Corona bringt Kreativität der Künstlerin auf Trab

Nach längerer Schaffenspause fertigt die 73-jährige Steinenbronnerin Beatrix Köhnlein jetzt Skulpturen aus Recycling-Material.

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    Madame Corona, wie sie die Steinenbronner Hobbykünstlerin sieht Foto: red

Artikel vom 30. Juni 2020 - 17:30

Von Götz Schultheiß

STEINENBRONN. Vor drei Jahren habe ihre Kreativität dramatisch nachgelassen: "Das war wie bei einem Schriftsteller, der eine Schreibblockade bekommt. Ich habe keine Kunst mehr gemacht, sondern eher Kunstgewerbliches. Dann kam Corona und ich bekam einen neuen Schub." Wie das?

"Ich sah die kleinen Igel-Bälle mit Noppen, die man auch bei Pilates verwendet und dachte, dass der Ball so aussieht wie das Corona-Virus. Dann habe ich daraus Objekte gemacht." In den vergangenen Wochen seien in ihrer Werkstatt elf 16 bis 20 Zentimeter große Corona-Damen entstanden: "Ich hatte die Idee, auch Damen zu kreieren, nach dem Motto: Frau Corona mit Mundschutz, damit sie sich nicht ansteckt. Natürlich ist das nicht flapsig, sondern eher zynisch gemeint." Kinder aus ihrem Umfeld hätten positiv auf diese Objekte reagiert: "Es ist denkbar, dass diese zur Kreativität anregen und fantasiebegabte Kinder etwas Ähnliches nacharbeiten wollen. Die Köpfe bestehen aus halbierten Igelbällen aus dem Fitnessstudio. Durch die Beschäftigung mit den Damen sei bei ihr während der Corona-Krise nie Langeweile aufgekommen: "Sicher, ist es traurig, wenn man seine Freunde nicht treffen kann. Trotzdem saß ich in der Werkstatt, habe an den Figuren gearbeitet und war glücklich."

Dass sie dabei in einer privilegierten Lage war, ist Beatrix Köhnlein bewusst: "Wir leben auf dem Land in einem Haus mit Garten Waldnähe. Wer dagegen mit ein paar Kindern in einer engen Stadtwohnung festsitzt, dreht durch. Wir auf dem Land konnten alles viel besser wegstecken."

Ihr Berufsleben lang war Köhnlein Sekretärin. Ihren Beruf habe sie früh aufgegeben, um kreativ zu sein. "Ich hatte immer einen künstlerischen Drang." Weil sie malen wollte, habe sie einen Kurs an der Volkshochschule besucht "Das hat nicht funktioniert, weil mir das Talent fehlt." Im Februar vor 15 Jahren sei sie mit ihrem Mann am Strand auf Mallorca spazieren gegangen. "Dort lag angeschwemmtes Treibgut, darunter Holz und Glas. Das hat mich dazu inspiriert, eine Skulptur zu bauen. Herausgekommen ist ein Stierkopf. Seither mache ich Objekte."

Ihr Material findet sie bei Spaziergängen mit ihrem Hund auf dem Weg durch den Ort, den Wald und beim Stöbern auf Flohmärkten. "Die Leute werfen vieles weg; ich nehme alles, was normalerweise im Papier- oder Plastikmüll landet. Dann mache ich etwas daraus. Das ist sehr nachhaltig."