Wieder verdirbt der Pfützenkeim den Badespaß

Herrenberg muss das Naturfreibad erneut bis auf Weiteres schließen - wegen erhöhter Bakterienwerte.

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    Erster Bürgermeister Stefan Metzing (l.) und Stadtwerkeleiter Karsten Kühn stehen im Herrenberger Naturfreibad Rede und Antwort Foto: Ann-Cathrin Lörcher

Artikel vom 14. Juli 2020 - 13:40

HERRENBERG (red/acl). Am Dienstagnachmittag um 15.30 Uhr veranstaltet die Stadt Herrenberg kurzentschlossen eine Pressekonferenz. Der Grund: Das Naturfreibad ist erneut geschlossen.

An zwei Messstellen im Freibadbecken wurden erneut erhöhte Werte des Pfützenkeims Pseudomonas aeruginosa festgestellt. Die Wasserprobe, deren Ergebnis jetzt vorliegt, stammt vom 8. Juli. Die letzten Tage hätten gezeigt, dass der Filter - er wurde 2017 komplett ausgetauscht - einwandfrei funktioniert, teilt die Stadt mit. Daher gehen die Stadtwerke davon aus, dass die Wasserwerte zwischenzeitlich wieder im Rahmen der vorgegebenen Parameter liegen und dass das Freibad im Lauf der Woche wieder geöffnet werden kann.

"Wir haben keinerlei Ansatzpunkte für ein grundsätzliches Problem, es handelt sich nur um ein punktuelles Problem", meint der Erste Bürgermeister Stefan Metzing vor Ort. Dennoch muss das Bad eine Zwangspause einlegen - bis ein neuerliches, einwandfreies Probeergebnis vorliegt. Die Stadtwerke haben in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Böblingen deshalb am Dienstag, 14. Juli, ab 13 Uhr das gesamte Naturfreibad geschlossen. "Die Abstimmung mit dem Gesundheitsamt ist bei Störfällen sehr wichtig, es hätte ja auch sein können, dass wir beispielweise nur zwei Bahnen schließen müssen", erklärt der Leiter der Stadtwerke, Karsten Kühn.

Schnelltests gebe es für den Pfützenkeim nicht, daher dauere die Analyse im Labor auch jedes Mal einige Tage, denn es werden nur sichere Ergebnisse preisgegeben. "Das sind Kulturen, die in der Petrischale heranwachsen müssen", erklärt Stefan Metzing.

Stadtwerkeleiter: "Hier ist uns ein Fehler unterlaufen"

"Ursächlich für die erhöhten Werte ist die Beckenreinigung, die zeitgleich mit der Probenentnahme stattgefunden hat", sagt Karsten Kühn. "Das Ergebnis der Proben zeigt, dass sich in den gereinigten Bereichen offensichtlich zum Zeitpunkt der Probenahme mehr Schwebstoffe im Becken befanden und somit die Konzentration an Pseudomonas aeruginosa erhöht war."

Dieser Zeitpunkt der Probennahme könnte sich nun als Lapsus erweisen: In der Regel erfolgt eine Beprobung erst nach der Reinigung des Beckens und nach einer Ruhephase. Über die Ruhephase hinweg sinken die Schwebstoffe auf den Grund des Beckens und werden dann von Beckensaugern aufgenommen. "Hier ist uns ein Fehler unterlaufen. Die Ruhephase wurde nicht eingehalten, dadurch erfolgte keine vollständige Absenkung der Schwebstoffe und auch keine Entnahme", erklärt Kühn.

Erst wenn die Wasserqualität wieder vollkommen in Ordnung sei, werde das Bad wieder geöffnet. "Die Gesundheit der Badegäste steht für uns an oberster Stelle. Wir folgen selbstverständlich der Empfehlung des Gesundheitsamts."

Und was passiert, wenn das Trauerspiel nun immer so weitergeht? "Ich erwarte nicht, dass sich das wiederholen wird", sagt Bürgermeister Metzing. "Wir haben ja kein grundsätzliches Problem." Zwar könnten sich immer wieder an einigen Tagen erhöhte Belastungen mit Keimen ergeben - "aber wir hoffen, dass es bergauf geht". Das Naturfreibad zu einem konventionellen Freibad umzubauen, hielte er für überzogen. "Über eine solche Maßnahme müssten wir erst nachdenken, wenn wir ein generelles Problem hätten." Außerdem wäre die Umrüstung auf ein konventionelles Chlorbad mit erheblichen Kosten verbunden: "Der Umbau würde sicherlich auf einen siebenstelligen Betrag hinauslaufen. Da kann man nicht bloß einen Schalter umlegen", so der Erste Bürgermeister.

Alle Kunden, die ein Zeitfenster gebucht haben, wurden per E-Mail über das vorübergehende Badeverbot informiert und erhielten bereits bezahlte Eintrittsgelder in Form einer Gutschrift zurück.

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