30-jährige Frau muss wegen fahrlässiger Tötung eines Motorradfahrers eineinhalb Jahre hinter Gitter

Keine Bewährung für Unfallverursacherin

Artikel vom 07. Februar 2020 - 19:00

Von Bernd S. Winckler

HERRENBERG. Der Unfalltod eines 56-jährigen Herrenberger Motorradfahrers vom Mai 2018 ist jetzt auch am Stuttgarter Landgericht in zweiter Rechts-Instanz gegen die 30-jährige Autofahrerin mit einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung gesühnt worden.

Vergeblich hatte die junge Frau die Berufungs-Strafkammer um eine Strafaussetzung zur Bewährung gebeten. Somit bleibt es bei der Entscheidung des Böblinger Schöffengerichts, das die Frau zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt bleibt - ohne Bewährung.

Fahrlässige Tötung und fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung, so auch der gestern verkündete Tenor der 38. Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts gegen die 30-jährige Autofahrerin. Sie war am frühen Abend des 5. Mai 2018 zusammen mit ihrem Ehemann mit ihrem Fahrzeug von Herrenberg über die Nagolder Straße Richtung Haslach, von dort aus weiter Richtung Sindlingen unterwegs - mit über 1,1 Promille Alkohol im Blut - und in ein ständiges Streitgespräch mit dem Ehemann auf dem Beifahrersitz verwickelt. Kurz nach Haslach verursachte sie ohne Grund eine Vollbremsung, fuhr in den Graben und schleuderte mit rund 70 Stundenkilometer auf die Gegenfahrbahn, auf der sich zu diesem Zeitpunkt der 56-jährige Motorradfahrer, ein Berufsschullehrer aus Herrenberg, auf der Heimfahrt befand.

Eine Entschuldigung blieb aus

Der Mann hatte keine Chance, dem ihm direkt entgegenkommenden schnell schleudernden Fahrzeug zu entkommen. Er überlebte den Crash nicht. In einer Art Appell richtete die Witwe des Mannes am gestrigen Berufungsprozess vor dem Stuttgarter Landgericht gegen die 30-jährige Unfallverursacherin schwere Vorwürfe, weil diese bislang keine Entschuldigung zu der Unfallfahrt vorgebracht hatte. Nicht einmal einen Brief habe die Angeklagte beantwortet, in der die Witwe ihr ein Gespräch zur Aufarbeitung anbot.

Dieser Umstand - keine Entschuldigung, keine Aufarbeitung der Tat, die zudem unter Alkoholeinfluss stattgefunden hatte -, hatte bereits in der ersten Instanz vor dem Böblinger Schöffengericht am 13. März letzten Jahres dazu geführt, dass die verhängte Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde. Auch der Vorsitzende Richter der Stuttgarter Berufungskammer formulierte es jetzt in seinem Urteil so: "Unter den gegebenen Umständen ist keine Bewährung möglich." Man habe hier eine sehr schwierige Entscheidung getroffen, die Angeklagte habe damals in einem einzigen Moment ihres zwar bisher straffreien Lebens eine falsche Entscheidung getroffen - "mit verheerenden Folgen für die Familie des Opfers".

Es half auch nichts, dass die 30-Jährige derzeit alleinerziehende Mutter einer siebenjährigen Tochter ist und sich allmonatlich eines schwierigen medizinischen Eingriffs im Universitätsklinikum Tübingen unterziehen muss. Und es half auch nichts, dass sie jetzt in der Berufungsinstanz endlich bereit war, sich bei der Witwe des getöteten Motorradfahrers zu entschuldigen und um Verzeihung zu bitten.

"Zu spät", so die Antwort der Witwe, die als Nebenklägerin für den Tod ihres Mannes im Prozess anwesend war. Die Angeklagte habe die Verantwortung ihres Tuns viel zu spät erkannt. So sah es jetzt auch die 38. Strafkammer des Landgerichts, die die Berufung der Angeklagten zurück wies. Lediglich die einjährige Sperre des Führerscheins wurde per Urteil verkürzt.

Der Hinweis des Gerichts: Sie habe die Möglichkeit, gegen dieses Urteil Revision beim Stuttgarter Oberlandesgericht einzulegen, müsse dabei aber einen rechtlichen Fehler in der Entscheidung geltend machen. Ob ihr Verteidiger, der ein Jahr zur Bewährung beantragt hatte, diese neuerliche Revision einlegen will, ist noch offen.

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