Auf dem Gelände des Bienenzüchtervereins in Herrenberg entsteht ein Schau- und Lehrgarten

Bienen und andere Insekten in Herrenberg bekommen ein neues Zuhause.

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    Der Mensch ist auf die Bestäubung von Pflanzen durch Bienen angewiesen Foto: red

Artikel vom 29. Juli 2020 - 18:24

HERRENBERG (red). Bienen und andere Insekten in Herrenberg bekommen ein neues Zuhause: Das Vereinsgelände des Bezirksbienenzüchtervereins Herrenberg wird in einen Schau- und Lehrgarten verwandelt. Die Stadt stellt 13 500 Euro für das Vorhaben aus dem Bürgertopf bereit.

Seit Jahren geht die Insektenvielfalt dramatisch zurück. "Wildbienen und andere blütenbesuchende Insekten besetzen eine ökologische Schlüsselrolle", sagt Herbert Czernotzky vom Züchterverein. Zur Bestäubung von Obst-, Gemüse- und vieler anderer Pflanzen ist der Mensch auf die geflügelten Helfer angewiesen. "Wir möchten mit einem neuen Bürgertopf-Projekt vor allem für die Wildbienen wieder mehr Lebensräume schaffen", sagt Czernotzky. Er und sein Partner Peter Schüle wandeln dafür nun ihr Vereinsgelände "An der Alten Steige" in ein Wildbienen-Habitat um. Indem sie zusätzlich den angrenzenden Lehrbienenpfad um Tafeln ergänzen, möchte der Verein auch zur Umgestaltung eigener Gärten anregen.

Auf dem Gelände wachsen derzeit vor allem Hartriegel und Neophyten, also fremdländische Pflanzen. "Wir möchten sie gerne durch einheimische und insektenfreundliche Nutz-, Zier- und Wildpflanzen ersetzen", so die Bienenzüchter und Schönbuch-Naturführer. Etwa durch Beete mit Pflanzen, die besonders gerne von Hummeln oder Nachtfaltern genutzt werden, Ruderalflure mit Hochstauden, Kräuterbeete und eine Böschung mit Trockenrasen.

Außerdem wollen sie das Bienenhotel erneuern und weitere Nisthilfen wie etwa morsche Holzstämme und offene Sandflächen schaffen oder Trockenmauern, die mit Mörtel unversiegelt sind. Auch die Umwandlung des Teichs in ein kleines Amphibienschutzgewässer ist Teil des Vorhabens. Das Amt für Technik, Umwelt und Grün wird die Gärtner mit Rodungsarbeiten unterstützen und das Amt für Forsten steuert morsches Totholz für die Bienen bei. Der Beginn des Umbaus ist auf Oktober angepeilt.

Mehr Blüten für die Bienen

Die Stadt schätzt den erneuerten Bienengarten und -pfad auch als ein "attraktives Angebot für Tagestouristen". Schließlich kann man von dort aus gut den Schönbuchturm, das Naturfreundehaus, den Waldseilgarten und den Streuobsterlebnisweg Gültstein erreichen.

Im Herrenberger Hortusgarten in der Freizeitanlage Längenholz ist die bienenfreundliche Landschaft bereits in Arbeit: "Da Wildbienen viel weniger weit fliegen als Honigbienen, um Proviant für ihre Nachkommen zu sammeln, brauchen wir ein engmaschiges Netz an wildbienenfreundlichen Strukturen", sagen die Initiatoren, und weiter: "Wir wollen die Besucher zur Umgestaltung ihrer eigenen Gärten anregen. Deshalb wird auf neuen Tafeln erklärt, welche Zonen ein naturnaher Garten benötigt, wie man Insekten schützt und wie man Nisthilfen für Wildbienen anlegt.

Schon heute können Kindergarten- und Schulkinder am Schaubienenstand Einblicke in das Leben der Honigbienen gewinnen. Dieses Angebot möchte der Verein nun mit Gästeführungen von Heckengäu- und Schönbuchführern und umweltbildenden Maßnahmen des Naturfreundehauses anreichern. Außerdem können in Zukunft auch Spaziergänger im Garten nach Absprache und zu festen Öffnungszeiten vorbeischauen. Langfristig wollen die Imker so daran mitwirken, dass sich das neue Bienenhabitat mit den Biotopen am Schönbuch und dem Naturschutzgebiet "Grafenberg" vernetzt.

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