeist auf Wiesen, deren Besitzer zuerst einmal ausfindig gemacht werden und in der Folge zustimmen müssen, dass ihre Bäume mit den Röhren ausgestattet werden. Dies sei für den NABU nicht immer ein leichtes Unterfangen, geht aus der Pressemitteilung hervor. Der Naturschutzbund ruft deshalb Interessierte dazu auf, sich zu melden. Dann könnten die Naturfreunde das Gelände prüfen und gegebenenfalls eine Röhre für die bedrohten Steinkäuze anbringen.

Alle Steinkauz-Röhren im Landkreis wurden erfasst

Ein zusätzliches Projekt soll die Steinkäuze im Kreis schützen: Die Untere Naturschutzbehörde hat das "Artenhilfskonzept Steinkauz Kreis BB" ins Leben gerufen, wofür auch Geld vom Land zur Verfügung gestellt wurde. Im ersten Schritt wurden dabei alle Standorte von vorhandenen Röhren und Steinkauz Bruten im Landkreis erfasst. Daraufhin hat es Anfang des letzten Jahres Begehungen von den Gebieten mit einem Biologen gegeben. Derzeit ruht das Projekt zwar, soll aber in diesem Jahr fortgesetzt werden.

Ein ähnliches Konzept gibt es auch im Landkreis Tübingen. Damit entsteht eine Brücke im südöstlichen Bereich zwischen den Röhren im Landkreis Tübingen und denen des NABU Mötzingen-Gäufelden.

Eine positive Nachricht war für die Naturfreunde das Volksbegehren "Rettet die Bienen" für mehr Artenschutz in Baden-Württemberg. Unter anderem folgte daraus ein Gesetz der Landesregierung für mehr Artenschutz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist. Darin steht festgeschrieben, dass bis 2030 weniger Pestizide ausgebracht werden sollen und die Bio-Landwirtschaft 30 bis 40 Prozent ausmachen soll. Schottergärten, die schon vorher nicht erlaubt gewesen sind, werden ausdrücklich verboten. Außerdem sollen Streuobstwiesen besser geschützt werden.

Wie es in diesem Jahr genau weitergehen soll, können auch die Naturfreunde noch nicht genau sagen: Wird es wieder Exkursionen zu Amphibien, Vögeln und Fledermäusen geben? Wie sieht es mit der Jahrestagung und dem Stammtisch aus? All diese Fragen können die Naturfreunde noch nicht beantworten.

Doch Pläne schmieden die Naturfreunde in jedem Fall: Wenn es die Situation zulässt, stehen im Sommer Orchideen- und eventuell auch Wildkräuter-Wanderungen auf dem Programm.

Vom 8. bis 10. Januar findet zum elften Mal die bundesweite "Stunde der Wintervögel" statt: Der NABU und sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz (LBV) rufen Naturfreunde auf, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und zu melden. Im Mittelpunkt der Aktion stehen vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Der NABU Mötzingen-Gäufelden ist für Interessierte unter der E-Mail Adresse info@nabu-moetzingen.de erreichbar.
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